Wir sind Altstadt
06.06.2012 | 15:49 Uhr 2012-06-06T15:49:00+0200
Essen-Kettwig. Im Dorf herrscht Unruhe. Und auch Unverständnis. Da verlegt der Heimat- und Verkehrsverein ohne Absprache seine Meile erst einmal vom ersten aufs zweite Juli-Wochenende und dann auch noch von der Altstadt an Ruhr und Stausee. Und als ob das nicht schon genug der Neuerungen wäre, musste auch noch ein anderer Name her. Seerosenfest heißt nun, was besonders den Feinschmeckern heilig ist und Kettwig als Standort bester Gastronomie präsentiert.
Bitter für KettIN, denn mit der Verlegung ging der Händlergemeinschaft der verkaufsoffene Sonntag flöten. Der war ursprünglich für den 1. Juli beantragt und genehmigt, durfte aber ohne das dazugehörige Fest nicht stattfinden. KettIN bat um Verlegung, die Politik stimmte zu.
Der Stand der Dinge - und ein Erklärungsversuch: Der HVV beklagte in den vergangenen Jahren immer wieder die mangelnde Unterstützung vieler Händler und Gastronomen, die zwar ordentlich von der Meile in der Altstadt profitierten, aber partout keinen finanziellen Beitrag leisten wollten.
Enormer logistischer Aufwand
Außerdem macht der enorme logistische Aufwand, denn die Gastronomen betreiben, eine Ausweitung von zwei auf drei Veranstaltungstage nötig. Eine Diskussion mit den Marktbeschickern, um auch den Freitag zu bekommen, verlief ergebnislos.
Nun wird also beim HVV-Seerosenfest vom 6. bis 8. Juli am Wasser gespeist und gefeiert - und KettIN lädt in die Altstadt ein und plant besonders am verkaufsoffenen Sonntag einige Aktionen. Allerdings ausdrücklich nicht als Gegenveranstaltung, „sondern als Ergänzung“, wie KettIN-Vorsitzender Roger Kessler betont. Mit dem HVV gemeinsame Sache zu machen ist wohl das Modell der Zukunft. Mit- statt Gegeneinander. Auf die Chance, am 8. Juli Umsatz zu machen, wird aber verständlicherweise kein Händler in der Altstadt verzichten wollen.
Zu einem Planungsgespräch setzte man sich nun zusammen - die Zeit drängt. Kettwig - wir sind Altstadt. Das Motto ist gefunden, die Aufgaben weitgehend verteilt. Eine Tombola soll es geben, deren Erlös dem Kinderheim St. Josefshaus zugute kommt, ein historischer Rundweg soll ausgeschildert werden, damit Seerosen- und Altstadtfest-Besucher auch voneinander erfahren. Flyer und Plakate sind geplant, durch so genannte Walking Acts kommt Musik in die Gassen. Finanziert werden soll das Ganze durch eine Umlage - damit könnte ein denkbar schlechtes Klima für Trittbrettfahrer erzeugt werden. „Es wird wieder welche geben, die keinen Cent bezahlen“, befürchtet Enzo Mammone, der seit 27 Jahren ein Eiscafé an der Hauptstraße betreibt. Versuch macht klug. Sagt man, auch wenn es der Soundsovielte ist.
Dem zarten Pflänzchen Gemeinsamkeit geben Kettwigs Einzelhändler zumindest wieder einmal eine Chance - möge es nicht die letzte sein.
15:28
Klasse dass die Kleinhändler in Kettwig endlich zugegeben haben, dass Ihnen das Fest an einer tollen Location selbst nicht am Herzen liegt, sondern nur der eigene Umsatz. Wozu soll der Gastronom dem Socken/Brillen/etc.. Laden das Marketing bezahlen? Selbst bei den Stadtfesten treten die KMUs nicht als Einheit auf. Echt schwach!
Endlich ein Fest für Bürger. Das "Kauf noch mehr Fest" kann der Einzelhandel ja selber anregen, durch einen gemeinsamen Prospekt als Beilage in der WAZ oder im Kettwiger Kurier. Aber sowas hat Kett-In ja in seiner Geschichte noch nicht geschafft.