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Essener Unternehmer kritisieren A40-Sperrung im Sommer

11.06.2012 | 06:00 Uhr
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Essener Unternehmer kritisieren A40-Sperrung im Sommer
Foto: Oliver Müller

Essen.   Der Essener Unternehmensverband (EUV) kritisiert die Pläne von Straßen.NRW zur Sperrung der Autobahn 40. Die Unternehmer fürchten einen riesigen wirtschaftlichen Schaden. Er fordert von der Landestochter einen Masterplan.

Der Wecker klingelt, mit dem linken Bein geht’s zuerst aus dem Bett heraus und direkt im Schlafanzug ins Auto. Dort wird dann während der Fahrt gefrühstückt, Katzenwäsche gemacht und sich in den Büro-Dress geschmissen. Für viele Pendler, die ab 9. Juli auf dem Weg zur Arbeit unweigerlich mit der dreimonatigen Sperrung der A40 konfrontiert werden, dürfte die Vorstellung, die der britische Komiker Rowan Atkinson alias Mr. Bean einmal in einem britischen Mini vollführte, blanker Horror sein. Dass es zu solchen Szenen in der Essener Blechlawine kommen könnte, ist eher auszuschließen. Arbeitnehmer und Schüler werden aber nicht darum herumkommen, früher aufzustehen als gewöhnlich, denn die Sperrung ist frühzeitig angekündigt worden. Der Essener Unternehmensverband (EUV) sieht ihr dennoch mit sehr gemischten Gefühlen entgegen und äußert deutliche Kritik.

300 Mitgliedersensibilisieren

Auch Ulrich Kanders, Hauptgeschäftsführer des EUV, blüht das Frühaufsteher-Schicksal. Aus dem niederrheinischen Sonsbeck startet er gegen 8.15 Uhr, um ab 9 Uhr im Büro zu sitzen. „Ich überlege künftig um 6.30 Uhr loszufahren“, sagt er und schiebt lachend hinterher: „Früher werde ich abends aber leider nicht wegkommen.“ Der Verband versucht derzeit, soweit es geht, seine 300 Mitglieder für die Sperrung zu sensibilisieren und fit zu machen. Die Fragen drehen sich ums Arbeitsrecht, die Informationspolitik gegenüber Mitarbeitern und Kunden oder die logistischen Herausforderungen fürs produzierende Gewerbe. Tipps dazu hat der EUV bereits herausgegeben.

„Den wirtschaftlichen Schaden kann man zwar nicht in Euro-Beträgen beziffern, aber es könnte ein riesiger werden“, sagt Kanders. Er kann die Ruhe der Verantwortlichen nicht verstehen, die etwa gegenüber der NRZ von Kaffeesatzleserei sprachen, als es um eine Prognose des Verkehrschaos ging. Man bekomme das Gefühl, dort herrsche das Prinzip Hoffnung, kritisiert der EUV-Hauptgeschäftsführer. „Sie müssen sich vorstellen, 100.000 Autos werden durch die Stadt geleitet, das sind 20.000 Kilometer Autoschlange durch die Innenstadt, da ist an ein gutes Durchkommen nicht zu denken“, meint er. Ebenfalls kämen in der Diskussion die Pendler zu kurz, er geht von 200.000 insgesamt aus, 140.000 die in die Stadt wollen, 60.000 die herauswollen. „Die Firmen werden mit Einbußen rechnen müssen, etwa im Service oder im Außendienst“, erklärt Kanders. Wie sollten sie allen Aufträgen nachgehen, im administrativen Bereich könne man über die Gleitzeit noch etwas machen, aber das produzierende Gewerbe nicht. Schichtbetriebe seien darauf angewiesen, dass ihre Mitarbeiter pünktlich am Arbeitsplatz sind.

