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Die letzten Tage von Kückelhausen

28.06.2012 | 17:09 Uhr
Die letzten Tage von Kückelhausen
Ex-Schulleiterin Isolde Ewald, Hausmeister Manfred Lersch und Lehrerin Susanne Kühnau.

Kückelhausen.   Die Grundschule Kückelhausen wird mit Ablauf dieses Schuljahres geschlossen. Kein Wunder, dass beim Abschiedsfest ein bisschen Wehmut über dem Pausenhof lag. Kinder und Kollegium wechseln nach den Ferien geschlossen an die Grundschule Spielbrink.

Über dem Pausenhof schwebte ein Hauch von Melancholie, als sich Eltern, Kinder, Lehrer, Nachbarn und ehemalige Schüler zum Abschiedsfest trafen. Nach 110 Jahren endet die Ära der Grundschule Kückelhausen . In dem 1902 errichteten Schulgebäude gingen Generationen von Hagenern zum Unterricht, doch im Sommer ist Schluss. Die Grundschule wird mit Ablauf dieses Schuljahres aufgelöst .

Die Bildungseinrichtung an der Bebelstraße gehört zu den ältesten Schulen in Hagen, fiel aber dem Schulentwicklungsplan zum Opfer. Obwohl sie derzeit noch von 120 Kindern besucht wird, entschied sich der Rat für die Schließung. „Das tut schon weh“, sagte Hausmeister Manfred Lersch (57), der noch nicht weiß, ob er in dem altehrwürdigen Gebäude wohnen bleiben darf.

Lehrer erteilen deutschen Sprachunterricht

War die Stimmung draußen elegisch, so brachen sich im Inneren des Schulgebäudes nostalgische Anwandlungen ungehemmt Bahn. Das Kollegium hatte einen Klassenraum mit alten Dokumenten, Gebäudeansichten und Fotos ausstaffiert, darunter eine Bedienungsanleitung für einen Kokskessel. „Diese Sachen haben auf dem Dachboden geschlummert“, berichtete Marie Luise Borchmann, Rektorin der Emil-Schumacher-Schule, die die Einrichtung in Kückelhausen kommissarisch führt.

Einst brauste das Leben an der Schule. „Als ich 1971 hier meine Stelle antrat, gab es im dritten Schuljahr 49 Kinder“, erinnerte sich Ex-Rektorin Isolde Ewald (70) aus Emst, die die Schule 33 Jahre lang leitete. Es habe damals weder eine Sekretärin noch eine Konrektorin gegeben. Auch der Anteil der ausländischen Kinder war gering: „Eine Handvoll vielleicht.“ Heute ist es eher umgekehrt, wie selbstverständlich erteilen alle Lehrerinnen deutschen Sprachunterricht.

Auch Torsten Hasenclever (38) und seine Frau Tanja Dräger (38) warfen beim Abschiedsfest noch einmal einen Blick in ihre alte Schule. „Ich habe mich hier immer wohl gefühlt“, sagte Hasenclever. „Diese Schule hat mir den Weg fürs Leben geebnet.“ Töchterchen Jule (1) muss das Paar zwangsläufig an einem anderen Ort einschulen, die Eltern tendieren zur evangelischen Schule in Haspe: „Aber damit haben wir ja noch etwas Zeit.“

Klassenverbände sollen zusammen bleiben

Der Blick des Kollegiums richtet sich zur Grundschule am Spielbrink, an die die Kinder aus Kückelhausen und ihre Lehrerinnen wechseln werden.

Die Klassenverbände sollen zusammen bleiben und per Bus zum Spielbrink transportiert werden. Nur die Pavillons des Ganztagsbereichs, in dem 50 Kinder betreut werden, bleiben ein weiteres Jahr bestehen.

Was mit dem Schulgebäude geschehen wird, steht noch nicht fest. Der Pausenhof war und ist ein beliebter Treffpunkt für die Kinder aus Kückelhausen. „Sonst gibt es hier ja keine Möglichkeiten zum Spielen“, so Ruth Sassenberg (70), die nur zwei Häuser weiter wohnt und deren Enkelin Martha (7) die Grundschule besucht. Ob die Kleine weiß, dass sie zu den letzten Kindern gehört, die hier zu lesen und zu schreiben gelernt haben?

Von Hubertus Heuel

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Kommentare
01.07.2012
01:59
Die letzten Tage von Kückelhausen
von Friedrich-Gisbert | #1

Herr Heuel, Enkelin Martha weiß natürlich nicht, "dass sie zu den letzten Kindern gehört, die hier zu lesen und zu schreiben gelernt haben". Dass eine Schule geschlossen wird, ist enorm schwer zu verstehen. Das ist eine intellektuelle Herausforderung, auch für Erwachsene. Auch die Lehrer der Schule werden sicherlich die nächsten Jahre als Zombies durchs Schulgebäude laufen, weil sie nicht begreifen, dass die Schule geschlossen wurde. Oder war diese kreative Artikel-Conclusio ironisch gemeint?

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