Schneeräumer sind beste Freunde der Autofahrer
02.02.2010 | 19:04 Uhr 2010-02-02T19:04:00+0100
Halver. Martin Hedfelds Dienstwagen hat Allradantrieb, ein Sperrdifferenzial, wiegt voll beladen rund 12 Tonnen und bringt 140 PS Leistung auf die Straße. Schnee ist Hedfelds Element, ländliche Nebenstraßen Halvers sind sein Revier. Der 39-Jährige fährt einen Schneeräumer mit Streueinrichtung.
Mit viel Traktion frisst sich der Wagen durch den Schnee auf den Straßen. Martin Hedfeld lenkt mit einer Hand, die andere ist am Hebel, mit dem die Stellung des Räumschildes gesteuert wird. Hoch, runter, nach links, nach rechts – je nach Straßenbeschaffenheit und vor allem nach Art der Straßenränder muss sie geändert werden. Selten ist Ruhe, während der Mitarbeiter des Baubetriebshofes seinen Wagen durch die schneeweiße Landschaft dirigiert. Und das wichtigste: Das Gefährt hat einen orangefarbenen Schild von über drei Metern Breite vor der Haube.
Können besonders gefragt
In Ennepe, Rotthausen und Buschhausen kennt der 39-Jährige jeden Baum, jeden Strauch und sicher jeden Straßenbelag und jeden Begrenzungspfosten. Haarscharf zieht der Schild an den Markierungspfählen vorbei, Hedfeld gibt Gas und die Fontänen der weißen Pracht erreichen Fensterhöhe, spritzen in hohem Bogen weg. Jetzt macht ihm der Job am Steuer erst richtig Spaß, dabei ist sein Können gerade in diesem Winter besonders gefragt: „Seit 20 Jahren bin ich jetzt dabei”, resümiert er, aber: „Diese Schneemengen habe ich in der Zeit, glaub' ich, noch nicht erlebt.”
Und das macht den Beruf auch ab und an schwierig, wenn nicht sogar gefährlich. „Wenn sich der Schild am Boden festfrisst, kann es mir den Wagen komplett umreißen”, erklärt Hedfeld. „Bestenfalls lande ich im Graben, schlimmstenfalls liegen dann 80 000 Euro auf dem Dach.” Wie zum Beweis passiert es prompt, der Schild blockiert auf dem Untergrund. Hedfeld schaltet blitzschnell: Hoch mit dem Ding und das Auto gebremst. Manche Strecken lassen sich deshalb eben derzeit nicht mehr freiräumen. Die Autofahrer, die sich immer freuen, wenn sie den orangefarbenen Wagen sehen, zeigen zumeist Verständnis.
Gefahren pflastern Weg
Andere Gefahren pflastern täglich Hans-Werner Keils Weg. Auch er fährt den Schneeräumdienst, allerdings mit kleinerem Fahrzeug und kleinerem Schild. Und das mit gutem Grund: Keil ist innerstädtisch unterwegs und hat dabei natürlich auch kleine und kleinste Straßen auf dem Plan: „Da wird's manchmal wirklich eng.” Vor allem, wenn die Anwohner ihre Autos unbedacht abstellen. Doch Keil bleibt gelassen, bisher ist er noch überall durchgekommen. Nur eins ärgert ihn: „Bei diesen Schneemengen verstehe ich nicht, dass die Leute beim Räumen der Bürgersteige den Schnee noch auf die Straße werfen, statt in die eigenen Vorgärten.” So würden die Straßen noch enger als nötig.
Die Enge ist auch ein großes Problem für die Feuerwehr, wie Wehrleiter Stefan Czarkowski gestern betonte: „Wir verlieren im Einsatzfall eh schon Zeit durch das Wetter, wenn dann noch Autos im Weg stehen, ist das nicht nur ärgerlich, sondern schlimmstenfalls auch teuer.” Deshalb fügt Lutz Eicker vom Ordnungsamt an: „Wir kontrollieren derzeit auch die Straßenbreiten. Wer zu eng parkt, riskiert abgeschleppt zu werden.” Und das muss nicht sein.
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