Theresia Clajus berichtet aus Quito
20.04.2010 | 17:48 Uhr 2010-04-20T17:48:00+0200
Seit mehreren Monaten arbeitet die Gevelsbergerin Theresia Clajus im Rahmen eines freiwilligen Jahres in einer kleinen Schule in Quito, Ecuador. Sie erzählt in ihrem folgenden Bericht von ihren Erlebnissen und dem Leben in dem kleinen Andenstaat.
6 Uhr Montagmorgen in Quito-Ecuador. Mein Wecker klingelt und ich quäle mich aus dem schönen warmen Bett, um eiskalt zu duschen. Mit Regenschirm und Sonnencreme bewaffnet - man weiß nie, was Quitos Wetter bringt - verlasse ich das Haus meiner Gastfamilie, um in dem nächsten überfüllten Bus zur Schule zu fahren. Der Schultag beginnt mit dem Morgenappell für alle Kinder und Lehrer. Los geht´s mit der ecuadorianischen Nationalhymne und gleich darauf beginnt der Englischunterricht mit 16 kleinen Drittklässlern.
Inzwischen bin ich genau acht Monate hier in Ecuador. Und trotzdem merke ich, wie schwierig es ist, diesem Land nur mit Worten gerecht zu werden. Doch heute ist ein besonderer Tag hier in Ecuador: „El día del maestro” - der „Tag des Lehrers”. Anlass genug, um meine Schule, das „Instituto suizo - William Tell”, mal in Gevelsberg vorzustellen!
Meine Schule in drei Worten: klein, lila und dankbar. Mit nur 119 Schülern ist die von Schweizern in einem sozialen Brennpunkt gegründete Schule wirklich nicht groß. Dafür ist die Vertrautheit unter Lehrern und Kindern um so größer. In meinem Englischunterricht von der dritten bis zur siebten Klasse sitzen nur neun bis siebzehn Schüler, sodass ich auch viel Persönliches aus ihrem Leben mitbekomme.
Vertrautheit zu den Kindern ist groß
Ich weiß, wer viel Unterstützung von den Eltern erfährt, die ihren Kindern vor lauter Übereifer sogar manchmal die Hausaufgaben machen. Ich weiß aber auch, wer aus „schwierigen Verhältnissen” kommt, elf Geschwister hat oder bei schlechten Noten verprügelt wird.
Das Schulgebäude ist, wie gesagt, hauptsächlich lila, und sowieso sehr bunt. Schon am Schultor wird man von Pinochio und Bart Simpson begrüßt, um dann von Rotkäppchen über den Schulhof begleitet zu werden. Auch die Klassenzimmer sind sehr farbenfroh gehalten: jede Wand hat eine andere Farbe. All das macht die Schule zu einem fröhlichen und irgendwie auch gemütlichen Ort, obwohl ihre Umgebung überwiegend von einfachen Betonbauten geprägt ist.
Heute, am „Tag des Lehrers”, hat sich aber auch mal wieder die große Dankbarkeit der Schüler und Eltern gegenüber den Lehrern gezeigt. Wir wurden von den Kindern mit persönlichen Grußkarten beschenkt und von den Eltern bekocht. Einfach nur ein paar nette Gesten, um „danke” zu sagen. Auch Jenny, die Direktorin, hat sich bei uns beiden Freiwilligen bedankt, weil täglich Englischunterricht gegeben werden kann. Denn auch hier in Ecuador wird Englisch, besonders im Bereich des Tourismus, immer wichtiger.
Und wir Deutsche können auch noch etwas von ecuadorianschen Schulen lernen. Ein bisschen mehr Dankbarkeit vielleicht.
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