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"Abrisssprengung ist niemals Routine"

26.06.2012 | 20:00 Uhr
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"Abrisssprengung ist niemals Routine"
Dieser Stahlschornstein wird am Samstag gesprengt.Foto: Theo Schmettkamp

Hagen.  Thomas Hoffmann (44) ist Sprengmeister und bringt am Samstag den Schornstein am alten Varta-Gelände in Wehringhausen zu Fall.

Welche Voraussetzungen benötigt man als Sprengmeister?

Hoffmann: Ich selbst bin über die Armee zu dem Beruf gekommen. Dort war ich Sprengpionier. Im Normalfall muss man mindestens 21 Jahre alt sein, eine Unbedenklichkeits-Bescheinigung vorlegen und praktische Kenntnisse als Sprenghelfer vorweisen können. Dazu muss die Anwesenheit und Mitarbeit bei mindestens 50 Sprengungen bescheinigt werden. Dann kann man an einem Grundlehrgang teilnehmen und danach unterschiedliche Befähigungen wie Tunnel-Sprengschein, Großbohrlochschein, Unterwasser-Sprengschein, Eis-Sprengschein, Schneefeld-Sprengschein für Lawinen oder den Gebäudeabriss-Schein erwerben.

Welche Sprengung war Ihre größte Herausforderung?

Hoffmann: Die spektakulärste Arbeit war wohl die Sprengung der Hilfspfeiler der Grümpeltalbrücke in Thüringen. Das war im November 2010. Es haben sicherlich 1000 Menschen zugeschaut, darunter auch der Ministerpräsident. Die Brücke ist 1,1 Kilometer lang. Die Pfeiler hatten die neue ICE-Brücke auf der Strecke von Nürnberg nach Erfurt während der Bauarbeiten gestützt und waren überflüssig geworden. Dort kamen 200 Kilogramm Sprengstoff zum Einsatz. Die Pfeiler waren zwischen 20 und 60 Meter hoch und sind perfekt gefallen. Nach der Sprengung mussten 1800 Kubikmeter Beton und 150 Tonnen Stahl entsorgt werden.

In Hagen kommen Sie am Samstag mit vergleichsweise mickrigen 620 Gramm Sprengstoff aus. Eine Routinesprengung?

Hoffmann: Eine Abrisssprengung ist niemals Routine. Man muss natürlich immer alle Vorschriften penibel beachten. Ein Stahlschornstein wie jetzt in Hagen ist im Gegensatz zu einem Ziegelschornstein allerdings etwas einfacher zu sprengen. Ein Ziegelschornstein kann schon einmal etwas porös sein, was eine Sprengung erschwert. Der Schornstein am Samstag knickt zu 100 Prozent exakt­ dorthin, wo ich ihn haben will. Das kann ich garantieren.

Ist bei einer Ihrer Sprengungen schon einmal etwas schief gegangen?

Hoffmann: Toi, toi, toi ... Ich sprenge seit 1986, bis jetzt ist alles gut gegangen.

Boris Schopper

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