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Seniorin angefahren und tödlich verletzt - Amtsgericht Essen stellt Verfahren gegen 2000 Euro Geldbuße ein

16.08.2012 | 18:22 Uhr
Seniorin angefahren und tödlich verletzt - Amtsgericht Essen stellt Verfahren gegen 2000 Euro Geldbuße ein
Noch am Unfallort starb die 91-Jährige, die mit ihrem Rollator von einem 70 Jahre alten Autofahrer beim Ausparken übersehen worden war.Foto: ANC

Essen.   Bei einem schweren Verkehrsunfall im Stadtteil Stadtwald ist eine 91-Jährige im vergangenen November tödlich verletzt worden. Die Frau war mit ihrem Rollator auf der Ulmenstraße unterwegs und wurde von einem Passat erfasst. Das Verfahren gegen den 70-jährigen Fahrer aus Hattingen hat das Amtsgericht Essen eingestellt. Der Mann muss eine Geldbuße von 2000 Euro zahlen.

Ein kleiner Fehler, eine Unaufmerksamkeit. Aber mit schrecklichen Folgen. Weil der 70 Jahre alte Autofahrer aus Hattingen nicht aufgepasst hatte, überrollte er an der Ulmenstraße im Essener Ortsteil Stadtwald eine Seniorin, die noch am Unfallort starb . Strafrechtlich bekommt er kaum Konsequenzen zu spüren. Der Essener Amtsrichter Rolf Märten stellte das Verfahren am Donnerstag ein. 2000 Euro Geldbuße zahlt der Angeklagte dafür.

1000 Euro davon gehen an die Tochter der getöteten 91-Jährigen, die als Nebenklägerin aus Süddeutschland zum Prozess anreiste und von der Versicherung des Autofahrers gerade mal 500 Euro Schmerzensgeld bekam. Weitere 1000 Euro der Geldbuße bekommt eine Elterninitiative krebskranker Kinder.

Fahrlässige Tötung

„Es tut mir leid“, sagte der Rentner, ein ehemaliger Landwirt, der im Essener Osten eine Gaststätte betreibt. In finanziellen Fragen scheint er nicht ganz offen zu sein: 700 Euro Rente und 150 Euro monatlicher Gewinn aus der Kneipe. „Wohl ein Hobby?“, argwöhnt der Richter. Bei der Schuldfrage hilft der Rentner nicht weiter: „Ich habe nichts mitbekommen.“ Das glaubt die Anklage ihm auch, unterstellt ihm keineswegs Absicht. Auf fahrlässige Tötung lautet der Vorwurf von Staatsanwältin Elke Hinterberg.

Am 8. November 2011 war der 70-Jährige an der Ulmenstraße in sein dort abgestelltes Auto gestiegen. Er wollte rückwärts aus der Parklücke fahren, um zur Wittenbergstraße zu fahren. Dabei übersah er eine 91 Jahre alte Frau, die ihren Rollator schob und auf die Ankunft einer Taxe wartete. Das Heck des Autos zog sie unter die Karosserie. Der Autofahrer deutete das Hindernis unter der Hinterachse falsch und gab stärker Gas, so dass er sie offenbar erneut überrollte. Mit schweren Kopf- und Brustverletzungen hatte sie keine Chance und starb sofort.

Schulterblick fehlte

Die Anklage warf dem Fahrer vor, dass er den Unfall hätte vermeiden können, wenn er „seiner Rückschaupflicht nachgekommen wäre oder beim Rangieren einmal über die Schulter nach rechts geblickt hätte“. Das war der Fehler, sagte auch ein Kfz-Gutachter. Allerdings war die nur 1,44 Meter große auf den Rollator gestützte Frau in der Praxis nicht leicht zu erkennen. Das Gericht sah die Einstellung des strafrechtlichen Verfahrens als sinnvollen Weg an. Die Folgen seien natürlich nicht geringfügig, die Schuld des Angeklagten dagegen doch. Außerdem sei er im Straßenverkehr immer unauffällig gewesen.

Der Unfall an der Ulmenstraße hatte sich im vergangenen Jahr in eine Reihe von tödlichen Unfällen eingereiht, an denen Senioren als Täter oder Opfer beteiligt waren. Die Polizei hatte aber betont, dass es sich damals nicht um seniorentypische Fahrfehler gehandelt hätte.

Stefan Wette



Kommentare
17.08.2012
10:47
Senioren und der Schulterblick
von zensek1 | #7

zwei Dinge die nie zueinander finden werden.

