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Wirtschaft / Soziales

Ein Flirt auf Augenhöhe in 90 Sekunden

10.11.2011 | 17:00 Uhr
Ein Flirt auf Augenhöhe in 90 Sekunden
90 Sekunden Zeit: Unternehmer treffen Vertreter sozialer Vereine und Organisationen. Foto: Annemüller

Hagen. Der Gong ertönt. 90 Sekunden sind um. Schon wieder. Stühlerücken, einen Platz nach rechts rutschen und weiter geht’s. Die Basse Druck GmbH trifft die Laurentius Werkstätten, die Suppenküche die Werbeagentur Tiefschwarz und Edelweiß und die Sparda Bank West die Aids-Hilfe.

Das 1. Hagener Speed-Meeting feierte am Mittwochabend im Schumacher-Museum Premiere und machte Lust auf mehr. 15 Unternehmen und 17 soziale Organisationen und Vereine kamen zusammen, um Kontakte und Leistungen auszutauschen.

Moderator Erik O. Schulz von der Agentur-Mark nimmt sie mit auf die „Jungfernfahrt“. Beim Speed-Meeting lernen sich die Teilnehmer kennen: Wer bin ich, was tue ich, was kann ich bieten? 90 Sekunden sind kurz. Anschließend wird über den Austausch von Leistungen verhandelt - in Augenhöhe. Um den Austausch von Ideen, Zeit, Räumen und Sachmitteln. Die Stimmung ist locker, die Gespräche sind gut. Es gibt nur eine Regel: Geld ist tabu.

Es funktioniert.Die Arbeitswäsche der Aloys Priller Möbelspedition wird künftig in Luthers Waschsalon gewaschen, der seinerseits bei Bedarf einen Möbelwagen der Spedition geliehen bekommt. Vorträge tauschen die Johanniter-Unfall-Hilfe (Erste-Hilfe-Kurs) und die Insolvenzberatung Ruhr (Haushaltsfinanzen für ältere Menschen).

Aber auch sonst mangelt es nicht an Ideen. Julia Dettmann von der in finanzielle Nöte geratenen Schloss Hohenlimburg gGmbh ist auf der Suche nach Arbeitskräften, um die Gartenanlagen in Schuss zu halten und den Kräutergarten zu bepflanzen. Im Gegenzug hat die Schloss-Managerin Freikarten für Events, Themen-Führungen und Räumlichkeiten im Angebot. Heike Depprich vom Fachbereich Kindertagespflege der Caritas will in Firmen gehen und die Mitarbeiter zum Thema Kinderbetreuung beraten. Was sie als Gegenleistung erwartet? „Interessante Gespräche und familienfreundliches Denken in Unternehmen.“ Heike Spielmann, Leiterin der Bahnhofsmission, bietet einen Seitenwechsel in Form von Hospitationen und Raum für Aushänge. „Im Gegenzug suchen wir Menschen, die für uns das Image aufbessern“, erklärt sie. „Die Bahnhofsmission ist kein verstaubter Laden, sondern ein Ort am Puls der Zeit.“

Schon länger hatte die Freiwilligenzentrale Hagen die Idee des Speed-Meetings im Hinterkopf und holte sich nun drei Partner ins Boot. Gemeinsam mit der Hagen-Agentur, der Stadt und der Agentur­Mark erfolgte die Umsetzung. „Es soll der erste Schritt sein“, sagt Stephanie Krause, Leiterin der Freiwilligenzentrale. Und Gerhard Schießer, Leiter der Hagen-Agentur, ergänzt: „Wir wollen gute Beispiele für das nächste Speed-Meeting finden. In Vorgesprächen hatten wir oft das Problem, dass Unternehmen nicht so recht wussten, was sie an Leistungen anbieten können.“

Ansporn für die Zukunft war die Premiere allemal. Erste Kontrakte, aber vor allem Kontakte nahmen die Teilnehmer mit. Schon jetzt steht fest: Das 2. Hagener Speed-Meeting wird im nächsten Jahr folgen. Möglicherweise mit geänderten Regeln. Denn was die Organisatoren anfangs gar nicht auf der Rechnung hatten, trat ein: Es wurde nicht nur zwischen Wirtschaft und Gemeinwesen gehandelt. Auch die Unternehmer selbst tauschten munter Ideen aus, die gemeinnützigen Gruppen ebenso. Eingestielt wurde etwa eine Kooperation zwischen der Emil-Schumacher-Stiftung und dem Verein „Frauen helfen Frauen“. Während im Kunstquartier ein Museumsangebot für Frauen und ihre Kinder angeboten werden soll, ist im Gegenzug Beratung für die Museums-Mitarbeiterinnen geplant.

Carolin Annemüller



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