Jede Eintrittskarte wird mit "nur" 84 Euro bezuschusst
06.02.2010 | 05:00 Uhr 2010-02-06T05:00:00+0100
Hagen. „Endlich einmal Zahlen, die nachvollziehbar und dementsprechend auch aussagekräftig sind.” Mit diesen Worten kommentierte Kämmerer und Ex-Kulturdezernent Christoph Gerbersmann eine Vergleichsstatistik zur Subvention von Theaterkarten in Nordrhein-Westfalen.
In dem Wirtschaftsmagazin des Bundes der Steuerzahler wurden jetzt Zahlen des Landtages veröffentlicht, die auf einer Statistik des Deutschen Bühnenvereins beruhen. Demnach erhalten Theaterfreunde in NRW zwischen 80 und 298 Euro Zuschuss aus der Stadtkasse für einen vergnüglichen Bühnenabend. Auffällig dabei: Das Hagener Theater, das in der beleuchteten Spielzeit 2006/07 Gesamtausgaben von rund 16 Millionen Euro tätigte, steht mit Blick auf die subventionierte Eintrittskarte im Vergleich zu anderen Häusern am untersten Ende der Skala. Bei rund 160 000 Besuchern wurde jede Eintrittkarte mit 84 Euro aus der Stadtkasse bezuschusst. Nur in Bochum muss das Rathaus für ein Ticket fürs Theater vier Euro weniger zahlen. Der Blick nach Wuppertal oder nach Dortmund lässt den Steuerzahler da schon eher aufschrecken. So werden die rund 60 000 Besucher des Wuppertaler Theaters (ohne das Tanztheater Pina Bausch) pro Aufführung mit jeweils 234 Euro bezuschusst. In Dortmund würde eine Eintrittskarte regulär 164 Euro kosten. Da bei diesen Preisen niemand ins Theater gehen würde, legt die Stadt 133 Euro drauf. Spitzenreiter im Subventionsreigen sind die beiden Städte Duisburg und Düsseldorf, die sich die Kosten für die Oper teilen. 405 Euro müssten Opernfreunde dort regulär für ein Ticket am der Kasse aus dem Portemonnaie holen. Der städtische Zuschuss in Höhe von 298 Euro mildert diese enorme Summe für eine Eintrittskarte ab.
„Das ist ein sehr positives Signal. Die Zahlen belegen, dass wir in Hagen ja gar nicht schlecht wirtschaften. Es wird kein Geld verschwendet. Aufgrund unserer Haushaltslage bleibt uns aber gar nichts anderes übrig, als die Kosten noch weiter zu reduzieren”, so Gerbersmann. Kooperationsverhandlungen mit den Häusern in Wuppertal und Dortmund müssten jetzt angestoßen werden. „Ein Miteinander macht ja nur Sinn, wenn die Wege nicht so weit sind. Wir haben da mit dem Orchester und der Kooperationsgeschichte mit Siegen und Hilchenbach so unsere Erfahrungen gemacht. Ich habe das damals das Westdeutsche Reiseorchester getauft, weil die Musiker ja nur unterwegs waren. So etwas geht nicht. Dortmund oder Wuppertal sind aber Häuser in unmittelbarer Nähe.”
Auch der Bund der Steuerzahler plädiert angesichts der hohen Subventionen für einen besseren Grad der Kostendeckung. Dabei bleibt auch nicht unerwähnt, dass private Bühnen ebenfalls professionell arbeiten müssen. Dort zahle man für eine Eintrittskarte aber auch schon einmal schnell 100 Euro. Kostensenkungen, so die Steuerexperten, wären tendenziell möglich, wenn es mehr Theater- und Opernhaus-Ehen geben würde. Ein Weg, den auch Oberbürgermeister Jörg Dehm jetzt für das Hagener Theater vorgegeben hat.
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