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Interview

„Rüttenscheid bleibt ein Stadtquartier für alle“

25.07.2012 | 06:00 Uhr
Dienstag an der Rü - viele Sonnenhungrige zieht es in die Straßencafés an der Einkaufsmeile.Foto: Sebastian Konopka

Essen-Rüttenscheid.   Wo steht Rüttenscheid? Rolf Krane, Vorsitzender der umtriebigen Interessengemeinschaft, über Wohnen und Mieten, Gastronomie und Geschäfte, Parknöte und politische Verwicklungen mit der Bezirksvertretung II, die ihm sogar schon das Wort verboten hat.

Wäre Essen eine Schulklasse, Rüttenscheid wäre wohl der Musterschüler: Wohnungen, Ladenlokale und Gastronomie sind beliebt, Investoren stehen Schlange, wenn es um bebaubare Grundstücke geht, und als Ausgehquartier steht Rüttenscheid neben dem Dortmunder Kreuzviertel im Ruhrgebiet einzigartig da. Aber ist wirklich alles Gold, was glänzt? Wir wollen Zwischenbilanz ziehen mit Rolf Krane, der als Vorsitzender der Interessengemeinschaft Rüttenscheid (IGR) seit Jahren ein Motor des Stadtteils ist. Frank Stenglein und Jennifer Schumacher sprachen mit ihm.

Herr Krane, Rüttenscheid geht’s gut, oder?

Rolf Krane: Die Frage ist, welche Maßstäbe man ansetzt. Wenn man sieht, wie wenige Leerstände es gibt und wie schnell Wohnungen neu vermietet werden, kann man jedenfalls sagen, dass es den Leuten hier gefällt. Ich werde immer häufiger in Städte eingeladen, in denen ich über die Entwicklung Rüttenscheids referiere, vor kurzem etwa in Witten. Weit über die Grenzen Essens hinaus wird durchaus wahrgenommen, wie gut sich der Stadtteil entwickelt. Ich glaube, dass Rüttenscheid sehr gut da steht, ja.

Woran liegt das?

Krane: Den Charakter Rüttenscheids machen Vitalität und das große Angebot an Freizeit, Kultur, Gastronomie und Einzelhandel aus. Das schätzen neben den Kunden eben auch die Rüttenscheider. Und das wurde ja nicht am grünen Tisch geplant, sondern ist organisch gewachsen. Als es den Bauern in den um 1920 schlecht ging, haben viele ihre Höfe zu Ausflugslokalen umgewandelt. Wir hatten einen Prater, eine richtige Vergnügungsmeile. Auch die Messe wird 100 Jahre alt. Rüttenscheid war also eigentlich immer so.

„Szeneviertel“ zu sein, birgt auch Probleme: Wohnungsmangel, teure Mieten - droht Rüttenscheid eine Verengung als Stadtteil der großstädtischen Besserverdiener?

Rolf Krane. Foto: Stefan Arend

Krane: Die Mieten sind im vergangenen Jahr um 1,4 Prozent gestiegen, liegen damit klar unter der Inflation. Dass der Wohnraum knapp ist, liegt einfach daran, dass es begehrt ist, in Rüttenscheid zu wohnen. Das kann ja nicht schlecht sein. Die Sozialstruktur wird sich durch Neubauprojekte wie „Living One“ nicht wesentlich verändern. Das viel zitierte Problem der so genannten Gentrifizierung, also der Verdrängung ärmerer Leute, lässt sich auf Essen nicht übertragen. Wir sind schließlich nicht Berlin oder München sondern das Ruhrgebiet. Und da können wir froh sein, dass wir ein paar attraktive Standorte haben, die sich halten.

Ist wirklich für alle Platz - vom armen Studenten bis zum wohlhabenden Freiberufler?

Rü62 in Rüttenscheid

Krane: Rüttenscheid bleibt ein Quartier für alle. Wenn ich eine markante Eigenschaft nennen müsste, dann ist es die Vielfalt. Das gilt auch für die Menschen, die dort leben.

Täuscht der Eindruck oder tritt auf der Rüttenscheider Straße in Sachen Gastronomie langsam eine Sättigung ein?

