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Loveparade

Soziophysiker hält „Massenpanik“ nicht für Ursache der Loveparade-Katastrophe

28.06.2012 | 10:56 Uhr
Soziophysiker hält „Massenpanik“ nicht für Ursache der Loveparade-Katastrophe
Professor Dirk Helbing hat Daten- und Videomaterial zur Loveparade-Katastrophe analysiert. Er spricht von „Massenbeben“ statt einer „Massenpanik“. Die Masse aber, so der Soziophysiker, treffe keine Schuld.Foto: Peter Malzbender / WAZ FotoPool

Duisburg.   Der Soziophysiker Professor Dirk Helbing hält den Begriff „Massenpanik“ im Zusammenhang mit dem Loveparade-Katastrophe für irreführend. Seiner Studie zufolge war die Ursache „keine wild gewordene Menschenmenge“, sondern die zu große Dichte von Menschen.

Im Zusammenhang mit dem Unglück der Loveparade, bei dem am 24. Juli 2010 an der Karl-Lehr-Straße 21 Menschen starben, Hunderte verletzt und viele traumatisiert wurden, ist bis heute meist von Massenpanik die Rede. Professor Dirk Helbing hält das für den falschen Begriff. In einer Studie hat der Soziophysiker das öffentlich zugängliche Daten- und Videomaterial analysiert und kommt zu einem anderen Fazit: Die Tragödie geht nicht auf eine Massenpanik zurück, sondern auf ein Phänomen, das Helbing als „Massenbeben“ bezeichnet.

Der 37-jährige Helbing, der seit 2007 Professor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich ist, hat insbesondere auf Material in einschlägigen Internet-Plattformen zurückgegriffen und zahlreiche Amateuraufnahmen chronologisch geordnet. „In den Filmen sieht man, dass die Ursache der Katastrophe keine wild gewordene Menschenmenge war“, so Helbing. Die meisten Menschen hätten insgesamt vernünftig gehandelt, als sie versuchten, einen Weg aus dem Gedränge zu finden.

Dichte führte zu Dominoeffekt

Professor Dirk Helbing aus Zürich.

Die Ursache, so Helbing, sei schlicht die zu große Dichte von Menschen im Eingangsbereich des Festival-Geländes gewesen. Wenn immer mehr Menschen auf einen begrenzten Raum strömen, berühren sich ihre Körper, kommt es zu unbeabsichtigten Bewegungen, die sich wie eine Welle fortsetzen. Stolpert jemand, kann es zu einem Dominoeffekt kommen: Menschen fallen übereinander. „In den Videos sieht man, dass der ganze untere Bereich der Eingangsrampe davon betroffen war“, so Helbing. Panisch rücksichtsloses Verhalten habe es nur von wenigen gegeben - und erst in der allerletzten Phase.

Keith Still
Ermittler warten noch immer auf das Gutachten

Knapp zwei Jahre nach der Tragödie wartet die Staatsanwaltschaft Duisburg immer noch auf das abschließende Gutachten des britischen Wissenschaftlers Keith Still . Ein Termin sei noch nicht avisiert, so die knappe Auskunft der Behörde.

Fälle von Massenpanik seien sehr selten, so Helbing. Eines der bekanntesten Ereignisse sei die Stampede von Bagdad, bei der 2005 eine Pilgerprozession aufgrund eines Gerüchts über ein Bombenattentat in Panik geriet. Helbing gehörte zu einer Expertengruppe, die das Unglück analysierte und an einem Sicherheitskonzept mitwirkte.

„Das Problem mit dem Begriff Massenpanik ist, dass damit der Masse eine Mitschuld übertragen wird“, glaubt Helbing. Das erschwere, „dass aus den Ereignissen die erforderlichen Lehren gezogen werden, welche die Sicherheit künftiger Massenveranstaltungen erhöhen“. In Duisburg hätten organisatorische Probleme zum Gedränge geführt, Maßnahmen zur Bewältigung der Situation nicht zuletzt aufgrund von Kommunikationsproblemen nicht gegriffen.

Spezialseiten
Loveparade-Katastrophe

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Seine Studie, so der Wissenschaftler, habe er ohne öffentlichen Auftrag unternommen. „Ich wollte einen Beitrag zur Aufklärung leisten“, so Helbing, der seit 20 Jahren Menschenmengen erforscht und führender Experte auf dem Gebiet ist. „So etwas darf nie wieder passieren.“

Massenpanik an der Rampe zur Loveparade

Bodo Malsch

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Kommentare
10.07.2012
00:05
Soziophysiker hält „Massenpanik“ nicht für Ursache der Loveparade-Katastrophe
von Hugo60 | #13

Die Fluchtwege waren derart breit genug, dass der Unglücksort innerhalb von Minuten (!!!) von den Menschnemassen geräumt werden konnte.

