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Schaufenstermuseum in Hagen wird eingemottet

30.03.2010 | 06:00 Uhr
Schaufenstermuseum in Hagen wird eingemottet

Hagen. Europäisches Schaufenstermuseum Hagen - ein klangvoller Name. Obwohl es nie ein lebendiges Präsenz-Museum war, galt es als Alleinstellungsmerkmal Hagens und war flankierendes Element des Schaufensterwettbewerbs. Das Museum existiert nicht mehr, doch das Archivmaterial soll gerettet werden.

Lediglich ein für Besucher nicht zugängliches Archiv ist übrig geblieben.

Rückblick: 1998, im Rahmen einer Osthaus-Ausstellung, auf der auch Urkunden vom ersten, 1910 von Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus konzipierten Schaufensterwettbewerb gezeigt wurden, kam beim damaligen City-Manager Christian Isenbeck sowie einigen Kunstfreunden und Einzelhändlern die Idee auf, den Wettbewerb zu revitalisieren und begleitend ein Schaufenstermuseum ins Leben zu rufen. Auch von städtischer Seite wurde die Idee mitgetragen und beschlossen, ein Museum dieser Art aufzubauen. Zu diesem Zweck sollte bis 2005 eine Stiftung gegründet werden, die die anfallenden Kosten für das Museum (Organisation und Personal) tragen sollte. Die Stadt Hagen kaufte vom Bund Deutscher Schauwerbegestalter (BDS) für 50 000 Mark Material, 25 000 Mark wurden vom BDS für die wissenschaftliche Bearbeitung zurückerstattet.

„Bei dem Material handelte es sich um zwei große Paletten mit internationalen Fotografien von 1900 bis 1980, historischen Fachzeitschriften und Schaufensterfiguren aus den 60er Jahren”, erläutert Melanie Redlberger, spätere Leiterin des Europäischen Schaufenstermuseums Hagen.

Im August 2006 wurde das Europäische Schaufenstermuseum in der alten Bibliothek des Karl-Ernst-Osthaus-Museums eröffnet. Später - während der Umbauzeit - zog man mit dem BDS-Material sowie den Leihgaben und Schenkungen von Privatleuten und der Firma Moch-Figuren in die erste Etage des Verwaltungsgebäudes, dem früheren Kreisgericht an der Hochstraße.

Stadt zu klamm für Erhalt

Die Stiftungsidee (Hauptunterstützer sollten der BDS und die Firma Eurodisplay sein) wurde dann jedoch von städtischer Seite nicht weiter verfolgt, da aufgrund knapper Finanzen abzusehen war, dass eine Vereinsgründung nicht zustande kommen würde.

2008 wurde unter Mentor Stefan Bajohr das erste Sparpaket, das auch die Schließung des Schaufenstermuseums beinhaltete, beschlossen. Die Leihgeber wurden darüber informiert, dass es keine öffentlich zugänglichen Ausstellungsräume mehr gebe, und sämtliches Material wurde eingelagert. „Alte Dokumente und Fotos natürlich konservatorisch richtig, also im Klima-Archiv”, versichert Redlberger. „Was nicht zwingend klimatisch gelagert werden muss, würden wir allerdings gern auslagern, denn unser Haus ist rappelvoll”, betont der Direktor des Karl-Ernst-Osthaus-Museums, Tayfun Belgin.

Das Fremdlagern würde jedoch Probleme aufwerfen: Von Leihgebern und Schenkern müsste das Einverständnis eingeholt werden, und die Versicherungssumme für das ausgelagerte Material müsste erhöht werden.

Material soll in Hagen bleiben

Historische Schaufensterpuppe aus dem Museum.

An dieser Stelle kommen die Hagener Einzelhändler ins Spiel. Jochen Schleuter, Vorsitzender der City Gemeinschaft: „Wir möchten nicht, dass das Schaufenstermuseum zerschlagen wird. Das Material soll unbedingt in Hagen bleiben.” In Gesprächen haben Jochen Schleuter, Tayfun Belgin und Oberbürgermeister Jörg Dehm nach Lösungen gesucht, doch auch diese dürften, wie alle Seiten betonen, „wenig bis nichts” kosten.

Jochen Schleuter: „Wir Einzelhändler sind keine Archivare, aber vielleicht stellt ja ein Schaufensterfreund kostenlos einen Lagerraum zur Verfügung. Oder wir nutzen ein leeres Ladenlokal samt Schaufenster, schließlich muss ein Museum doch leben.”

Knackpunkt: Das Material muss größtenteils lichtdicht gelagert werden; die historischen Figuren dürfen nicht im Schaufenster platziert werden.

Er habe auch kein Patentrezept, sagt Tayfun Belgin, doch momentan wäre es am sinnvollsten, wenn man für das Material einen etwa 50 qm großen, sicheren, klimatisch geeigneten Raum (Belgin: „Zum Beispiel in der Volme-Galerie”) sowie ehrenamtliche Helfer, die stundenweise anwesend seien, finden würde.

Museum erregte einst viel Aufmerksamkeit

Als das Museums-Material noch für die Öffentlichkeit zugänglich war, erinnert sich Melanie Redlberger, habe es alle 14 Tage wissenschaftliche Anfragen von Werbefachleuten, Buchgestaltern und Kulturhistorikern gegeben. „Damals stellten wir den Interessierten einen Archivarbeitsplatz unter Aufsicht zur Verfügung. Aber das war einmal.”

Die Schaufenstermuseums-Räumlichkeiten im Verwaltungsgebäude hat das Osthaus-Museum übrigens getauscht - gegen Flächen des städtischen Kulturbüros in der 2. Etage. Das Kulturbüro präsentiert seit kurzem in der „gewonnenen” 1. Etage eine ständige Ernst-Meister-Ausstellung mit persönlichen Objekten und Fotos des Hagener Dichters. Doch auch hier gilt: „Öffnungszeiten nur nach Voranmeldung”.

Yvonne Hinz

Kommentare
02.04.2010
12:06
Schaufenstermuseum in Hagen wird eingemottet
von BoelerMädel | #15

Komisch, dass die Frau Hauck immer dabei ist, wenn Sparpläne öffentlich diskutiert werden. Offenbar sind viele Menschen froh, wenn sie aus städtischen...
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Schaufenstermuseum in Hagen wird eingemottet
Schaufenstermuseum in Hagen wird eingemottet
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2010-03-30 06:00
Hagen