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Wofür die Stadt Duisburg die Steuergelder ihrer Bürger ausgibt

26.01.2013 | 14:00 Uhr
Wofür die Stadt Duisburg die Steuergelder ihrer Bürger ausgibt
Ob Spielplätze, Schwimmbäder oder Pflichtaufgaben wie „Hartz IV“-Kosten: Dafür gibt die Stadt die Steuern der Duisburgern aus.Foto: Daniel Elke

Duisburg.  Steuern zahlen die meisten, aber wofür unsere Steuergelder genau ausgegeben werden, wissen die wenigsten. Das wird klarer, wenn man sich die Ausgaben der Stadt auf jeden Duisburger heruntergerechnet anschaut.

Die Summen sind gewaltig: Rund 1,4 Milliarden Euro nimmt die Stadt Duisburg im laufenden Jahr an Steuern, Zuweisungen und Gebühren ein. Gleichzeitig wird sie rund 1,44 Milliarden Euro wieder ausgeben. Doch wofür eigentlich? Was verschlingt solche gewaltigen Summen? Anschaulicher wird der Zahlen-Wirrwarr, wenn die Summen auf jeden einzelnen Duisburger heruntergerechnet werden. Dadurch zeigt sich im Verhältnis, was die Stadt zum Beispiel für Spielplätze oder Schwimmbäder ausgeben kann und was sie andererseits für Sozialleistungen ausgeben muss. Einige Beispiele:

107,94 Euro zahlt jeder Einwohner für die Betreuung von Kindern in Kindertageseinrichtungen. Neben den 76 städtischen Kitas mit 7131 Plätzen gibt es 114 weitere Einrichtungen freier und kirchlicher Träger mit 6648 Plätzen. Darin enthalten sind die Ausgaben für die Sprachförderung.

27,09 Euro steuert jeder Bürger zur Pflege der öffentlichen Grünflächen bei, darunter fallen die insgesamt 600 Hektar an Grün- und Parkanlagen, die Grünstreifen am Straßenrand und die knapp 50.000 Straßenbäume.

8,23 Euro kostet jeden Einwohner das Theater als Spielstätte für Opern-, Ballettaufführungen, Konzerte, Schauspiele und Sonderveranstaltungen.

0,54 Euro zahlt jeder Einwohner für den Außendienst und die Verkehrsüberwachung des Ordnungsamtes — obwohl die 385.000 Knöllchen für Falschparker und zuletzt mehr als 46.000 Bußgelder von Tempo-Sündern rund zehn Millionen Euro in die Stadtkasse spülen.

Ausgaben je Einwohner
Ausgaben je Einwohner: Die Berechnung der Kennzahl

Die Ausgaben für die einzelnen Bereiche wird nicht durch die Zahl der tatsächlichen Steuerzahler geteilt, sondern durch die Zahl aller Einwohner. Die angegebenen Beträge sind daher eine rein statistische Größe.

Ein Beispiel: Die Wirtschaftsbetriebe investieren jedes Jahr 300.000 Euro für den Erhalt, die Instandsetzung und in den Neubau der städtischen Spielplätze. Geteilt durch die aktuelle Einwohnerzahl entsteht der entsprechende Wert. In dem Fall 61 Cent.

Sind in dem Bereich auch Einnahmen zu verzeichnen, so sind diese bereits mit einkalkuliert. Ein Beispiel: Die Betriebs- und Personalkosten für die städtischen Hallen- und Schwimmbäder liegen bei rund 10,2 Millionen Euro im Jahr. Duisburg-Sport nimmt aber rund 2,4 Millionen Euro an Entgelte und Eintrittspreise ein. Die tatsächlichen Ausgaben liegen daher bei rund 7,8 Millionen Euro. Für jeden Duisburger bedeutet das einen Anteil von 15,98 Euro.

Ähnlich ist es bei den „Leistungen für Arbeitsuchende“ nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II), im Volksmund ist von den „Hartz IV“-Kosten die Rede. Die Ausgaben beziehen sich alleine auf den Anteil der Stadt, der Anteil des Bundes von rund 56 Mio Euro ist davon bereits abgezogen. Mit 204,90 Euro ist jeder Duisburger beteiligt.

Die Ausgaben je Bürger sind auch in dem aktuellen Entwurf des Haushalts 2013 nachzulesen. Die Stadt führt diese Kennzahl für jeden einzelnen Ausgabenbereich als „Produktkosten je Einwohner“ auf.

25,97 Euro zahlt jeder Duisburger für das Angebot der Stadtbibliothek mit ihren rund 600.000 Medien, die zuletzt von den 36.000 Nutzern rund zwei Millionen mal ausgeliehen wurden.

73,55 Euro zahlt jeder Bürger für die Unterhaltung sowie den Um- und Ausbau der öffentlichen Straßen, Wege, Plätze und Brücken. Die Länge des gesamten Straßennetzes beträgt 1399 Kilometer.