Das passt allerdings nicht in das ideologische Dogma.

Die Massenpanik gab es natürlich. Nämlich an besagter Treppe.

Hätte es den Treppenaufgang nicht gegeben, wäre es auch nicht zu den Toiten gekommen.



.


1 Antwort
Soziophysiker hält „Massenpanik“ nicht für Ursache der Loveparade-Katastrophe
von Sentinel | #13-1

Es ist erstaunlich wenn man sich schon im ersten Absatz widerspricht. Ein Einlass kann auch als Entfluchtung gesehen werden wenn vor dem Einlass eine Situation entsteht die Leib & Leben von Menschen in Gefahr bringt. Floats stoppen, Einlass komplett öffnen & die Menschen in den Inneraum abfließen lassen. Nennt man FLUCHTWEG!!! Funktionierende Fluchtwege beinnhalten auch die Möglichkeit für Rettungskräfte entgegen der Flüchtenden zu verunfalten- & verletzen Menschen vordringen zu können. WAR NICHT MÖGLICH!! Der Tunnel war auf seinen pro Std. Durchfluss an Personen berechnet, solche Berechnungen machen nur Sinn wenn sich daran gehalten wird denn auch darauf ruhen die Berechnungen für Flucht- & Rettungswege. Panik oder nicht, die Toten mahnen die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen & hier liegt die Schuld beim Veranstalter, der Stadt & dem Ordnungsamt. Polizei, Feuerwehr & Rettungswesen können nur Vorschläge machen aber auf die Erfahrungswerte hat man dankend verzichtet.

09.07.2012
23:59
Soziophysiker hält „Massenpanik“ nicht für Ursache der Loveparade-Katastrophe
von Hugo60 | #12

@Sentinel
Dann möchte ich nicht wissen, wie Sie die Verantwortlichen in Bochum, Dortmund, Düsseldorf oder Köln bezeichnen wollen, denn dort ist der Hang zur Selbstdarstellung größer als im Großdorf Duisburg.
Im Gegenteil: wären Sauerland und Rabe "Sonnenkönige" hätte sie keinen Job im provinziellen Duisburg angenommen.

Die Loveparade war eine Veranstaltung im Rahmen einer geplante "Serie": Essen, Dortmund, Bochum, Duisburg, Gelsenkirchen.
Nicht mehr und auch nicht viel weniger.

In die Loveparade-Falle wäre jeder Oberbürgermeister getappt, ob SPD oder CDU.

Selbstgerecht sind eher Leute wie Sie, Herr Sentinel......Sie sind auch nicht besser!


30.06.2012
22:17
Soziophysiker hält „Massenpanik“ nicht für Ursache der Loveparade-Katastrophe
von Sentinel | #11

Menschen wie Sauerland, Rabe, Schaller bezeichnete man früher als "Sonnenkönige". Die Sucht nach Selbstdarstellung, Befriedigung des krankhaften Egos, die Suche nach den Medien, überdurchschnittlich ausgeprägte Selbstherrlichkeit, Selbstgerechtigkeit und Überschätzung der eigenen Person, dem Wahn alles besser zu wissen wofür Experten Jahre an Ausbildung / Studium & Berufserfahrung benötigen. Das Ergebnis; 21 Tote, über 500 Verletzte, zum Teil schwer und Langzeittraumatisierte. Was machen die Herrn Verantwortlichen, gehen zur Tagesordnung über, sitzen im Ruhe- Vorruhestand, genießen das Leben, nehmen ihre Liebsten in die Arme, genießen Urlaube und die Hinterbliebenen der Opfer gehen zu den Gräbern, vermissen ihre Liebsten, fragen nach dem Sinn jeden neuen Tages, feiern keine Geburtstage mehr und weinen viel. Kurz um, wer ohne Gewissen durchs Leben geht der kann Gefühlskalt seinen Ruhestand genießen. Alles Heuchler!!! Duisburg deine Führung, Duisburg deine Toten!!