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Kommentare
12.06.2012
18:54
Essener Unternehmer kritisieren A40-Sperrung im Sommer
von Gothaur | #28

Das wird ein riesiger wirtschaftlicher Schaden, auch für den Einzelhandel. Wer kann, wird Essen meiden.
Denn alle Straßen sind doch schon normalerweise voll. Diese Vollsperrung wird letztendlich dann den Gesamtverkehr auf noch weniger Straße komprimieren. Das kann also garnich funktionieren.
Weiterhin weise ich nochmals darauf hin, daß auch die Zuflieferer für die Baustelle selber diese Staus zu spüren bekommen und da frage ich mich, wie das geregelt wird.
Eine Antwort war zwar, an anderer Stelle, daß diese ja die Autobahn bis Baustelle nutzen, aber das ist doch nur die halbe Miete. Denn vor und hinter der Baustelle werden die Spuren total voll sein, und drumherum ohnehin. Hier wird wohl die normale Ampelregelung, die sich dann als äußerst schwierig darstellen wird, und deren rückstauende Auswirkungen völlig übersehen.
Und die Bahn, die Öffentlichen sollen helfen? Wie denn das? Sind die etwa entsprechend personell aufgestellt? Ich bezweifel das, nach dem Kahlschlag der letzten Jahre.

1 Antwort
Essener Unternehmer kritisieren A40-Sperrung im Sommer
von scouti | #28-1

Und selbst wenn die wollten. So viel Personal bzw. Schienenmaterial dürfte auch nicht für so eine lange Zeit dauerhaft zur Verfügung stehen, als wie z. B. für Einsatzfahrten zu Fußballspielen oder um Spitzen im Berufsverkehr/Schülerspezialverkehr abzudecken.

12.06.2012
12:58
Essener Unternehmer kritisieren A40-Sperrung im Sommer
von vonhierwech | #27

mit einer kompletten a52 durch essen wäre der bevorstehende verkehrskollaps nur halb so wild, zumal sie der a40 ungeachtet der kommenden verkehrssituation ohnehin entlastung bringen würde. Wann begreifen unsere politiker u. manche bürger das der rhein-ruhr-raum eine pendlerregion mit über 7 millionen menschen ist. Das brüchige und lückenhafte straßennetz bricht jetzt schon unter der last zussammen. Ohne ein gutes straßen- u. nahverkehrsnetzt wird sich daran nie was ändern.

11.06.2012
16:34
Essener Unternehmer kritisieren A40-Sperrung im Sommer
von bloss-keine-Katsche | #26

Für alle kann ich nur Umstieg auf dfie Schiene empfehlen!
Das der Unternehmerverband überhaupt keine Fantasie kann!?!

1 Antwort
Essener Unternehmer kritisieren A40-Sperrung im Sommer
von virt77 | #26-1

Supertip, da wäre bestimmt niemand drauf gekommen ! Die Bahnen der DB sind doch jetzt schon zu Stosszeiten total überfüllt.

11.06.2012
16:07
A40-Sperrung
von lass_mal_laufen | #25

Würden nur ca. 30 v. H. der Pendler auf den ÖPNV umsteigen, würden diese Menschen schon mal weniger lange im Stau stehe und auch pünktlich auf der Arbeit erscheinen.
Die restl. 70 v. H. könnten Fahrgemeinschaften bilden, was sicherlich zu einer zusätzlichen Abnahme des Verkehrs führen würde.
LKW, die die A40 nur als Transitstrecke nutzen, werden auf jeden Fall eine andere Streckenführung nutzen.
Und die Pendler, die ebenfalls die A40 als Transitstrecke nutzen, um z. B. von Dortmund nach Duisburg zu gelangen, werden die A42 oder die A2 nutzen.
Ich verstehe den ganzen Punk um die Sperrung überhaupt nicht. Wer auch nur einen Bruchteil an Hirnmasse besitzt, der wird eine Möglichkeit finden, weder Stau noch längere Anfahrtwege in kauf nehmen zu müssen.
Es geht hier wieder einmal darum , dass unsere Schlauberger zu faul oder zu blöde sind, nachzudenken. Schade aber auch!

1 Antwort
Essener Unternehmer kritisieren A40-Sperrung im Sommer
von joergel | #25-1

Das kann nur jemand sagen, der im Berufsverkehr nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren muß - und noch nie um die Zeit auf den Autobahnen unterwegs war.

