Essener Schullandschaft steht vor Veränderungen
25.05.2012 | 19:25 Uhr 2012-05-25T19:25:00+0200
Essen. Sind das nun wirklich die Kernfragen unserer Bildungslandschaft? Ob Jungen oder Mädchen das Schulziel erreichen, ist weniger eine Frage, ob ich ihnen Unterricht in getrennten Klassen anbiete, sondern doch wohl eher die, ob ein gut ausgebildeter und motivierter Lehrer vor der Klasse steht.
Nach 360 Jahren bricht eine Schule mit ihrer Tradition und nimmt Jungen auf . Während manche nun den Untergang des Abendlandes befürchten, sei kurz daran erinnert, dass bis auf das Mädchengymnasium Borbeck alle anderen Schulen längst auf eine gemischte Schülerschaft setzen. Zuletzt öffneten sich das Don-Bosco in Borbeck für Mädchen und das Mariengymnasium in Werden für Jungs. Größere Probleme sind nicht bekannt.
Sind das nun wirklich die Kernfragen unserer Bildungslandschaft? Ob Jungen oder Mädchen das Schulziel erreichen, ist weniger eine Frage, ob ich ihnen Unterricht in getrennten Klassen anbiete, sondern doch wohl eher die, ob ein gut ausgebildeter und motivierter Lehrer vor der Klasse steht. Ein vernünftiger Rahmen für den Unterricht kann ebenfalls nicht schaden: Kleine Klassen beispielsweise, die Möglichkeit, die schlechteren Schüler zu unterstützen, die besseren zu fördern. Wenn dabei Kollegen helfen, wunderbar. Denn Ziel der Bildung muss sein, Jungen und Mädchen zum bestmöglichen Abschluss zu führen. Das bleibt nach wie vor auf der Strecke, unsere Schulen sortieren lieber aus.
Die Basis wird kleiner
Dabei können wir uns diesen himmelschreienden Unsinn nicht mehr leisten: Mehr als 4500 Jungen und Mädchen wird in absehbarer Zeit kein Jahrgang mehr zählen. Die Basis wird kleiner, aus der Unternehmen, Universitäten, Handel, Handwerk und viele andere schöpfen wollen. Es kostet unendlich viel Mühe, aus einem Palettenstapler einen Facharbeiter zu machen, aus einem Facharbeiter einen Ingenieur. Um wie viel leichter wäre es gewesen, sie bereits in der Schule aufs richtige Gleis zu setzen.
Unabhängig davon steht Essens Schullandschaft vor Veränderungen, die Stadt ist überversorgt, selbst die Gymnasien werden in einigen Jahren die Demografie zu spüren bekommen. Dass sich das BMV deshalb breiter aufstellt, ist verständlich. Zumal in ein paar Jahren mit der Evangelischen Zukunftsschule an der Planckstraße ein Haus öffnen soll, das neue Antworten bieten will, eben keinen sitzenzulassen und jeden individuell zu fördern. Daran sollten sich Stadt und Politik ein Beispiel nehmen. Und nicht einer Tradition nachweinen.

18:21
..ist es aber nicht uneingeschränkt. Ein Lehrer, der besser in die Wirtschaft hätte gehen sollen, als auf Kinder losgelassen zu werden, kommt auch mit einer kleineren Klasse nicht unbedingt viel besser klar. Ein guter Lehrer hingegen hat auch eine Klasse mit 35 Kindern gut im Griff. An der BMV scheinen ja gute Lehrer zu sein, daher dürfen sie sich jetzt mal in der Königsdisziplin messen - gemischte Klassen.
18:30
Das sehe ich ganz ähnlich. Engagierte Lehrer vor 35 gemischt pubertierenden Jugendlichen sind auch nur Menschen.
Würden in Zukunft max 25 Schüler pro Klasse vorgeschrieben, hätten wir weder ein demografisches Schul- noch ein Bildungsproblem, oder ein zumindest deutlich kleineres.
Entgegen allen Sonntagsreden wird dies ganz offensichtlich nicht wirklich für erforderlich gehalten, die Klassen endlich kleiner zu machen, um sich intensiver um Schüler kümmern zu können.
17:38
Lieber Herr Reintjes,
Da widersprechen Sie sich selbst.
Wenn kleine Klassen angestebt werden, müssen wir angesichts der demographischen Entwicklung gar nicht viel tun. Wenn die Zahl der Lehrer konstant bleibt und die Zahl der Schüler abnimmt, wrden die Klassen automatsich kleiner.
Aber alles, was derzeit getan wird, wird getan um genau das zu verhindern, weil es nämlich keiner bezahlen kann oder will.
Kleinere Klassen kommen nur in den Sonntagsreden vor.