"Zu viele Schadensfälle" - ADAC lässt Gelsenkirchener abblitzen
15.01.2013 | 18:14 Uhr 2013-01-15T18:14:46+0100
Berlin. Ärgernis der Woche: Der Automobilclub ADAC kündigt einem Autofahrer aus Gelsenkirchen die Rechtsschutzversicherung. Die Begründung: Er habe zu viele Schadensfälle mit seinem Auto gemeldet. Auch wenn die Sache für den Kunden ärgerlich ist - die Versicherung ist damit im Recht.
Leser Hans Kuhlmann aus Gelsenkirchen traute seinen Augen kaum, als er das Schreiben des Automobilclubs ADAC öffnete. Schwarz auf weiß hieß es darin: „Zu Ihrem Rechtsschutzvertrag wurden uns (...) bis heute sieben Schadensfälle gemeldet. Wir machen deshalb von dem uns zustehenden Kündigungsrecht (...) Gebrauch und kündigen den Versicherungsvertrag in vollem Umfang.“
„Ich bin bald aus allen Wolken gefallen“, macht Leser Kuhlmann seinem Ärger in einem Brief an die Redaktion Luft. Dass der Automobilclub die Police jetzt gekündigt hat, kann der Sattlermeister, der in Gelsenkirchen ein Pferdesportartikelgeschäft betreibt, nicht verstehen. Seit 1972 ist er Mitglied im ADAC. Mit seinem Mercedes-Benz-Transporter ist er häufig beruflich unterwegs. Dann besucht er Reitsportanlagen oder Reitvereine – etwa in Dorsten oder Marl – um schlecht sitzende Sattel zu richten. Etwa 80.000 Kilometer kommen so im Jahr zusammen.
Wem seitens der Rechtsschutzversicherung gekündigt wurde, der hat oft keine Chancen mehr auf einen Vertrag. Deshalb sollten Kunden dem Versicherer zuvorzukommen und schnell selbst kündigen.
Bei den sieben Schadensfällen, die die Versicherung anspricht, handelt es sich um Geschwindigkeitsüberschreitungen zu deren Klärung Herr Kuhlmann jeweils den ADAC-Rechtsbeistand einschaltete. „Gerade für solche Fälle schließt man die Versicherung doch ab“, sagt er. „Wenn es nach dem ADAC ginge, sollten die Mitglieder wohl alle brav ihre Beiträge zahlen, aber bloß keine Leistungen verlangen.“
Wer viel kostet, gefährde die Beitragsstabilität
Die Redaktion hat nachgefragt: „Versicherungen sind im Grunde genommen Leistungen auf der Basis einer Solidargemeinschaft“, erläutert Michael Ludovisy, Schadensleiter Rechtsschutz beim ADAC. Die Unternehmen müssten auch betriebswirtschaftlich arbeiten. Gebe es viele Kunden, die überdurchschnittlich hohe Kosten verursachen, gefährde das die Beitragsstabilität. Im Zweifelsfall müsste die Versicherung die Beiträge erhöhen. Aus diesem Grund trennten sich Versicherungsunternehmen von Kunden, die überdurchschnittlich viel Geld kosten.
„Unsere Sachbearbeiter sind gehalten, neben dem Servicegedanken auch die Wirtschaftlichkeit des Versicherungsvertrages im Auge zu behalten“, so ADAC-Experte Ludovisy. „Bemerken sie, dass ein Vertrag aus dem Ruder zu laufen droht, weil die finanzielle Belastung zu groß zu werden scheint, weisen sie das Mitglied schriftlich darauf hin.“ In einem Schreiben erkläre man dem Mitglied, dass es bisher sehr hohe Kosten verursacht hat und dass sein Versicherungsschutz gefährdet sei, falls demnächst weitere Schäden reguliert werden müssten. Auch Herr Kuhlmann habe solch ein Schreiben erhalten.
Der ADAC im Markencheck: Hinter den „Gelben Engeln“ steckt eine riesige Organisation, die offenbar nicht in jeder Hinsicht gute Absichten hat. Sei es bei Tempolimit oder Promillegrenze – der ADAC vertritt eine klare Meinung. Nur nicht immer die seiner Mitglieder, wie eine Umfrage deutlich macht.
Entscheidend für die Kündigung seien die Anzahl der Schadensfälle, die Art des Schadens, die Vertragsdauer sowie die Schadenshöhe, so der ADAC-Schadensleiter. Rufe jemand regelmäßig die Versicherung wegen Bagatellverstößen auf den Plan, sei das nicht Sinn des Schutzes. „Es ist in der Regel doch unnötig, einen Parkverstoß von fünf Euro über einen Anwalt zu regulieren, wenn dieser 700 Euro kostet“, meint Ludovisy.
Der ADAC steht im Recht
Auch wenn es ärgerlich für Leser Hans Kuhlmann ist: Der Automobilclub steht klar im Recht. Häufig sehen es die Vertragsbedingungen vor, dass der Versicherer den Vertrag schon „außerordentlich“ kündigen kann, wenn zweimal in zwölf Monaten ein Versicherungsfall eingetreten ist. Beim ADAC und einigen anderen Unternehmen geht das sogar nach dem ersten Versicherungsfall.
