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Duisburger Familie kämpft um Rollstuhl für ALS-kranke Mutter

27.12.2012 | 19:04 Uhr
Duisburger Familie kämpft um Rollstuhl für ALS-kranke Mutter
Jasmin Bensberg (l.) und Vanessa Böhme beklagen die Schwerfälligkeit der Krankenversicherung ihrer Mutter Elke Lücke. Es geht um einen elektrischen Rollstuhl.Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.  Elke Lüke ist innerhalb weniger Wochen zum Pflegefall geworden. Die 59-Jährige aus Duisburg-Buchholz leidet an der Nervenkrankheit ALS. Ihre Familie kämpft bei der Krankenkasse um einen elektrischen Rollstuhl, den der Arzt auch für notwendig erachtet.

Die Diagnose kam im Februar 2012. Mittlerweile kann Elke Lücke noch nicht einmal mehr sprechen, geschweige denn laufen und alleine essen. Die Krankheit verläuft rasend schnell. Innerhalb weniger Wochen wurde die 59-Jährige zum Pflegefall.

Die einst sehr selbstständige Frau ist an ALS erkrankt, einer Nervenkrankheit. Was sich anfangs wie schwerfällige, leicht wegknickende Beine anfühlte, hat sich als eine Krankheit erwiesen, die binnen weniger Jahre den Verlust sämtlicher Muskelfunktionen zur Folge hat. „Und das bei vollem Bewusstsein“, sagt Tochter Jasmin Bensberg. „Unsere Mutter bekommt also alles mit.“

Jasmin Bensberg (35) und ihre Schwester Vanessa Böhme (34) plagen gleich zwei Sorgen. Nicht nur, dass sie sich mit dem unaufhaltsamen Verfall ihrer Mutter abfinden müssen. Sie kämpfen bislang auch vergeblich dafür, die schwer Erkrankte wenigstens mit dem wichtigsten Hilfsmittel, einem elektrischen Rollstuhl, auszustatten. Das hat ihre Krankenkasse bislang verweigert.

Von Pflegestufe 1 nach Pflegestufe 3

Die Krankenkasse IKK will vorerst zu dem Fall aus Datenschutzgründen nicht öffentlich Stellung beziehen. Der Redaktion liegt aber ein ablehnender Bescheid vor. Demnach sieht die Kasse „keine medizinische Notwendigkeit“.

„Offenbar ist man bei der Krankenkasse über den schnellen Verlauf von ALS nicht informiert“, sagt Tochter Vanessa. Denn mittlerweile geht es nicht mehr ums Aufrichten im Rollstuhl, sondern um Teilhabe am Leben außerhalb des Pflegebetts überhaupt. Es geht um eine so genannte Kopfsteuerung. Damit könnte Lücke, die ja klar bei Verstand ist, die so wichtige Notruf-Taste in ih­rem Zimmer bedienen. „Sie muss ja, selbst wenn ihr die Nase kitzelt, jemanden rufen“, sagen die Töchter. Sie könnte damit auch den Rollstuhl steuern, das Telefon bedienen und auch den Fernseher. Seit Oktober gilt für Elke Lücke, die im Pflegezentrum am Altenbrucher Damm wohnt, die höchste Pflegestufe.

Familie legte Widerspruch gegen Ablehnung ein - Antrag noch nicht abgearbeitet

Ihr Hausarzt hatte im August den elektrischen Rollstuhl mit zusätzlicher Aufricht-Funktion verordnet. Es dauerte bis Anfang November, ehe von der zuständigen Fachstelle in München die Ablehnung kam. Begründung: Frei stehen könne die Versicherte auch an einem Geländer oder mit Hilfe von Pflegepersonal.

Noch hat die Kasse den Widerspruch gegen Ablehnung der ersten Antrages nicht abgearbeitet, klagen die Geschwister. Pflegestufe 3 sei dagegen ganz schnell bewilligt worden. Die Schwestern: „Können wir einfach nur zusehen?“

Martin Kleinwächter



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