16,18 Euro kosten jeden Duisburger die Straßenbeleuchtung mit rund 50.000 Laternen.

194,55 Euro steuern Einwohner für sämtliche Schulen in der Stadt bei, mit Ausnahme von Förderschulen, Berufs- und Weiterbildungskollegs. Davon gehen 74,66 Euro in den Betrieb der 81 Grundschulen.

1,24 Euro zahlt jeder Bürger für die Integrationsarbeit der Stadt. Ziel ist ein besseres Zusammenleben, eine bessere Verständigung, ein respektvollerer Umgang sowie die „Schaffung einer Verständnis- und Verstehenskultur“. Im Jahr 2011 erfasste die Stadt dazu knapp 9000 Projekte.

0,85 Euro steuert jeder Einwohner zur Gleichstellung der Geschlechter in der Stadtverwaltung Duisburg bei. Dazu gehören Beratungen, Stellungnahmen, Arbeitskreise und Öffentlichkeitsarbeit. Ziel ist die Erhöhung des Frauenanteils in allen Berufsfeldern, Entgelt- und Gehaltsgruppen sowie in Führungspositionen.

2,11 Euro zahlt jeder Einwohner für die Einsätze der Notärzte, die bei Unfallpatienten lebensrettende Maßnahmen am Notfallort durchführen. Der Rettungsdienst schlägt mit 8,21 Euro zu Buche, der Krankentransport mit 2,79 Euro.

2,74 Euro bringt jeder Einwohner für städtische Repräsentationsveranstaltungen auf, also die Pflege der acht Städtepartnerschaften mit 60 Austauschen sowie für die kalkulierten 7100 Ehe- und Altersjubiläen sowie sonstige Ehrungen.

3,94 Euro kostet jeden Einwohner das Call-Center der Stadt Duisburg, das als erste Anlaufstelle alle Fragen zu Dienstleistungen der Stadt beantwortet.

46,93 Euro zahlt jeder Einwohner für die reine Brandbekämpfung durch die Feuerwehr. Dazu zählen Personal, Fahrzeuge und Gerät, jedoch nicht die Rettung von Menschen und Tieren aus Notlagen oder Einsätze bei Naturkatastrophen. Das kostet jeden Einwohner zusätzlich 45,52 Euro.

6,39 Euro kostet jeden Bürger das Straßenverkehrsamt, das im Jahr rund 15.000 Führerscheine ausstellt, 65.000 Autos an- und 52.000 abmeldet, 52.000 Wunschkennzeichen berücksichtigt und rund 6000 Genehmigungen für Großraum- und Schwertransporte erteilt.

4,90 Euro kostet jeden Einwohner die Nachwuchsgewinnung für das städtische Personal. Darunter fallen Werbemaßnahmen und Auswahlverfahren für Nachwuchskräfte, um qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen.

11,77 Euro bezahlen Bürger für die Stadtbahn-Anlagen. Darunter fällt der Betrieb, Unterhaltung, Neubau und Nachrüstung.

0,16 Euro zahlen Einwohner für Hygieneüberprüfungen in Heimen und ähnlichen Einrichtungen. Dazu zählt auch die Überprüfung von Massagepraxen, Kosmetikstudios, Friseurbetrieben, Piercing- und Tätowierstudios.

3,60 Euro zahlen Bürger für das Stadtarchiv, das historische „Gedächtnis“ der Stadt. Die Bestände gehen bis ins 8. Jahrhundert zurück.

20,46 Euro kosten jeden Bürger die Duisburger Philharmoniker. Sie sind seit 1956 das Orchester der Deutschen Oper am Rhein und wirken bei 100 Vorstellungen pro Spielzeit mit, dazu geben sie 24 Konzerte pro Saison sowie 45 Kammerkonzerte.

6,69 Euro zahlt jeder Einwohner für die Volkshochschule, die neben den unzähligen Kursen auch Teilnehmer auf national und international anerkannte Abschlüsse vorbereitet und regionales Prüfungszentrum ist.

1,54 Euro zahlt jeder Einwohner für die Abteilung Bürgerengagement, die sich um Beschwerden und freiwilliges Engagement kümmert.

5,06 Euro zahlt übrigens jeder Einwohner für die Aufstellung und das Controlling des Haushaltsplans sowie des Jahresabschlusses. Letzterer kam für das Jahr 2011 mit deutlicher Verspätung - um exakt 213 Tage, wie im Haushalt nachzulesen ist.

Ingo Blazejewski und Oliver Kadenge

Kommentare
28.01.2013
14:15
Wofür die Stadt Duisburg die Steuergelder ihrer Bürger ausgibt
von trickflyer | #17

der grösste posten fehlt.das geld,das von unfähigen stadtbediensteten verblasen wird.mir fällt da spontan der rostquader und die mercatorhalle ein.

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2013-01-26 14:00
Duisburg, Stadt, Steuern, Bürger, Zahlen, Euro, Preise
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