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Ausbildung und Inklusion

Für einen Tag ein Handicap

04.07.2012 | 18:23 Uhr
Für einen Tag ein Handicap
Auf Hof Holz erlebten die RAG-Auszubildenden die Erfahrungswelt von behinderten Mitmenschen kennen.Foto: Jan Dinter

Eine Ausbildung soll auf das Leben vorbereiten. Gemeinhin auf das berufliche. Doch bei der RAG stehen bei den kaufmännischen Azubis auch soziale Kompetenzen im Mittelpunkt. Die jungen Erwachsenen nämlich erfahren neuerdings in praktischen Einheiten auf dem Hof Holz, was es heißt, mit einer Behinderung durch die Welt zu gehen – oder zu rollen.

Sieben Mal trafen die Auszubildenden auf Menschen mit Behinderung aus dem Umfeld vom Hof Holz. Begleitet wurden alle von Sozialpädagogen um Sylvia Roche, die versuchten, in den Gleichaltrigen ein Gefühl für den anderen hervor zu rufen. Und das klappte ganz gut.

Rollenspiele sollen helfen, die Welt mit einer Behinderung zu erleben

Auch über Rollenspiele. „Wir haben zum Beispiel Handicaps unter uns verteilt. Auch wenn das jetzt komisch klingt“, erzählte Florian Fischer, der rege und regelmäßig an der Hofveranstaltungen teilnimmt und oftmals als Sprachrohr der Menschen mit Behinderung fungiert.

„Einige waren blind, andere haben nichts gehört. Und ein paar Leute haben im Rollstuhl gesessen. Dann mussten die Auszubildenden verschiedene Aufgaben bewältigen. Damit sie ein Gefühl dafür bekommen, wie es ist, ein Handicap zu haben und was wir im Alltag alles leisten müssen.“ Und so, berichtet der 24-Jährige, seien auch ein paar der Gäste in seine Rolle geschlüpft: „Die saßen im Rollstuhl und mussten zur Toilette gehen.“

Gar nicht so einfach, erfuhr Tristan Wittig. „Das war das Schwierigste. Und ohne Hilfe hat es nicht geklappt. Das braucht schon einiges an Übung“, berichtete der 22-jährige künftige Industriekaufmann, der daraus viel lernte. „Zum einen ist man froh, dass es einem gut geht. Zum anderen hat man mehr Verständnis für die Betroffenen.“

Das Pilotprojekt war derart erfolgreich, dass man sich bei der RAG in Herne entschloss, es weiter zu führen. „In einer immer individualisierteren Welt müssen wir uns mit dem Thema Inklusion auseinandersetzten“, so Rudolf Brieskorn, Personaldirektor des RAG-Servicebereichs Belegschaft. „Bei der RAG hat die soziale Kompetenz in der Ausbildung einen hohen Stellenwert. Wir werden das auf jeden Fall weiterführen“, so Brieskorn, der gleichsam die Hoffnung formulierte, hier ein Modellprojekt geschaffen zu haben.

Das wünschte sich auch Luidger Wolterhoff, Leiter der Arbeitsagentur Gelsenkirchen: „Ich finde es super, dass ein Unternehmen wie die RAG sich an dieser Stelle so öffnet. Das würde ich mir auch von anderen Unternehmen wünschen.“

Auch Helmut Barth, Initiator des Hofes Holz, zeigte sich begeistert. „Inklusion geht nicht allein. Dafür brauchen wir Partner“, betonte er, bevor er mit den Unternehmensvertretern eine Absichtserklärung unterschrieb, die das Fortbestehen des Projektes sichert.

Wertvolle Erfahrungen gemacht

Florian Fischer sah dabei zu und war ebenso zufrieden. „Ich glaube schon, dass die Auszubildenden hier etwas gelernt haben, dass die Erfahrungen, die sie hier gemacht haben ihnen helfen, mit Menschen, die eine Behinderung heben, besser umzugehen, sie etwas zu verstehen.“

Kira Schmidt

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