„Weil es nicht so einfach ist, Verträge zu ändern, wollen viele Versicherer Altkunden loswerden, die ihnen zu riskant, also zu teuer sind“, sagt Michael Sittig von der Stiftung Warentest. Wer zu viel klagt, fliege durchaus raus. Der ADAC verhalte sich in punkto Kündigungen im Vergleich zu anderen Versicherern jedoch recht kundenfreundlich. „Eine Kündigungswelle, wie wir sie bei anderen Versicherern in der Vergangenheit beobachtet haben, hat der ADAC noch nie an den Tag gelegt“, so Sittig.
14:00
Es geht noch besser.... mit der “DAS“ aus der ERGO Gruppe
(versichern heißt verstehen) Ich verstehe es jedenfalls nicht.
Als ich bis 2011 noch versichert war, musste ich nach nur "einer" Vertragssache nachher Anwälte, Grundbuchaustragungen, Inkasso uvm. selber zahlen. Obwohl ich im bestätigtem Recht bin.
Nachdem ich zum Februar 2012 gekündigt hatte, habe ich trotz der Benachrichtigung das ich nicht versichert bin, mit Drohungen von Inkasso auch nachgezahlt.
Bei Anfragen habe ich auch erwähnt, das es selbst bei der Mafia für Geld = Schutz gibt.
Trotz einschalten des Kundenanwalt bekomme ich bis heute keine Aufklärung für das Verhalten der DAS.
12:03
...ihr habt natürlich recht, aber hier handelt es sich lediglich um EIN EINZIGES Beispiel, (fast schon zum kaputtlachen) bei dem ein Versicherer mal korrekt im Sinne des Gemeinwohls gehandelt hat.
Wenn ihr denen jetzt zuviel Honig um den Bart schmiert heisst es nachher noch" der Konsument wünscht das so", wenn man dann plötzlich nach dem 3. Haftpflichtschaden rausgeschmissen wird und sich nirgendwoanders mehr versichern kann...;-)
Und warum man den lustigen Herrn Kuhlmann zur MPU schicken sollte und ihm den Lappen wegnehmen sollte verstehe ich auch nicht. Würde mich nicht wundern, wenn im übernächsten Posting jemand noch härtere Sanktionen fordert...
11:29
Danke ADAC!
Solchen notorischen Rasern gebührt nicht der Schutz einer Gemeinschaft, deren Regeln sie missachten und die sie dann obendrein noch ausnutzen wollen.
Da sollte man das Geld besser mal in eine MPU stecken und dem werten Herrn vielleicht den Führerschein entziehen.
08:48
Eigentlich ein ganz normaler Vorgang inm Versicherungsgewerbe..im Kassieren ganz groß, gehts ans Zahlen wird genörgelt, gekürzt, verzögert und dann gekündigt!
21:44
Ich hätte da noch einen Vorschlag für das Unwort des Jahres 2013:
Kuhlmann
15:16
Sollen die vier Dekaden Mitgliedschaft im Automobilclub eine Akzeptierbare Schadenhäufigkeit (alle sechs Jahre einen) suggerieren? Interessanter wäre, seit wann der Herr rechtsschutzversichert ist. Nur das zählt - schließlich hat man ihm nicht seine ADAC Mitgliedschaft gekündigt.
Wenn man sowas liest, weiß man, warum die Prämien steigen und die Gerichte und Behörden nicht zu den wichtigen Dingen des Lebens kommen. Im Endeffekt kostet mich das doppelt: Als Beitragszahler beim ADAC Rechtsschutz und als Steuerzahler, dessen Staatsdiener sich auf der anderen Seite mit dem Fall rumschlagen müssen.
Auch das geht aus diesem Artikel - zumindest für nicht-Autofahrer - nicht eindeutig hervor. ADAC-Mitgliedschaft ≠ ADAC-Rechtsschutzversicherung.
14:20
schlage ich vor, dass Herr Kuhlmann zu seinen Kunden auf einem Pferd reitet (einen bequemen Sattel wird er ja wohl fertigen können) – dann gibt es keine Probleme mit möglichen Geschwindigkeitsübertretungen – bitte nur an Warnweste und Verbandskasten denken
14:01
„Bei den sieben Schadensfällen, die die Versicherung anspricht, handelt es sich um Geschwindigkeitsüberschreitungen zu deren Klärung Herr Kuhlmann jeweils den ADAC-Rechtsbeistand einschaltete. „Gerade für solche Fälle schließt man die Versicherung doch ab“, sagt er“
Aber selbstverständlich ist es üblich, erstens: es mit der Geschwindigkeit nicht so genau zu nehmen und zweitens: wenn man erwischt wird, sofort zum Anwalt zu rennen, der wird es schon richten und drittens ist man ja versichert, die Rechtsschutzversicherung zahlt alles.
Ist das Dumm- oder Borniertheit oder beides? Was anderes fällt mir dazu nicht ein.
Demenz!
13:50
Danke dafür, dass durch solche absolut richtigen Maßnahmen die Beiträge für "normale" Mitglieder niedriger bleiben!
Nach diesem System sollten viel mehr Versicherungen verfahren! ...und zwar schon deutlich schneller!
13:47
Eines verstehe ich gar nicht, wenn ich z.B. zu schnell unterwegs wäre und eine Strafanzeige bekäme, dann sähe ich mein Fehlverhalten ein und würde das Bußgeld bezahlen. Wozu also einen Anwalt einschalten und die Kosten unnötig in die Höhe treiben? Hier würde ich als Versicherer auch genauer hinsehen, wie sich der Versicherungsnehmer verhält.