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Engagement scheitert an der Bürokratie

08.06.2012 | 18:57 Uhr
Engagement scheitert an der Bürokratie
Neben einem alten Fernseher liegen zahlreiche Säcke auf dem Platz am Waldrand.

Wehringhausen.   Eine illegale Müllkippe wollte Siegbert Klein auf seinen Anhänger laden und zur Müllverbrennungsanlage bringen. Für sein freiwilliges Engagement sollte er zahlen. Jetzt wächst der Müllberg weiter.

Er wollte als Bürger der Stadt Hagen Gutes tun - und scheiterte an bürokratischen Hürden. Denn Müll, den man findet, kann man nicht so einfach beim Hagener Entsorgungsbetrieb abgeben.

Sauer auf die Verwaltung

Siegbert Klein ist sauer. Richtig sauer. Auf Menschen, die achtlos ihren Unrat in der Natur entsorgen . Und mindestens genau so sehr auf die Hagener Verwaltung.

Zwei gelbe Säcke hatte der Mann, der an der Henschelstraße im oberen Wehringhausen wohnt, auf einem großen Platz am Waldesrand gefunden . Und da erinnerte er sich an die Berichterstattung in unserer Zeitung. Ende April hatte es da geheißen: „Umweltamt lässt Müll im Wald liegen.“ Dahinter steckte die Aussage von Umweltdezernent Dr. Christian Schmidt, dass sein das Fachamt personell derart ausgedünnt sei, dass sich die Mitarbeiter außer stand sähen, wilden Müll einsammeln zu lassen. Von Burn-Out-Syndromen war die Rede. „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht“, stellte Schmidt fest, musste allerdings auf Intervention des Oberbürgermeisters später wieder zurückrudern.

Entsorgung muss bezahlt werden

Für Siegbert Klein war die Diskussion Anlass genug, selbst tätig zu werden. „Ich habe ja einen Anhänger“, sagt er. „Da wollte ich den Müll aufladen und zur Verbrennungsanlage fahren.“

Das könne er ja gerne tun, erklärte man ihm beim Hagener Entsorgungsbetrieb (HEB). Nur müsse er dann auch für die Entsorgung zahlen.

„Nicht zuständig“

Also rief Siegbert Klein beim Umweltamt an und bat um Unterstützung. „Der Mitarbeiter hat mir zunächst erklärt, dass er nicht mehr zuständig sei “, sagt Klein. „Derjenige, der sich jetzt um wilde Müllkippen kümmere sei krank.“

Klein schilderte trotzdem sein Vorhaben, dass die Stadt keinen Euro gekostet hätte. Aber: „Das sei so nicht vorgesehen - hat man mir erklärt“, sagt Siegbert Klein. „Das Umweltamt müsse zunächst den Abfall in Augenschein nehmen. Dann würde ein Auftrag an den HEB geschrieben. Die sammele den Müll dann ein und schicke schließlich eine Rechnung.“

Ehrbares Anliegen

Ein Stadtsprecher erklärt die Bürokratie so: Das Anliegen sei ja durchaus ehrbar. Allerdings fürchte man, dass künftig jeder, der kostenlos seinen Müll entsorgen wolle, einfach behaupte, er habe diesen gefunden. „Zunächst gehen Mitarbeiter des Ordnungsamtes raus und gucken sich den Müll an“, so der Sprecher weiter, „manchmal lassen sich noch Hinweise auf den Verursacher finden. Danach wird der Unrat vom HEB abgeholt und entsorgt.“

Passiert ist das noch nicht. Im Gegenteil: Der Berg ist mittlerweile angewachsen. Von zwei Säcken auf neun. Hinzu kommt noch ein Fernsehgerät in unmittelbarer Nachbarschaft. „So etwas“, sagt Siegbert Klein, „regt mich einfach auf.“

Jens Stubbe


Kommentare
19.06.2012
08:25
Engagement scheitert an der Bürokratie
von zwergschatten | #15

vermutlich könnte die verwaltung und damit wir alle sehr viel geld sparen, wenn der müll einfach kostenlos beim heb abgegeben werden kann? was dadurch an mehrkosten anfällt könnte durch die wegfallenden verwaltungskosten mehr als ausgeglichen werden. dann könnte das beispiel des freiwilligen müllsammelns mal schule machen.

11.06.2012
17:23
Engagement scheitert an der Bürokratie
von DarkwingDuck | #14


Mir stäuben sich die Nackenaare! Natürlich werden noch mehr Hirnlose ihren Müll dort verteilen, solange der Müll nicht entsorgt wird! Wenn Umweltdezernent Dr. Christian Schmidt mitteilen lässt, dass das Fachamt personell derart ausgedünnt sei, dass sich die Mitarbeiter außer stand sähen, vernünftig zu arbeiten und wilden Müll einzusammeln. Die sleben Mitarbeiter verrichten ja nicht mal mehr ihren "normalen" Job! Schauen wir uns mal das Müllproblem im Stadtpark an! Einst ein wunderbarer Ort der gepflegten Erholung! Inzwischen vergammelt mal wieder der Teich, Enten und Fische können nicht ungehindert schwimmen. Überall liegt Müll herum und das Gras wächst mancherorts in Kniehöhe!
Wann möchte der gut bezahlte Umweltdezernet denn mal seinen Job anständig verrichten und dafür sorgen, dass seine Mitarbeiter sich angemessen und ausreichend um herumliegenden Müll und unsere Parks kümmern???

