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Untermeiderich - Rundgang durch zwei Sechstel Meiderich

16.01.2011 | 11:00 Uhr
Ruhige Wohnstraßen sind in Untermeiderich gar nicht so selten. Foto: Lars Fröhlich

Duisburg. Die Industrie rundherumum prägte einst den Stadtteil Untermeiderich. In den letzten Jahren ist zur Abgrenzung ein begrünter Schallschutzgürtel entstanden, der zum Spaziergang einlädt. Nur der Lkw-Verkehr stört stellenweise.

Fast wie Caesars Gallien: Auch Meiderich besteht aus drei Teilen. Aber zumindest die Untermeidericher gönnen sich noch einen weiteren feinen Unterschied. Nämlich den zwischen den Stadtteil-Teilen Berg und Gartsträuch-- gut, wenn man einen Untermeiderich-Experten wie Uwe Hebisch an seiner Seite hat. Den treffe ich am Spichernplatz, der gerahmt ist von einigen Geschäften, Gaststätten, der Sparkasse. Ein ähnliches Bild auf der Horststraße, eine stattliche Traditionsgaststätte fällt auf, ein Fahrradhändler.

„Viele gediegene Geschäfte haben aufgegeben“, berichtet Hebisch. Und von dem starken Lkw-Verkehr, unter dem „die Wohnkultur leidet“ und von einem Gemeindepapier, in dem Untermeiderich als „sozialer Brennpunkt“ bezeichnet wurde: „Da waren viele peinlich berührt."

Untermeiderich in 60 Sekunden
10.253 Einwohner

Untermeiderich gehört zum Stadtbezirk Meiderich-Beeck und hat nach amtlichen Angaben 10?253 Einwohner. Davon sind 5150 Frauen und 5103 Männer. Der Ausländeranteil liegt bei 15,1 Prozent.

 

Zu den Unternehmen, die Stadtteil und Menschen prägten, gehört die Zeche Westende. Von dort wurde nach dem Zweiten Weltkrieg Kohle unter dem Duisburger Hafen abgebaut, um ihn planmäßig abzusenken und zu verhindern, dass die Hafenbecken trocken fallen.

 

Stadtteilexperte Uwe Hebisch: „Das hat damals bergmännisch auf der ganzen Welt für Aufsehen gesorgt.“ 1968 beschloss die Friedrich Thyssen Bergbau-AG das Aus für die Zeche, deren Geschichte 1855 mit britischen Betreibern begann.

Wir gehen vorbei an der früheren Post, die längst zu Wohnungen umgebaut ist, blicken auf aktive Unternehmen an der Grenze zu Beeck und auf eine alte Sinteranlage. „Untermeiderich ist eingeschlossen von Industrie“, sagt Hebisch. In den letzten Jahren sei zur Abgrenzung aber ein begrünter Schallschutzgürtel entstanden: „Das hat man sehr schön gemacht.“ Das Spazierrevier mit seinen Wiesen und Hügeln werde sehr gut angenommen.

Die Zeche Westende, die Phoenix-Hütte (später Thyssen, jetzt Mittal) haben Untermeiderich geprägt. Viele Häuser spiegeln früheren Wohlstand, aber an vielen hat auch der Zahn der Zeit genagt. Oder die Fassaden-Verkleidungsmoden der 60er und 70er Jahre. Aber auf die Menschen lässt Hebisch nichts kommen: „Die Untermeidericher sind sehr offen. Man kann hier schnell zu Hause sein. Ich kenn und liebe die Menschen hier.“

Auf der Bergstraße gehen wir zwischen gediegenen Wohnhäusern am alten Pfarrzentrum vorbei. Es steht leer wie viele kirchliche Gebäude. Hebisch ist eng verbunden mit dem Gemeindeleben, berichtet von einer Reinigungsaktion an der evangelischen Kirche vor einigen Jahren: „Das Geld hat nur für den Turm gereicht, das Kirchenschiff ist noch hüttenschwarz.“

Duisburgs Stadtteile III

Dafür ist die Warteliste für den Kindergarten nebenan ellenlang, das Engagement der Mitarbeiter riesengroß, werden nicht nur Kinder betreut, sondern auch Eltern, etwa durch Sprachunterricht.

Weiter geht’s in die Metzer Straße mit ihren teils prächtigen Altbauten. „Hier ist von Brennpunkt nichts zu spüren“, stellt Hebisch richtig. Aufwendige Fassadenspielereien sind zu sehen und viel frische Farbe: „Das lohnt sich, es wird heutzutage nicht mehr so schnell schwarz.“

Die Mühlenstraße bildet die Grenze zwischen Berg und Gartsträuch, die Bebauung ist überwiegend nur noch zweigeschossig. Zwischen den Häusern ausgedehntes Grün. Brennpunkt ist anders. Hebisch: „Das hat Qualität.“

Duisburgs Stadtteile II

Über die Neustraße erreichen wir die Malmedyer Straße, die Straßennamen verweisen aufs deutsch-französisch-belgische Grenzgebiet. Eine Lücke zwischen zweistöckigen Backsteinreihenhäusern gibt den Blick frei auf einen Spielplatz, der Untermeiderich zum Pflichtziel für Spielplatzplaner machen sollte. Keine Einheitsgeräte, keine Spuren von Verwahrlosung – begonnen hat’s mit der Eigen-Initiative der Anwohner, dann war auch die Stadt dabei, berichtet Hebisch.

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„Ich bin begeistert von diesem Stadtteil“, schwärmt Hebisch, weiß aber auch um Schwachpunkte. Die Grundversorgung sei vom Einzelhandel sichergestellt, aber darüber hinaus lasse das Angebot im direkten Umfeld schon zu wünschen übrig.

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Wir passieren die „Herwarthklause“ an der Herwarthstraße, die mit einer Besonderheit aufwarten kann: Sie hat noch einen Schalter für den Außerhausverkauf, der aber wohl nicht mehr in Betrieb ist. War auch zu kalt bei unserem Rundgang für ein Pils auf der Straße.

Duisburgs Stadtteile I
Bilder aus 114 Jahren Stadtgeschichte in...
Duisburgs Stadtteile IV

Am Nombericher Platz endet unser Rundgang unter hohen Bäumen, in der Nähe die Anlage des Kleingartenvereins Meiderich-Nord, am Platz eine Flachbau-Kirche, umgenutzt für das Diakonie-Projekt „Arbeiten und Lernen“. Daneben ein Neubaugebiet, selten in Untermeiderich.

 

Willi Mohrs



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