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„Schwarz sehen“ ein gutes Zeichen

28.12.2010 | 18:52 Uhr
„Schwarz sehen“ ein gutes Zeichen

Gevelsberg. „Wenn wir schwarz sehen, haben wir es geschafft.“ Rainer Sprenger zeigt auf die Wittener Straße: Zwischen den Bergen von Schnee am Straßenrand und den mittlerweile grauen Schneeresten auf der Fahrbahn zeigt sich der Asphalt. Die Sole, die das Räumfahrzeug der Technischen Betriebe der Stadt Gevelsberg auf der Straße verteilt haben, beginnt zu wirken.

Gestern Morgen, 4 Uhr: In der Schlosserei der TBGev sind neun Männer in orangefarbener Kleidung versammelt. Schichtbeginn für den Bereitschaftsdienst. Der Kampf gegen den Schnee geht in die nächste Runde. Dabei sind Rainer Sprenger und Thomas Werminghaus. Seit Jahren bilden beide ein Team.

Bevor es auf die Straße geht, hören sie ihrem Einsatzleiter Carsten Förster zu. „Auf jeden Fall müssen wir die Straßen breiter räumen“, lautet seine Anweisung. „Und auf der Neuenlander Straße haben wir eine festgefahrene Schneedecke, da müssen wir unbedingt splitten. Schaltet die Sole ab, das bringt da nichts.“

Die Mitarbeiter gehen an die Arbeit. Thomas Werminghaus und Rainer Sprenger steigen in den Unimog. Erst 600 Kilometer hat das neue Fahrzeug zurückgelegt, das modernste Technik bietet. Werminghaus setzt sich hinter das Steuer, Sprenger klettert auf den Beifahrersitz. Dann geht es los.

Vom Betriebshof An der Drehbank fahren die beiden auf die B7 in Richtung Vogelsang. Auf ihrer Tour verteilen sie ein Sole-Splitt-Gemisch. Salz können sie nicht streuen – die Stadt wartet dringend auf Nachschub. Dort, wo sich Schneereste auf der Straße befinden, lässt Thomas Werminghaus das „Schild“, so wird der Schneeschieber bezeichnet, hinunter und räumt. „Das Schild hüpft wie ein Stoßdämpfer“ erklärt er. So passt es sich der Straße an, die Flexibilität kann dabei verstellt werden. Falls er auf Eisplatten stößt, kann Werminghaus es auch voll fixieren und somit mehr Kraft ausüben.

Ihre Tour führt zunächst von der B7 über die Wittener, Asbecker und Neuenlander Straße und dann von der Heidestraße über die Haßlinghauser Straße durchs Gewerbegebiet In den Weiden, Rosendahler und Mittelstraße schließlich zum Nachladen des Streugutes wieder auf den Betriebshof. Dabei geht es zügig voran. „Jede Minute zählt“, sagt Rainer Sprenger, „schließlich wollen wir die Straßen frei bekommen, bevor die Rush Hour beginnt“.

Mit heruntergelassenem Schild darf ein Räumfahrzeug maximal 50 km/h fahren. „Wenn wir so schnell in einen größeren Schneehaufen führen, würde der Schnee bis in den zweiten Stock fliegen“, sagt Rainer Sprenger. Entsprechend geht es oft langsamer. Schließlich muss auf andere Verkehrsteilnehmer und Passanten Rücksicht genommen werden. Apropos Rücksicht: „Darum bemühen wir uns“, so Thomas Werminghaus. „Gestern wollte zum Beispiel jemand sein Auto frei schippen. Da dreht man das Schild auf die andere Seite, damit er nicht wieder zugeschoben wird.“ Doch letztendlich gelte: „Einfach nur geradeaus gucken“ – denn die Straßen müssen frei gemacht werden.

Die Technik des Unimog erleichtert vieles. Der Fahrer kann einstellen, welche Streugutmenge in welchem Radius verteilt wird. Bei Steigungen wird die Menge zum Beispiel verdoppelt. Schleuderketten – Schneeketten, die bei Anfahrproblemen unter die Reifen geschleudert werden -- verhindern Stillstand.

„Wir bemühen uns
um Rücksichtnahme“

Nur für die geladene Streugutmenge gibt es keine Anzeige. So muss Rainer Sprenger aussteigen, auf die Ladefläche klettern und einen Blick auf den Inhalt werfen. Etwa viereinhalb Tonnen Splitt hat der Unimog geladen, zudem 1000 Liter Sole.

Wenn gerade nicht Winter ist, arbeitet Thomas Werminghaus als Kfz-Mechaniker bei den TBGev und der gelernte Schreiner Rainer Sprenger ist als Spielflächenbeauftragter tätig. Doch sobald es schneit, sind beide Winterdienstler. Im wöchentlichen Wechsel haben sie Bereitschaft. Um 4 Uhr morgens geht es dann los. „Ich bin heute auch ohne Wecker um 3 Uhr aufgewacht“, erzählt Thomas Werminghaus. Den Rhythmus hat er bereits drin.

Seit vier Wochen sind sie und ihre Kollegen im Dauereinsatz. An so viel Schnee über einen so langen Zeitraum können sich beide kaum erinnern. Wohl aber an besondere Situationen – wie beim Schneechaos im November vor fünf Jahren. Damals mussten sie als „Geleitschutz“ einen quer stehenden VER-Bus auf die Spur und dann ins Depot bringen.

Nach acht Stunden, um 12 Uhr mittags, ist für Thomas Werminghaus, Rainer Sprenger und ihre Kollegen Schichtende. Bei Neuschnee oder Glatteisbildung müssen sie als Bereitschaft allerdings wieder ran. Dann gilt es, die Straßen frei zu machen – bis sie wieder schwarz sehen...

Hartmut Breyer

Kommentare
06.01.2011
14:13
„Schwarz?sehen“?ein?gutes?Zeichen
von Dragonheart | #6

Sprockhövel hat den Schnee auch mit Radladern aus die City gefahren in Hasslinghausen- da sollte es auch in Gevelsberg machbar sein.Grosse Parkplätze...
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„Schwarz sehen“ ein gutes Zeichen
„Schwarz sehen“ ein gutes Zeichen
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http://www.derwesten.de/wr/staedte/gevelsberg/schwarz-sehen-ein-gutes-zeichen-id4106768.html
2010-12-28 18:52
Gevelsberg