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Caritas Hagen kann Hilfsbedürftige nicht mehr mit Lebensmitteln versorgen

12.06.2012 | 18:29 Uhr
Caritas Hagen kann Hilfsbedürftige nicht mehr mit Lebensmitteln versorgen
Christine Hohmann ist eine von 70 Helfern beim Warenkorb in Hagen. Die Caritas kann keine Berechtigungsscheine mehr ausgeben. Foto: WP

Hagen.   Der Warenkorb der Caritas Hagen stellt keine Hilfsbedürftigen-Ausweise mehr aus. Grund: Die Hilfsorganisation wird der steigenden Nachfrage nach billigen Lebensmitteln nicht mehr gerecht. „Wir versorgen inzwischen 3650 Menschen in Hagen, und pro Monat kommen 100 hinzu“, berichtet Fachbereichsleiterin Tatjana Flatt von einem dramatischen Anstieg der Bedürftigkeit. „Diesen Andrang können wir einfach nicht mehr bewältigen.“

Als Konsequenz müssen nun arme Menschen, die eigentlich berechtigt wären, sich in einem der beiden Warenkörbe in Wehringhausen (Lange Straße 70a) oder Boele (Boeler Kirchplatz 15) mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln einzudecken, außen vor bleiben. Sie erhalten von der Caritas keinen Berechtigungsschein mehr. Dieser Ausweis, den wiederum nur erhält, wer nach Vorlage eines Sozialhilfebescheides oder eines anderen staatlichen Papiers seine Bedürftigkeit nachgewiesen hat, ist zwingende Voraussetzung für einen Einkauf beim Warenkorb. „Wir können die Situation nicht anders auffangen“, wirbt Frau Flatt um Verständnis.

Suche nach neuen Lebensmittelsponsoren

Der Warenkorb ist aber nicht nur aufgrund der steigenden Zahl an Bedürftigen in die Bredouille geraten. Die 60 Supermärkte und Geschäfte, die die Hilfsorganisation mit Ess- und Trinkbarem versorgen, haben immer weniger Waren übrig. „Sie kalkulieren jetzt schärfer und verkaufen viele Sachen, die kurz vor dem Verfallsdatum stehen, selbst zum halben Preis“, hat Tatjana Flatt erkannt. Aufgrund dieser Entwicklung sucht der Warenkorb neue Lebensmittelsponsoren und bittet um Spenden, um die Versorgung der Bedürftigen weiterhin gewährleisten zu können.

Das Bestehen des Warenkorbs und die Versorgung armer Menschen sind eng mit dem ehrenamtlichen Engagement der rund 70 Helfer verbunden, die ihre Freizeit opfern, um die qualitativ einwandfreien Lebensmittel in den Geschäften abzuholen und in den Sammelstellen zu sortieren. Der Warenkorb ist keine Behörde und kein Amt, er ist überhaupt keine staatliche Institution.

Kinder leiden besonders

Dennoch würden Bedürftige mittlerweile von Jobcenter oder Sozialamt an den Warenkorb verwiesen, als handele es sich um eine offizielle Anlaufstelle. „Wir sind inzwischen ein willkommener Lückenfüller für den Mangel an staatlicher Daseinsfürsorge“, regt sich Caritas-Geschäftsführer Wolfgang Röspel auf. „Das kann nicht im Sinne der Sache sein.“ Röspel, selbst Fraktionschef der CDU in Hagen, fordert von der Bundesregierung, die Regelsätze für arbeitslose und bedürftige Menschen deutlich aufzustocken.

Denn unter den Menschen, die zum Warenkorb kommen, werden die klassischen Hartz-IV-Empfänger immer stärker von Familien verdrängt, in denen die Eltern arbeiten, aber mit Minijobs und Zeitarbeit nicht genug verdienen, um den Alltag zu bewältigen. 44 Prozent der Bedürftigen sind denn auch Kinder . „Sie leiden besonders unter der Situation“, sagt Tatjana Flatt.

So hat sich denn ein Paradigmenwechsel ergeben: Der Warenkorb, vor acht Jahren ins Leben gerufen, um überschüssige Lebensmittel an bedürftige Menschen zu vermitteln, ist nun gezwungen, seine Tätigkeit einzuschränken. Nicht, weil keine Armut mehr existiert, sondern weil es immer mehr Arme gibt.

Hubertus Heuel



Kommentare
13.06.2012
20:29
Caritas Hagen kann Hilfsbedürftige nicht mehr mit Lebensmitteln versorgen
von Computernutzer1 | #12

Wiederum eine Sichtweise die mit dem obenstehenden Artikel nur einseitig dargestellt wird. Dankenswerterweise finden sich bereits viele Kommentare unten, die das tatsächliche Problem auf den Punkt bringen: Die gestiegene Anspruchshaltung vieler "Bedürftiger", jede noch so kleine Gabe von karitativen Organisationen "abzugreifen", ohne tatsächlich unter "Armut" zu leiden. Die wirklich Bedürftigen, ja es gibt auch unter diesen Menschen "solche und solche", bleiben dabei wirklich auf der Strecke! Vielleicht sollte der Autor einmal selbst bei einer Essensausgabe dabei sein, um sich die unterschiedlichen Beweggründe der Abnehmer bei der Caritas, Tafel, Suppenküche genauer zu betrachten...?! Pure Armut und reines ökonomisches Kalkül sind immer noch zwei Paar Schuhe...

13.06.2012
20:23
Caritas Hagen kann Hilfsbedürftige nicht mehr mit Lebensmitteln versorgen
von 123Lustig123 | #11

Der Caritas kann nicht mehr....
Ich krieg nen Lachkrampf....

Schaut mal richtig hin!

