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Szene-Treffpunkt

Streetworker wollen am Busbahnhof Gelsenkirchen Angst nehmen

28.06.2012 | 16:58 Uhr
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Streetworker wollen am Busbahnhof Gelsenkirchen Angst nehmen
Die Grundstimmung in der Szene sei nicht aggressiv, sagen die Streetworker der Caritas. Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen.  Nach der Berichterstattung der WAZ über den Treffpunkt der „offenen Szene“ unterhalb des Busbahnhofes am Gelsenkirchener Hauptbahnhof klären die Gelsenkirchener Streetworker auf. Übergriffe aus der Szene heraus seien eine Seltenheit, der Umgang untereinander aber durchaus rau.

Als Reaktion auf die Berichterstattung der WAZ vom 25. Juni („Angst auf offener Szene“) meldeten sich jetzt die Streetworker vom Arztmobil und der Caritas bei der Redaktion. „Ich kann die Bürger verstehen, dass einem mulmig werden kann, wenn man eine Gruppe Menschen sieht, die Alkohol konsumiert. Das ging mir früher nicht anders. Aber die Grundstimmung der Menschen dort ist nicht aggressiv“, sagt Cornelia Drosdziok, Diplom-Sozialarbeiterin und eine von zwei Streetworkerinnen in Gelsenkirchen.

Seit 2009 ist die 33-Jährige mit der Szene in Gelsenkirchen vertraut, seit 2007 ist sie als Sozialarbeiterin aktiv. Zwei Mal in der Woche sind Drosdziok und ihre Kollegen an der betreffenden Stelle unterhalb des Busbahnhofes vor Ort, suchen den Kontakt zu den Menschen, kommen ins Gespräch.

"Der Ton in der Gruppe ist rau"

„Menschen mit einer Suchterkrankung haben genau wie alle anderen ein Bedürfnis nach sozialem Austausch und der Kontaktpflege. Häufig fehlen die sozialen Bindungen wie Freunde und vor allem Familie. Durch Langzeitarbeitslosigkeit gibt es auch keine kollegialen Kontakte, so trifft man sich dann wenigstens in der ‘Szene’“, erklären die Gelsenkirchener Streetworker in einer Stellungnahme, warum die Gruppe sich täglich in der Nähe des Haupteinganges zum Hauptbahnhof trifft.

Dass Bürger von Mitgliedern der Szene angepöbelt werden, „kommt nur selten vor. Das sind Einzelfälle“, erklärt die Sozialarbeiterin. „Der Ton in der Gruppe ist sicher rau, aber nach außen ist das ganz anders. Wer dort vorbeigeht und höflich fragt, ob ihm Platz gemacht wird, dem wird natürlich Platz gemacht“, sagt Drosdziok. Dass gerade in den Abendstunden für Bürger Gefahr bestehen würde, sieht die Streetworkerin nicht. „Zumindest geht von der Szene diese Gefahr nicht aus. Abends sind die Leute, die sich tagsüber dort aufhalten, in der Regel nicht mehr da.“

Kritik am Verhalten von Polizei und Stadt

Kritik äußern die Streetworker in ihrer Stellungnahme am Verhalten von Polizei und Stadt. Mit Bußgeldern und Platzverweisen der Szene zu begegnen, sei der falsche Weg. „Durch das Verteilen von Bußgeldern verschlimmert sich die Situation der einzelnen Szenebesucher, da sie häufig von Hartz IV leben. Weniger Geld heißt evtl. wieder kriminell zu werden, kriminell werden heißt Verschlimmerung der Sucht und dies kann unweigerlich zu einem Gefängnisaufenthalt führen“, heißt es in dem Schreiben. Um die Situation zu verbessern, setzen die Streetworker auf Aufklärung der Bürger, suchen den direkten Kontakt zum Präventionsrat.

„Wir möchten mit unserer Arbeit auf die Problematiken der einzelnen Betroffenen aufmerksam machen und für mehr Feingefühl und Verständnis im Umgang mit suchterkrankten und wohnungslosen Menschen werben“, machen die Streetworker ihr Anliegen deutlich und fügen an: „Sollte es dennoch Probleme im Umgang mit ihnen geben, können die Bürger sich jederzeit an uns wenden. Wir versuchen Missverständnisse zu klären und zu vermitteln, damit ein friedliches Miteinander möglich ist.“