17.08.2012
08:40
„Ich habe nichts mitbekommen.“
von Juergen-Kahl | #6

Hohes Gericht,
wenn ein Autofahrer, der obige "Ausrede" erfolgreich in einer Gerichtsverhandlung, bei der über die Tötung eines Menschen verhandelt wird, einsetzt und gleichzeitig bei der Straffestsetzung über die Einkünfte aus seiner Kneipe wie auf dem Jahrmarkt gefeilscht wird, dann ist es offensichtlich mit der deutschen Gerichtsbarkeit nicht mehr weit her. Bleibt zu hoffen, dass Täter und Richter weder verwandt, noch verschwägert sind.

Mein Respekt vor den Typen mit den schwarzen Roben schwindet zusehends. Übernimmt der Richter wenigstens die Verantwortung dafür, dass er einen Kraftfahrer, der nach eigener Aussage "Nichts mitbekommen hat" weiter auf die Menschheit loslässt?

Wenn sich demnächst unter des Kneipiers PKW wieder ein "kleiner Mensch" verläuft, gehört dieser Richter auf die Anklagebank.

17.08.2012
08:02
Seniorin angefahren und tödlich verletzt - Amtsgericht Essen stellt Verfahren gegen 2000 Euro Geldbuße ein
von gudelia | #5

Kleine Unaufmerksamkeit? Das ich nicht lache! Der überfährt einen Menschen, denkt sich: "was war das denn" und brettert noch einmal drüber. Spätestens da ist Schluß mit Unaufmerksamkeit. Und dann das rumgeeiere über den Verdienst durch die Gaststätte, unterste Schublade. Was die Justiz da geritten hat ist mir vollkommen schleierhaft. Ich stelle mir nur mal vor: Aus einer kleinen Unaufmerksamkeit überfahre ich einen Polizisten oder einen hohen Politiker, na, da kann ich mich aber auf was gefaßt machen, bis hin zum Terrorakt.

3 Antworten
Aus einer kleinen Unaufmerksamkeit überfahre ich einen Polizisten oder einen hohen Politiker, na, da kann ich mich aber auf was gefaßt machen, bis hin zum Terrorakt.
von Juergen-Kahl | #5-1

Nicht ganz ...
es sei denn der Polizist oder Politiker ist größer als 1,44m.


Seniorin angefahren und tödlich verletzt - Amtsgericht Essen stellt Verfahren gegen 2000 Euro Geldbuße ein
von gudelia | #5-2

. . . und wenn er sich gerade bückt?

Seniorin angefahren und tödlich verletzt - Amtsgericht Essen stellt Verfahren gegen 2000 Euro Geldbuße ein
von Juergen-Kahl | #5-3

Das müssen Sie erst mal beweisen, es sei denn, der Richter glaubt Ihnen das aufs Wort ;-)

17.08.2012
08:01
"seniorentypische Fahrfehler"
von eimerweise | #4

Die Polizei bringt es auf den Punkt.
Wann kommt endlich die routinemäßige Fahrtauglichkeitsprüfung?
Jeder Verkehrsteilnehmer (mich eingeschlossen) ist eine Zeitbombe - zum Glück fahre ich wenigstens (noch) nicht weiter, wenn etwas unter dem Wagen klemmt...

17.08.2012
00:28
Wesseler200 | #2
von dummmberger | #3

Das kann man doch überhaupt nicht vergleichen.
Vor Gericht wird das Ausmaß der Schuld, nicht die Folgen des Verhaltens beurteilt.

Auf der einen Seite haben wir eine kleine Unaufmerksamkeit, die auch Ihnen schon morgen passieren kann, die schlimme Folgen hatte.

Auif der anderen Seite haben wir einen über Jahre praktizierten Betrug, der dem deutschen Staat und damit uns Millionenbeträge entzogen hat.

16.08.2012
21:10
Seniorin angefahren und tödlich verletzt - Amtsgericht Essen stellt Verfahren gegen 2000 Euro Geldbuße ein
von Wesseler200 | #2

Und dann regen sich die Leute darüber auf das Herr Zumwinkl nur 2 Jahre auf Bewährung bekommen hat, und neben der 1 Millionen € Steuer noch fast 4 Millionen € Strafe, Gebühren usw. zahlen muss.

16.08.2012
20:16
Seniorin angefahren und tödlich verletzt - Amtsgericht Essen stellt Verfahren gegen 2000 Euro Geldbuße ein
von gudelia | #1

Das ist verdammt schwer zu toppen. Ein Hoch der Gerichtsbarkeit.

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