30.06.2012
15:37
Soziophysiker hält „Massenpanik“ nicht für Ursache der Loveparade-Katastrophe
von jojo2008 | #10

In diesem Zusammenhang kommt wieder ein anderer Beteiligter "ins Gespräch": Baudezernent Dreßler. Dieser hatte zunächst den Bauantrag für das Loveparadegelände nicht unterschrieben, weil die Fluchtwege zu eng seien. Damals umfaßte das Gelände auch den Tunnel. - Dann kam mann auf die "geniale" Idee, den Tunnel aus der Bauantrag herauszunehmen und nun meinte Herr Dreßler unterschreiben lassen zu können, weil auf "seinem" Gelände die Fluchtwege angeblich stimmten, was unsinnig ist, wenn einem genügend breiten Tor ein Nadelöhr folgt. Nun stellt sich heraus, daß noch nichteinmal die Breite des Ausgangs stimmte. Herr Staatsanwalt, übernehmen Sie. -
Harald Jochums / Archetekt

1 Antwort
"Dann kam mann auf die "geniale" Idee, den Tunnel aus der Bauantrag herauszunehmen..."
von JanundPitt | #10-1

Interessant ist, WER diese "geniale" Idee hatte und von wem sie umgesetzt wurde. Freiwillig? Unter gefühltem Sachzwang? Unter politischem Druck? Um den eigenen A***h zu retten? Ich hoffe, die Staatsanwaltschaft klärt diese und alle anderen offenen Fragen und gibt uns Antworten. Nicht 2014, nicht 2013, sondern zügig.

30.06.2012
12:21
Soziophysiker hält „Massenpanik“ nicht für Ursache der Loveparade-Katastrophe
von b.scheuert | #9

Die Fakten liegen seit langem auf dem Tisch. Wortklaubereien sind unnötig. Die Veranstaltung war grob fahrlässig geplant und durchgeführt. Veranstalter, die Duisburger Verwaltung und die Polizei haben ein Desaster angerichtet. Da die Deutsche Justiz aber dem Innenministerium unterstellt ist, wird die Sache im Sande verlaufen. Ich fühle mit den Verletzten und Angehörigen der Toten und sehe fassungslos zu, wie wenig ein Menschenleben zählt. Ich werde jedenfalls diese Katastrophe vor der eigenen Haustür niemals vergessen und wünschte mir jeden Tag Berichte darüber, gegen das Vergessen.

29.06.2012
11:53
Soziophysiker hält „Massenpanik“ nicht für Ursache der Loveparade-Katastrophe
von kikimurks | #8

Hurrah! Wir haben etwas Neues erfahren! Wir haben die ganze Zeit den falschen Namen benutzt! Diese Studie war wirklich nötig. Wo kämen wir denn hin, wenn etwas mit dem falschen Namen bezeichnet wird.

Genug geärgert! Anstelle zur Aufklärung beizutragen, wurde nur wieder gegeben, was schon seit fast zwei Jahren bekannt ist. Das nenne ich: Sommerloch füllen.

29.06.2012
10:41
Soziophysiker hält „Massenpanik“ nicht für Ursache der Loveparade-Katastrophe
von Harry.Hirsch | #7

Stimmt, eine leichte Panik kam erst auf, als die ersten Toten zu sehen waren. Allenfalls die Schreie um Hilfe waren Panisch, nicht aber das Handeln der Menschen. Wenn es auf eine LP ging war man in der Regel so gepuscht, das man garnicht panisch werden konnte. Das schließt sich gegenseitig aus. Jeder der mal da war, weiß wovon ich spreche.

Man benötigt nur einen Beweis. Das ist das Titelfoto. Man muss es sich nur ansehen.

@6: Jepp, stimmt genau!

28.06.2012
17:11
Soziophysiker hält „Massenpanik“ nicht für Ursache der Loveparade-Katastrophe
von Sentinel | #6

-500 Ordner & Sicherheitskräfte sind nicht zum Dienst erschienen
-Ordner haben Einlasskontrolle gemacht (VERBOTEN)
-Lautsprecherleitsystem war nicht vorhanden (war Vorgabe laut Sicherheitkonzept!!)
-Zulässiger Durchfluss in der Std. wurde überschritten (Fahrlässig!!)
-Rettungsweg war nicht vorhanden (Fahrlässig!!)
-Tore / Durchgänge wurden nicht geöffnet (Fahrlässig!!)
-Überprüfung der Sicherheitsvorgaben durch das O-Amt vor Beginn der VA wurde unterlassen (Vorsatz!!)
-Defiziete im Sicherheitskonzept waren vor der VA dem O-Amt bekannt, Absage hätte erfolgen müssen (Unterlassung & Vorsatz!!)
-Sicherheitspersonal wurde vom O-Amt nicht auf Zulässigkeit & Qualifikation überprüft (Unterlassung & Vorsatz)
-dem O-Amt war bekannt, das vom Veranstalter Sicherheitsfirmen benannt wurden die nie einen Auftrag erhalten haben (Vorsatz!!)
Noch Fragen bezüglich Schuld & Schuldiger??

