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Extraschicht

Nachtschwärmer auf Tour

01.07.2012 | 17:31 Uhr
Königin der Nacht: Im Amphitheater begeisterte gleich dreimal eine zwanzigminütige Lasershow insgesamt mehr als 10000 Besucher. Mit dabei Sopranistin Christine Gogolin.Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen. Die Königin der Nacht schwebt in atemberaubender Höhe auf einem Trapez über der Kanalbühne. Sopranistin Christine Gogolin intoniert im funkelnden Glitzerkleid, in Szene gesetzt von zuckenden Laserblitzen, eindrucksvoll die wunderschöne Ballade „You raise me up“. Die gigantische Lichtershow in dunkler Nacht geriet am Amphitheater zum emotionalen, spektakulären Höhepunkt der 12. Extraschicht in Gelsenkirchen.

Über 10.000 Menschen pilgerten in die drei Lasershows, die nicht nur am Wasser, sondern auch mit Wasser über die Bühne gingen. Wer nach dem sonnigen Tag am Abend eine kleine Abkühlung benötigte, saß hier in der ersten Reihe genau richtig. Zu lautstarkem Rocksound zuckten die Laserstrahlen über eine Wand aus Wasser, die für feinen Sprühnebel sorgte. Die Laserlinien malten plakative Szenarien aus der Menschheitsgeschichte in den dunklen Himmel, ließen Quallen und Fische durch die Nacht schwimmen, Autos flitzen und Flugzeuge schweben, Stadtbilder blitzten auf. Kurz vor 23 Uhr funkelte dann plötzlich noch mehr Licht am Himmel auf, als die Feuerwerksraketen im Revierpark Nienhausen in den Himmel aufstiegen. Whow-Effekte en masse.

Aber die gab es auch schon auf dem Weg vom Nordsternturm durch den Park Richtung Kanal. Abgedrehte Wortakrobaten auf großer Bühne fanden jede Menge Zuhörer, der Zauberer begeisterte sein Publikum, andere begleiteten den Deutschland-Express auf der Modelleisenbahn-Anlage mit Argusaugen.

Consol unter Dampf

Mit einbrechender Dunkelheit faszinierte das wohldosiert eingesetzte Licht im Park. Illuminiert der Nordsternturm, nur der Göttersohn Herkules, noch immer von einem Stützkorsett eingerahmt, blieb standhaft im Dunkeln. Zwei Schachtzeichen erinnerten noch einmal an das Kulturhauptstadtjahr 2010 , magische Lichtinstallationen funkelten am Wegesrand.

Magisch und märchenhaft: So ging es auch an dem Ort zu, den die Extraschicht in diesem Jahr zum ersten Mal bespielte. Fazit vorweg: ein rundum gelungener Auftakt auf dem Gelände des ehemaligen Bergwerks Bergmannsglück im Stadtnorden mit viel Musik, Kunst und Information, gemeistert dank des engagierten Einsatzes von über hundert ehrenamtlichen Helfern.

Schicht am Schacht hieß es für den Hasseler Steiger und leidenschaftlichen Bergmann Reinhard Ostermann bereits im Jahre 2009. Mit gerade 49 Jahren. „Das ist mir schwer gefallen damals“ erinnert sich der Mann, der heute in zahlreichen Vereinen und als SPD-Stadtverordneter im Rat der Stadt engagiert ist. Für ein paar Tage erhielt Ostermann jetzt den Rang eines Steigers zurück, für die Extraschicht: „Ein tolles Gefühl.“ Als eine von vielen Ausstellern live dabei sein bei der Nacht der Industriekultur, das empfand auch die Bergmannsglücker Hobbymalerin Birgid Gloger als beglückend: „Ich habe vor zwei Jahren schon bei der Schachtzeichen-Aktion mitgemacht und freue mich, dass ich bei der Extraschicht ausstellen kann.“ Mitten in den Industriehallen, an denen der Zahn der Zeit deutliche Spuren hinterlassen hat, demonstrieren Künstler der Region ihr Können.

Den Steiger gab’s auch auf Consol, hier intoniert von einer Dudelsack-Formation. Ansonsten: Theater, Musik, jede Menge Führungen und Maschinen unter Dampf.

Duisburg bei Nacht

 

Elisabeth Höving



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