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Mit Leib und Seele Tagesmutter

18.12.2008 | 19:36 Uhr
Mit Leib und Seele Tagesmutter

Bei Familie Kischel ist immer was los. Bis zu acht Personen tummeln sich im Haus am Kuhlerkamp: Zwei Erwachsene, deren zwei eigene Kinder und bis zu vier Pflegekinder. Für Ute Kischel kein Thema von Turbulenzen, sie ist die Ruhe selbst - und seit 16 Tagesmutter mit Leib und Seele.

Natürlich will sie es bleiben. Was für eine Frage. Aber es ist eine Frage, nämlich eine finanzielle. Die Bundesregierung hat die steuerlichen Regelungen für Tagesmütter verändert, sie greifen ab Januar 2009 und machen - auf den ersten Blick - das Portemonnaie von Tageseltern dünner, durch Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung.

Fortan müssen nämlich alle Tagespflegepersonen ihre Einnahmen versteuern. Bisher musste nur Abgaben zahlen, wer privat bezahlt wurde. Betreuungsgeld vom Jugendamt war steuerfrei. Für Ute Kischel bleibt's bekannt, denn sie musste bereits im vergangenen Jahr ein privates Kind ,versteuern'. Sie sieht eher den Vorteil: „Damit erwerbe ich Ansprüche in der Rentenversicherung. Die Tätigkeit ist endlich als Beruf anerkannt und ich bin abgesichert.” Außerdem werden von ihrem steuerpflichtigen Einkommen noch Pauschalen (z.B. 300 Euro bei Vollzeitpflege) abgerechnet. Hätte Kischel nur ein Kind in Betreuung würde sie gar nicht steuerpflichtig, rutschen ihre Einkünfte unter einen Grundfreibetrag. „Es ist eine Frage der Lebensperspektive”, meint Heike Depprich vom Hagener Caritasverband, in dem das ehemalige Tagesmütterwerk aufgegangen ist. „Manche Frauen möchten nur ein Kind aufnehmen, damit das eigene einen Spielgefährten hat.” Auf jeden Fall sieht depprtich die Steuergerechtigkeit befördert: „Eine selbstständige Frisörin muss sich auch versichern.”

Ute Kischel hat sich bei der Krankenkasse und beim Versicherungsamt über die Neuerungen informiert, denn die Regelungen wirken sich sehr individuell aus. Über die Stundnesätze lässt sich wieder was rausholen: Wer als Tagesmutter gut qualifiziert ist, bekommt in Hagen einen Stundensatz von 4 Euro vom Jugendamt, der Bundesverband der Pflegeeltern fordert 5,50 Euro. Ein Zuschuss zur Krankenversicherung und Rente (Einkommen über 400 Euro) wird auch gezahlt.

Bis 2013 sollen in Hagen 500 Plätze für Tageskinder entstehen, aktuell sind's 200. „Wir brauchen Tagesmütter, Tagesmütter, Tagesmütter”, rührt Gerd Steuebr vom Fachbereich Jugend und Soziales die Werbetrommel.

Beste Werbeträgerin dafür ist Ute Kischel. Momentan bildet sie sich weiter, um zukünftig Kinder mit Behinderungen aufnehmen zu können. An der Volkshochschule hat sie einen Kurs Gebärdensprache belegt, kann hörende Kinder gehörloser Eltern betreuen - ein Job mit beruflichen Perspektiven.

Lesen Sie weitere Artikel zum Thema in der Printausgabe der WR von Freitag

Anja WETTER

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