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„Mozart wäre sehr glücklich“

31.05.2012 | 18:52 Uhr
„Mozart wäre sehr glücklich“
Jetske Mijnssen, Regisseurin im Gespräch. Sie inszeniert die Oper " Entführung aus dem Serail" von Wolfgang Amadeus Mozart im Aalto TheaterFoto: Kerstin Kokoska/WAZ FotoPoolEssen

Türkenfürst Bassa Selim hält die entführte Konstanze gefangen und will sie heiraten. Ihr Liebhaber Belmonte eilt zu ihrer Rettung herbei. Das ist der Plot von Mozarts Oper „Entführung aus dem Serail“, die am 10. Juni im Aalto-Theater Premiere hat. In einem dramatischen Finale kriegt Belmonte seine Konstanze - bei Mozart. Nicht bei Jetske Mijnssen.

Wochenlang hat sich die Regisseurin in Mozarts Musik eingehört, ohne eine Zeile des Textbuches zu lesen. Aus den Arien der Konstanze entwickelte sich ihr Konzept: „Ich höre da keine Frau, die von einem Mann gefangen gehalten wird. Ich höre eine Frau, die nicht weiß, wen sie wählen soll. Ich höre eine starke Anziehung zu Bassa Selim“, berichtet Jetske Mijnssen. Deshalb hat sie den Bassa Selim nicht als alten Mann besetzt, sondern mit dem attraktiven Maik Solbach. Simone Saturova spielt die Konstanze zwischen zwei Männern. Bernhard Berchtold gibt den Belmonte, der erkennen muss, dass er ein Wunschbild liebt und nicht die Frau, die vor ihm steht.

Unter diesen Umständen stehen die Chancen schlecht für ein glückliches Ende. Das Happy End bei Mozart findet Minjssen ohnehin „unerträglich. Das kaufe ich Mozart ebenso wenig ab wie das in ,Cosi Fan Tutte’“

So steht ihre Konstanze am Ende allein auf der weißen Bühne von Sanne Danz ohne jeden orientalischen Schnickschnack. „Mozart hat eine Türkenoper geschrieben, weil ,Alla Turka’ 1782 halt in Mode war“, befindet Mijnssen. „Das hat mit der Geschichte nichts zu tun. In der Geschichte geht es um die Liebe“ Deshalb sind die Kostüme von Arien de Vries sehr heutig und werden zum Ende hin wie die Bühne immer abstrakter. Sie sollen sagen: Es geht nicht um die Figuren da oben auf der Bühne. Was da passiert, geht uns alle an.

„Ungewöhnlich und wunderbar“ nennt Mijnssen die Zusammenarbeit mit Dirigent Christoph Poppen. „Er war von Anfang an dabei . Wir sind in einem ständigen Austausch. Außerdem liebt er Mozart ohne Ende.“

Was würde Mozart sagen zu seiner so radikal umgeschriebenen Oper? „Mozart wäre sehr glücklich zu sehen, wie 230 Jahre nach der Entstehung so viele fantastische Künstler mit so vielen Gefühlen an seinem Werk arbeiten.“

Klau Süselbeck



Kommentare
11.06.2012
14:33
„Mozart wäre sehr glücklich“
von schriftsetzer | #2

#1

"Kein Wunder, wenn immer mehr Leute der Oper fernbleiben."

Das hätten Sie wohl gerne, was...?

05.06.2012
12:55
Das Happy End bei Mozart findet Minjssen ohnehin „unerträglich"
von kumpelanton | #1

Hoffen wir, dass das Publikum die Inszenierung nicht auch "unerträglich" findet.

Minjssen setzt sich über die Vorgaben eines Jahrtausend-Genies hinweg, meint, Mozart verbessern zu können. Welch eine grenzenlose Anmaßung!

Kein Wunder, wenn immer mehr Leute der Oper fernbleiben.

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