Genau so wie A 42 und A2 ist der ÖPNV zu dieser Zeit bereits voll ausgelastet - und um 30 % mehr Pendler aufzunehmen, müßten auch entsprechend mehr Straßenbahnen und Busse eingesetzt werden - die wiederum die schon durch den Ausweichverkehr belasteten innerstädtischen Straßen zusätzlich belasten würden bis zum völligen Stillstand. Wo Material und Personal für den zusätzlichen Aufwand herkommen soll, steht ebenfalls in den Sternen...

Im Übrigen ist mir neu, dass 70 % der Verkehrsteilnehmer alle im gleichen Umfeld arbeiten - und sich deshalb alle so gut kennen, das sie Fahrgemeinschaften bilden können. Vielleicht sind es ja so viele, dass dadurch der zusätzliche Aufwand des ÖPNV ausgeglichen wird. Nur, dann sind wir wieder soweit wie zuvor, sie Schlauberger! ;-)

11.06.2012
15:27
Essener Unternehmer kritisieren A40-Sperrung im Sommer
von nothdurft | #24

Ich umgehe die Sperrung mit 2 Autos. Die Distanz (Baustelle) zwischen beiden Wagen überbrücke ich mit einen Klapp-Fahrrad, ca 1 Kilometer.

11.06.2012
12:59
Essener Unternehmer kritisieren A40-Sperrung im Sommer
von sauerlandisse | #23

Wann bitte schön soll denn sonst die A 40 gesperrt werden? Kurz vor Weihnachten? Im Sommer ist es deutlich leerer auf der A 40, das muss man nutzen, denn eine neue Straße fällt nicht über Nacht vom Himmel...

1 Antwort
Essener Unternehmer kritisieren A40-Sperrung im Sommer
von scouti | #23-1

Und kurz vor Weihnachten könnte es u. U. auch bereits zu kalt für Straßenbauarbeiten sein, sprich der Frost sitzt schon im Boden usw. Dann lieber in der Urlaubszeit im Sommer.

11.06.2012
12:52
Essener Verkehrsprobleme
von SoerenHL | #22

Die A40 müsste eigentlich gar nicht immer so voll sein, wenn sie gerade innerhalb Essens nicht trotz Stau immer noch oft der beste Weg wäre um von A nach B zu kommen. Essen hat eine furchtbare Verkehrsplanung betrieben und so schiebt man sich heute quasi über ausgebaute Nebenstraßen durch sämtliche Stadtteilkerne mit ihren immer dauerroten Ampeln um von einer Ecke Essens in eine andere zu kommen. Wenn nun die A40 so lange gesperrt wird, muss Essens Autoverkehr kollabieren. Wo soll er denn hin? Da zum Einkaufen noch in die selbsternannte Einkaufsstadt fahren? Neeeee Danke....

11.06.2012
12:34
Essener Unternehmer kritisieren A40-Sperrung im Sommer
von amo17 | #21

EUV: „Betriebe sollten ihre Mitarbeiter zu Fahrgemeinschaften ermuntern. Ein Hinweis auf den öffentlichen Nahverkehr sei nicht optimal, da bis auf S-, Regional- und U-Bahnen auch Straßenbahnen und Busse im Stau stehen können.“ Und Fahrgemeinschaften stehen nicht im Stau?! Was ist das denn für eine Logik?

Vielleicht fährt der Geschäftsführer des EUV mit dem Zug, sein Landen sitzt ja direkt am Essener Hbf. Einfach mal mit dem PKW über die A42 nach Bottrop, von dort aus in 13 min zum Hbf Essen.
Aber was will man denn von jemanden erwarten, der in der Pampa wohnt und dann mal eben mit dem PKW nach Essen pendelt. Wenn er dafür 45min unter normalen Umständen braucht (das ist genau die Zeit, berechnet von google.maps.de), scheint ja sonst alles in bester Ordnung zu sein.

11.06.2012
12:32
Essener Unternehmer kritisieren A40-Sperrung im Sommer
von woelly | #20

Hätten wir schon die A52 in Essen, Bottrop und Gladbeck, so hätten wir heute keine Probleme mit einer Vollsperrung der A40. So einfach ist das!

