Als das Witze reißen gefährlich war
01.02.2009 | 21:07 Uhr 2009-02-01T21:07:53+0100Gevelsberg. (sofi) "Was gibt es denn so für neue Witze? - Sechs Monate!" "Kennst du den kürzesten Witz aus der Nazi-Zeit? Wir gewinnen den Krieg."
Am Freitagabend fand im "filmriss" im Zuge der "Aktionswoche für Zivilcourage und gegen Rechte Gewalt" ein satirischer Abend im Filmriss statt, der vor allem, aber nicht nur Kritik und Widerstand gegen das NS-Regime thematisierte.
Mit Witzen, Sketchen und allerlei Liedern aus den 20er Jahren bis hin zum geteilten Deutschland brachten Jürgen Taake, Thomas Scherffig und Norbert Neukamp das Publikum zum Lachen, aber oft auch zum Nachdenken. Denn an manchen Stellen blieb den Gästen das Lachen im Halse stecken und die Unsicherheit, ob man applaudieren dürfe nach Liedern von KZ-Häftlingen, wie zum Beispiel den "Moorsoldaten", war allgegenwärtig.
Den Auftakt des Abends bildete "Junkers Kneipe" von den Edelweißpiraten, ein Lied mit vielen Textvariationen, je nach Zuhörerschaft mal gänzlich ohne, mal voller Kritik gegen die Nazi-Herrschaft. "Überhaupt ein beliebtes Instrument war die Änderung von Textzeilen zur indirekten Kritik", erklärte Jürgen Taake, Gevelsberger Kabarettist, der zusammen mit Thomas Scherffig die Witze und Sketche vortrug. Beide sangen zudem - mit Gitarren bestückt - die Lieder in Begleitung von Pianist Norbert Neukamp.
Wer dem NS-Regime Paroli bieten wollte, musste dies im Flüsterton tun. Denn die Parteimitglieder mischten sich oftmals auch unter die Gäste. So berichtet Taake von den Vorstellungen des Kabarettisten Werner Finck bei denen er die Mitglieder der SS mit "Kommen Sie mit? Oder muss ich mitkommen?", begrüßte.
Mit zahlreichen Hintergrundgeschichten der einzelnen Autoren brachten Taake und Scherffig dem Publikum die Situation der Leute damals näher, denn manchmal ist es einfach so, wie Finck es sagt: "Wer lachen kann, dort wo er hätte weinen können, der hat wieder Lust zum Leben."
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