Was der Caritas an Saat- und Stadtgelder kassiert reich aus um Hagen Jahrelang mit feinsten Leckereien zu versorgen!

Warum gehen wohl soviele Städtische "Sozialaufgaben" u.a. immer an die Caritas und Co? Nun sie müssen ja ihren riesigen Mitarbeiterapperat beschäftigen.

13.06.2012
19:07
Caritas Hagen kann Hilfsbedürftige nicht mehr mit Lebensmitteln versorgen
von daisyblue | #10

Ich wünsche mir mehr Supermärkte, die scharf kalkulieren und nicht massig Lebensmittel abgeben müssen, die gestern noch zum regulären Preis verkauft wurden...und wir wissen, die Preise steigen. Vielmehr würde ich ebenfalls die Ausgabe von Bezugsscheinen unterstützen. Es kann nicht sein, dass immer mehr angeblich Bedürftige mit Autos und Smartphone die Lebensmitteltafeln aufsuchen, um sich dann von Ehrenamtlichen bedienen und eindecken zu lassen wie im Feinkostladen.

13.06.2012
18:44
Caritas Hagen kann Hilfsbedürftige nicht mehr mit Lebensmitteln versorgen
von Unverkennbar | #9

Hilfsorganisationen brauchen Arme um weiter eine Existenzberechtigung zu haben. Hilfsorganisation werden also nie wirklich etwas verändern. Da muss woanders angesetzt werden. Hilfsbedürftige sollten kein Geld sondern nur Bezugsscheine erhalten.

13.06.2012
18:37
Caritas Hagen kann Hilfsbedürftige nicht mehr mit Lebensmitteln versorgen
von Unverkennbar | #8

Ein dramatischer Anstieg von Mitnahmeeffekten. Leider treffen Armut und Dummheit allzuoft zusammen.

13.06.2012
18:23
Caritas Hagen kann Hilfsbedürftige nicht mehr mit Lebensmitteln versorgen
von xxyz | #7

Staatliche Unterstützungszahlungen müssen als erstes für Grundbedürfnisse investiert werden. Hierzu gehört das Essen.
Ich kann es nicht nachvollziehen, dass so viele Organisationen den "armen" Menschen Lebensmittel zur Verfügung stellen. Stärker kann Abhängigkeit nicht demonstriert werden.

Spendet Möbel, Schulsachen etc, aber keine Lebensmittel. Für die eigene Ernährung muss jeder sein eigenes Geld ausgeben.



13.06.2012
15:12
Nix mehr mit Schnäppchen-Lebensmitteln ...
von Partik | #6

Es wird ja gerne mit der armen Omi argumentiert, die mit ihrer kleinen rente nicht mehr weiß, wie sie die Lebensmittel bezahlen soll. Aber das ist nur die halbe Wahrheit.

Es liegt wohl weniger an den angeblich ansteigenden Armenzahlen, sondern an der sich herumsprechenden Möglichkeit, billig Lebensmittel abzunaschen. Die Ansprüche an das sonstige Leben sind allgemein so gestiegen, dass sich dem auch Hilfeempfänger nicht mehr entziehen können. Moderne Medien, Freizeitverhalten, allgemeiner Technikwahn - es gibt vieles, was den Kontostand schrumpfen lässt.

Als Student hatte ich mein Zimmerchen im Wohnheim und 250.- Euro für den Lebensunterhalt. wieso ich nicht verhungert bin, scheint fraglich. Vielleicht, weil man was anderes zu tun hatte, als mit dem Handy im Internet zu surfen?

Übrigens: wo sind denn die vielen Tonnen Lebensmittel, die angeblich weggeworfen werden, wenn der Warenkorb zu wenig bekommt? Auch nur praxisfernes Gerede wie die eingebildeten Armen?

13.06.2012
14:51
Hunger bei den Armen, U-Boote für Israel
von vantast | #5

Es wird Zeit, nicht mehr christlich, sondern menschenwürdig zu handeln, Frau Merkel!
Ein so reiches Land mit so vielen Armen, und es werden immer mehr, da stimmt doch etwas nicht, oder stimmt sie doch, die Umverteilung von unten nach oben?
Schwarz/Geld macht Politik für die Reichen, die in den letzten Jahren sehr viel reicher geworden sind. Zum Glück bekomme ich jetzt von meiner VBL-Rente volle 1% mehr!

13.06.2012
13:39
Keine Lebensmittel mehr für Arme
von MacB | #4

Versorgung gewährleisten, staatlicher Daseinsfürsorge....
Sicher gibt es auch wirklich hilfebedürtige Menschen, aber das sind nicht die, die bei der Caritas "EINKAUFEN". Wenn ich mir die Menschen anschauen, die dort leidend stehen, rauchend mit Handy am Ohr kommen mir da schon andere Gedanken. Das ist wie mir den Autobahnen, schaff´ mehr Fahrspuren und schon sind mehr Autos da oder pysikalisch: "Ein Vakuum wir immer gefüllt"

1 Antwort
Caritas Hagen kann Hilfsbedürftige nicht mehr mit Lebensmitteln versorgen
von scouti | #4-1

Es gibt auch Leute die nur das Mobiltelefon als Telefonanschluß haben!

13.06.2012
11:39
Keine Lebensmittel mehr für Arme
von EilperEiche | #3

Es ist langsam an der Zeit, dass man was für armen Menschen unternimmt. Alleine der/den Kirchen diese Hilfeleistungen zu zuschreiben ist nicht mehr gerecht. Warum muss es in Hagen eigentlich so viele arme Menschen geben? Langsam sollte man sich doch mal fragen, warum die Zahlen der Hilfsbedürftigen so explodieren? Wer macht da was falsch?

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