5 Antworten
Essener Unternehmer kritisieren A40-Sperrung im Sommer
von amo17 | #20-1

Ach woelly,

dann hätte wir ja schon heute mehr Durchgangserkehr jeden Tag und die Probleme mit 15jährigen Bau schon erlitten.

Essener Unternehmer kritisieren A40-Sperrung im Sommer
von woelly | #20-2

Ja und? Der Fortschritt ist eben nicht aufzhalten! Die Wirtschaft muss brummen, damit auch die Neinsager weiter gut leben können.

amo17
von joergel | #20-3

Der kleine Unterschied wäre zwar mehr Durchgangsverkehr, aber eben auf der Autobahn - und nicht quer durchs Stadtgebiet über innerstädtische Straßen...

Essener Unternehmer kritisieren A40-Sperrung im Sommer
von woelly | #20-4

joergel hat Recht! Hatte ich vergessen zu erwähnen. Das verstehen aber nicht alle.

Essener Unternehmer kritisieren A40-Sperrung im Sommer
von amo17 | #20-5

Tja woelly,

leider stehst Du mit der Meinung "fast" alleine. (Abstimmung zur A52)

Fortschritt und Zukunft bedeutet eben nicht "immer mehr Autobahnen". Das hat die Mehrheit begriffen.

p.s. Zur Lektüre, wie es andere Metropolen machen und gut damit leben.
http://www.zukunft-ennstal.at/pdfs/SEOUL.pdf

11.06.2012
12:17
Essener Unternehmer kritisieren A40-Sperrung im Sommer
von rally | #19

Tja, wenn so viele Manschen Auto fahren wollen, werden die Städte halt immer voller. Wenn man in die Autos schaut, sitzt meißt nur ein Mansch in so ner Blechbüchse! Bildet hat Fahrgemeinschaften, fahrt mal öfters mit dem Rad oder nehm den ÖNPV.

Oder zieht mal näher zum Arbeitsplatz, der Dortmunder pendelt nach Duisburg, die Duisburger pendeln nach Dortmund, irgendwie schon paradox :-)!
Ich bin umgezogen und genieße jetzt 2 1/2 Std. mehr Freizeit und höre mir jeden morgen das Gejammer der Kollegen an^^

2 Antworten
Essener Unternehmer kritisieren A40-Sperrung im Sommer
von scouti | #19-1

Nicht jeder kann mal eben umziehen, vor allem nicht bei befristeten Stellen. Die Fahrtzeit im zug lässt sich auch zum Zeitungslesen, zum Lesen eines Buches, schlafen oder auch frühstücken nutzen.

Während im Auto doch schon der Stress losgeht, nicht jeder will oder kann schon "mitten in der Nacht" "an der Schüppe" aufschlagen. Obwohl sechs Uhr im Sommer ist auch nicht schlecht gewesen, dafür dann versuchen eher rauszukommen. Auf der Hinfahrt war die A 40 angenehm leer nur die Rückfahrt ... Na gut Landpartie ...

Essener Unternehmer kritisieren A40-Sperrung im Sommer
von joergel | #19-2

Der ÖPNV ist jetzt schon im Berufsverkehr überlastet. Verspätungen von 30 Minuten sind normal, Züge fallen aus, Anschlüsse werden verpaßt. Oftmals muß man 3 Mal oder mehr umsteigen um sein Ziel zu erreichen. Mit dem Rad kann man vielleicht schön spazieren fahren, aber nicht längere Strecken bei jedem Wetter jeden Morgen und Abend mit dem Rad fahren. Fahrgemeinschaften gib`s jetzt schon häufig, lösen das Problem auch nicht.

Es kann auch nicht jeder seinem Arbeitsplatz hinterherziehen. Was machen denn Paare, die unterschiedliche Arbeitsstellen haben? Was tun bei befristeten Arbeitsstellen, die immer mehr werden? Wie oft kann man den Kindern einen Schulwechsel zumuten?
Einfache Lösungen sind eben oft zu einfach...

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