3 Antworten
Soziophysiker hält „Massenpanik“ nicht für Ursache der Loveparade-Katastrophe
von Harry.Hirsch | #6-1

Weißt du was: Ich mach das demnächst auch so. Ich mach alles falsch was man nur falsch machen kann. Dann kann hinterher keiner mehr sagen, woran es wirklich und letztendlich gelegen hat. Dann sind zwar alle schuld, aber keiner wird belangt.

Wetten das es so ausgeht?

Soziophysiker hält „Massenpanik“ nicht für Ursache der Loveparade-Katastrophe
von kikimurks | #6-2

Sie haben noch vergessen,

- Polizei sperrt die Rampe und öffnet den Zufluss entgegen dem Sicherheitskonzept
- Polizei engt die Rampe durch Einsatzfahrzeuge ein

Wenn schon, denn schon. Auch wenn es vielen nicht passt, Jägers Truppe hatte schon einen ordentlichen Anteil an der Katastrophe. Aber die Duisburger sind gerne mal auf dem SPD Auge blind.

Soziophysiker hält „Massenpanik“ nicht für Ursache der Loveparade-Katastrophe
von Sentinel | #6-3

Die Frage die sich stellt, ab wann ist der Einsatz der Polizei innerhalb der Veranstaltung nötig gewesen? Innerhalb des Veranstaltungsgelände trägt der Veranstalter/Organisator und wenn vorhanden, der Sicherheitsdienstleister die Verantwortung.Ist das gleiche System wie zuhause, wenn ich die Polizei nicht rufe und nicht rein bitte müssen die draußen bleiben außer es besteht Gefahr für Leib und Leben. Die haben das Hausrecht inne und sind Entscheidungsträger. Ich bin auch auf keinem Auge SPD blind denn ich bin parteilos. Das Konzept von Schaller, Lopavent und dem Ordnugsamt der Stadt Duisburg war nicht einmal das Papier wert auf dem es niedergeschrieben wurde. Ich würde es so gerne mal sehen und mir mein eigenes Bild machen.

28.06.2012
16:58
Soziophysiker hält „Massenpanik“ nicht für Ursache der Loveparade-Katastrophe
von Sentinel | #5

Danke Herr Professor Helbing denn mit Ihrem Ergebnis dürfte klar sein wo die Schuldigen zu suchen sind & zwar im Derzenat für Sicherheit & Recht - beim Ordnungsamt - bei den Privaten Sicherheitsdienstleistern!!! Die Verantwortung im inneren Bereich einer Va oblliegt den Sicherheitskräften, die Genehmigung für die Durchführung beim Ordnungsamt & genau da sind die Schuldigen zu suchen. Amtshaftung nennt man das Herr W. Rabe, mal Abgesehen von der vorsätzlichen Handlung die LoPa trotz des Wissens auf massive Sicherheitsmängel nicht abzusagen.Das wird am Ende eng in den Strafverfahren aber wer so arbeitet, der hat es nicht anders verdient. Für die Befriedung ein paar Medienmomente zu bekommen hat Herr Rabe es in seinem Ego in Kauf genommen, das Menschen sterben & verletzt werden.

28.06.2012
16:08
Soziophysiker hält „Massenpanik“ nicht für Ursache der Loveparade-Katastrophe
von akaz | #4

Gott sei Dank, es war keine Massenpanik sondern nur ein Massenbeben. Allein auf so ein Wort zu kommen, qualifiziert den Professor ja ungemein.
Soll Massenbeben als etwas Unvorhergesehenes dargestellt werden, sodass niemanden eine Schuld trifft, dann hat er sich bei der Stadt samt untätigem Rat und untätiger Opposition mit einem noch untätigeren Chef der damaligen größten Oppositionspartei so richtig Freund gemacht.
So wird die ganze Sache ausgehen. Es werden Worthülsen kreiert, die möglichst vollkommen unverständlich sind, die in keinem Wörterbuch erscheinen, bei denen sich sogar Wicki sträubt, eine Erklärung abzugeben.

1 Antwort
#4 akaz
von taosnm | #4-1

"In Duisburg hätten organisatorische Probleme zum Gedränge geführt, Maßnahmen zur Bewältigung der Situation nicht zuletzt aufgrund von Kommunikationsproblemen nicht gegriffen." Diese Aussage des Prof. Helbig hört sich für mich sehr kritisch an, wobei es dann gleichgültig ist, ob man das Phänomen Massenpanik oder Massenbeben nennt. Jedenfalls klingt das Resumee nicht nach Entlastung für die Verantwortichen, sondern eher als grosse Belastung.

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