Und die Kontaktaufnahme ist dabei das kleinste Problem, denn die beiden Gelsenkirchener Streetworkerinnen Cornelia Drosdziok und Daniela Heldt sind täglich im Stadtgebiet unterwegs. Zu erkennen sind sie an ihren grauen Jacken mit der Aufschrift „Streetwork Gelsenkirchen“. „Man kann uns wirklich immer ansprechen.“

Felix zur Nieden

Kommentare
29.06.2012
15:55
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #6

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

29.06.2012
10:46
Dass Bürger von Mitgliedern der Szene angepöbelt werden, „kommt nur selten vor.
von fatih | #5

Also kommt es doch vor. Und ich nehme mal an, dass nur wehrlose, i.d.R. Frauen und ältere Leute angepöbelt werden. Das ist nicht hinzunehmen. Warum versammelt sich die Szene vor dem Bahnhof? Weil sie aus Rentabilitäts- und Imagegründen in keiner Gaststätte erwünscht sind und aus witterungsgründen ziehen sich in den Bahnhof zurück. Aber den Gästen des Bahnhofs ist dies genau wenig zuzumuten, wie den Gaststätten, die sie nicht als Gäste haben wollen. Sozialarbeit ist gut und wichtig, aber nicht mit der Begründung wie hier im Artikel: Man verdoppelt ja quasi die Sozialarbeit: Einmal die Sozialarbeit für die Trinkerszene und dann noch die Sozialarbeit für die normalen Bürger, die sich ängstigen. Und es stimmt auch nicht, dass jemand, der von Hartz IV lebt und sein Bußgeld nicht bezahlen kann, ins Gefägnis muss. Es gibt die Möglichkeit, das Bußgeld abzuarbeiten in einer sozialen Einrichtung.

29.06.2012
10:40
Streetworker wollen am Busbahnhof Gelsenkirchen Angst nehmen
von fairred | #4

Diese "Angstgruppe" suchte ich letzten Winter auf, als wir zusammen mit dem Verein Gelsenzentrum versuchten, Obdachlose ins Warme zu bekommen. Während unserer Flyer-Verteil-Aktion hatte ich die Möglichkeit, mit diesen Menschen zu reden.

Das was mir entgegengebracht wurde war einfach nur das Gefühl, diese Menschen benötigen Hilfe. Viele Frauen leben in desolaten Verhältnissen und finden keinen Ansprechpartner. Sie wissen nicht, wo sie Hilfe herbekommen können und benötigen in der Tat einen Streetworker, der sich ihrer annimmt.

Eine Gefahr ging nicht von den Menschen aus. Eine Gefahr ist eher die Gesellschaft, welche Menschen, die so am Ende sind, einfach wegwischen wollen, anstatt sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Es hat einen Grund, wieso sie dort sind.

28.06.2012
20:41
Streetworker wollen am Busbahnhof Gelsenkirchen Angst nehmen
von Bahnschalker | #3

Alles nette Leute. Pinkeln in die Büsche. Gut manche Taxifahrer machen das auch. Das bisschen Gestank... Die paar Bellos sind an der Leine. Und Herrchen und Frauchen haben sie echt im Griff - hofft man (Ein Bogen machen ist doch besser). Und abends sind die ja ohnehin weg. Kein Grund zur Panik - wir sind in Gelsenkirchen. Der fiesen Stadt mit Platzverweisen und Bußgeldern.

28.06.2012
17:47
Streetworker wollen am Busbahnhof Gelsenkirchen Angst nehmen
von ButchCannes | #2

2 Streetworker in einer Stadt mit einer Viertel Million Menschen, inkl. der westdeutschen Rekordarbeitslosigkeit.

Hauptsache bei der Stadt gibts 70.000 Euro Dienstwagen.. aber wahrscheinlich das auch dringender von Nöten:

"Streetworker, also Straßensozialarbeiter, die mit übermäßig problematischen Jugendlichen Kontakt aufnehmen, seien nicht notwendig: „Ich kenne hier keine Szene, die das erfordern würde.“"

Alfon Wissmann, Leiter Referat Erziehung und Bildung, in einem kürzlich erschienen Artikel bei derwesten.de

28.06.2012
17:16
Dem Angstraum die Angst nehmen
von Dawadochwas | #1

Ich habe seit Jahren eine Fahrradbox dort gemietet und muss sagen, die anwesenden Leute sind eigentlich durchweg friedlich. Man kann sich sogar mit ihnen gut unterhalten.
Probleme und Ängste bekomme ich nur durch andere herum marodierende Gruppen, welche in den Medien auch schon oft beschrieben wurden.

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