Krane: Eine gewisse Sättigung gibt es, aber die Anzahl der Standorte wächst eigentlich nicht mehr. Lediglich gehen die einen raus und andere Gastronomen rein, aus „Reppekus“ wurde etwa das „Zizou“ . Es gibt sogar eine Reihe von Läden, die geschlossen haben, wie etwa die Fabricca Italiana. Der Markt bereinigt das - so tragisch das in Einzelfällen ist - meistens von selbst. Bei all dem muss man aber anerkennen, dass alle Gastronomen enormen Einsatz leisten - die investieren ihr gesamtes Vermögen, um es den Kunden recht zu machen. Eine Stadt wie Essen braucht eine solche Amüsiermeile - dabei muss man immer aufpassen, dass das Niveau nicht abfällt. Diese Gefahr sehe ich in Rüttenscheid aber weder im Einzelhandel noch in der Gastronomie.

Ein Problem des Einzelhandels ist, sich gegen Filialisten zu behaupten. Klappt das in Rüttenscheid?

Krane: Natürlich hat es jeder Einzelhändler sehr schwer. Wir haben einen guten Bestand an ausgewählten, inhabergeführten Geschäften. Es fragen aber auch viele Filialisten in Rüttenscheid an. Doch die suchen meistens große Flächen, die wir ohnehin nicht anbieten können.

Außer im Neubau auf dem Grundstück des früheren Hertie-Hauses . Dort siedeln ja nur Filialisten.

Die besten Orte im Ruhrgebiet

Krane: Ja. Nach Entscheidung des Investors sind das aber mit DM, Edeka, Deichmann und Aldi die Läden, die die Kunden anziehen. Was aus der bestehenden Filiale von Aldi wird, ist noch unklar. Der Drogeriemarkt DM dürfte zu den umsatzstärksten in NRW gehören und bleibt bestehen. Für das alte Aldi-Haus gibt es jede Menge Anfragen.

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Kommentare
10.10.2012
19:54
„Rüttenscheid bleibt ein Stadtquartier für alle“
von bderks | #4

Mag ja sein, daß es Hip ist, jetzt mal öfter den Ausdruck "Quartier" auch deplaziert zu verwenden, aber trotzdem: Rüttenscheid ist zunächst mal ein Stadtteil. Es aber als "Quartier" in seiner ursäclichen Bedeutung zu bezeichnen grenzt an ideologischer Notdurft.

26.07.2012
11:00
„Machen in Rüttenscheid Politiker einen schlechten Job?“
von ReinhardMielke | #3

Herr Krane, ich muß ihnen widersprechen. Kannn der Eigentümer an der Gummertstrasse wirklich mit seinem Eigentum machen, was er will? Dann beachtet er nicht unser Grundgesetz,das da sagt: "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll dem Wohl der Allgemeinheit dienen"
Warum verunglimpfen sie Stadtteilpolitiker? Im Vergleich mit der Stadtverwaltung unterstellen sie ihnen, dass sie weniger dem Sachverstand als der Ideologie verpflichtet seien. Auch Politiker haben ihre Arbeit vor den Augen der Öffentlichkeit zu verrichten und schauen dabei vornehmlich auf ihre Wähler. Das mag ihnen nun mal passen oder nicht.

1 Antwort
„Rüttenscheid bleibt ein Stadtquartier für alle“
von PSchmidt | #3-1

Das würde noch fehlen, wenn ein Eigentümer nicht frei entscheiden kann was er mit seinem Eigentum macht. Und solche Aussagen wie "dem Wohl der Allgemeinheit" sind Welt fremd. Es geht um Kapital!

25.07.2012
09:31
„Rüttenscheid bleibt ein Stadtquartier für alle“
von peterlustiglebt | #2

möglich das es eine sättigung der gastronomie gibt was daran liegt das sie auf der meile immer ähnlicher wird. für musikkneipen etc. ist da bestimmt noch platz falls man das überhaupt will. vergleich mit dem kreuzviertel stellt sich net da das angebot hier nich dem in rüttentüt entspricht.

25.07.2012
08:58
„Rüttenscheid bleibt ein Stadtquartier für alle“
von michelino | #1

Bei aller Wertschätzung für das schöne Dortmunder Kreuzviertel ist dies von seiner gastronomischen vielfallt Anzahl eher mit dem dem Essener Isenbergquartier vergleichbar, aber nicht mit Rüttenscheid.

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