11.06.2012
13:09
Also den Fernseher kann er kostenfrei abliefern
von Susan2012 | #13

wenn er unbedingt was abliefern möchte. Aber im Ernst, wer bitte ist den so naiv zu glauben, man könne dort mit einem Hänger vorfahren und kostenlos Müll abgeben, den man an der Strasse gefunden hat? Und verhindert das wildes Abkippen? Nein auf keinen Fall, wenn die Spezies das erstmal raus haben, liegt da in kürzester Zeit die doppelte und dreifache Menge Müll. Wird ja entsorgt. Nein, untersuchen lassen, eventuell den Verursacher ermitteln und eine saftige Rechnung schicken.

10.06.2012
17:45
Engagement scheitert an der Bürokratie
von denhoorn | #12

Was lernen wir daraus? Augen zu, Müll liegenlassen. Schade, aber Eigeninitiative ist in Hagen wohl nicht gefragt.

10.06.2012
13:30
Engagement scheitert an der Bürokratie
von Ampelspezi | #11

In Zukunft
"würde es Leute geben, die Ihren Müll so kostenfrei entsorgen würden"
das ist die Ausrede derer, die in der Gegenwart nichts tun wollen.

Also, mögen täten wir ja schon wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut.

10.06.2012
10:14
Engagement scheitert an der Bürokratie
von SimonvonUtrecht | #10

Plem | #6
...und in Hoasper Platt !

10.06.2012
09:43
Engagement scheitert an der Bürokratie
von altesholz | #9

vielleicht sollte der oberbürgermeister herrn dr. christian schmidt einen weiteren beratervertrag zukommen lassen, damit er beratend diese müllentsorgungsprobleme in hagen lösen hilft. was ist eigentlich aus dem vertrag für dr. schmidt bei der hagen agentur geworden? man hört und liest nichst mehr! hat die presse jetzt ein bericht- und rechercheverbot auferlegt bekommen?

09.06.2012
11:42
Engagement scheitert an der Bürokratie
von Roadrunner99 | #8

Hier haben die Stadt und auch die HEB doch mal recht. Es würde doch Leute geben, die Ihren Müll so kostenfrei entsorgen würden.

09.06.2012
11:10
Engagement scheitert an der Bürokratie
von stadtguerilla | #7

Man kann sich als Hagener Bürger für das Verhalten von HEB und Umweltamt nur schämen. Kleinkariert, inkompetent, ignorant.

Ich habe mittlerweile sogar teilweise Verständnis dafür das der Müll wild entsorgt wird wenn ich mir die Preise der HEB angucke. In Nachbargemeinden wird regelmäßig Sperrmüll kostenlos entsorgt. Wieso geht so etwas in Hagen nicht?

Antwort: "Das währe zu einfach."

1 Antwort
Engagement scheitert an der Bürokratie
von blaavand | #7-1

Nein, es ist nicht zu einfach. Es ist so, dass in Iserlohn z.B. die Entsorgung des Hausmülls viel teurer als in Hagen ist. Dadurch wird natürlich die kostenlose Sperrgutabfuhr von ALLEN bezahlt. Ich habe seit mindestens 15 Jahren keinen Sperrgutwagen mehr bestellt. Warum sollte ich also 15 Jahre lang ander Leute Sperrgut mitbezahlen? Zu mal ich immer wieder, da ich tägl. nach Hemer muss, sehe, dass Autos aus anderen Städten ihren Müll nach Iserlohn "exportieren". Da ist das Hagener Modell besser. Zahlen bei Abruf.

09.06.2012
07:23
Engagement scheitert an der Bürokratie
von Plem | #6

Wie kann man nur so dumm sein, eigenverantwortlich wilden Müll zu entsorgen!? Jetzt hat er die beiden Säcke wieder an den Ort verbracht, an dem er sie gefunden hat. Und wenn er Pech gehabt hätte und erwischt worden wäre, hätte man ihm noch eine Anzeige wegen unerlaubter Müllentsorgung aufgedrückt.

Vielleicht wäre es hilfreich, diesen Flyer hier

http://www.heb-hagen.de/images/stories/pdf/infobroschre.pdf

an alle Hagener Haushalte zu verteilen. Am besten mehrsprachig; aber nicht englisch und französisch, sondern bulgarisch und türkisch.

1 Antwort
Engagement scheitert an der Bürokratie
von blaavand | #6-1

Und was bringt es, den Flyer in anderen Sprachen zu verfassen? NICHTS !!! Ich selbst habe in regelmäßigen Abständen, wie ich sie nenne " Umweltschweine ", an Containerstandplatzen beim illegalen kippen erwischt. Und? Da wird von " nix verstehn " bis hin zu " Na und. Sollen die Idioten von der Stadt abholen " als Ausrede feilgeboten. Der Flyer im Briefkasten verschwindet genauso schnell ungelesen, wie jede andere Werbung auch. Und wenn man die Polizei informiert, wartet man mitunter 20 Minuten. Toll. Der Täter ist dann weg und die Polizei sagt, dass man besser die Leute nicht anspricht, da ja mal jemand "austicken " könnte und ein Messer zieht. Es muss seitens der Stadt mal eine rund um die Uhr überwachung stattfinden. Allein am Containerstandplatz Augustastrasse könnte die Stadt in nur einer Nacht mehrere hundert Euro an Bußgeld eintreiben. Wenns erst mal Klick im Kopf gemacht hat, könnte sich mal so langsam was im Thema "Wie halte ich meine Stadt sauber" tun.

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