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Bürger-Schützen-Verein

Alte Chronik des Schützenvereins in Duisburg-Hamborn entziffert

23.05.2012 | 15:12 Uhr
Alte Chronik des Schützenvereins in Duisburg-Hamborn entziffert
. Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool

Duisburg-Hamborn. Fast ein Viertel Jahrhundert hat es gedauert, bis das Ende der 1970er Jahre zufällig wiederentdeckte, handschriftlich verfasste Protokollbuch des Hamborner Bürgerschützenvereins von 1837 „entziffert“ wurde. Noch in diesem Jahr – der BSV feiert sein 175-jähriges Bestehen – soll die Abschrift in gebundener Form erscheinen.

Rund 800 Seiten hatte das von Andreae & Co in Ruhrort hergestellte Buch ursprünglich. In Sütterlin und lateinischer Schrift wurden Sitzungsergebnisse, Erinnerungen an Ausflüge und Schützenfeste, aber auch die Namen der Mitglieder (unter anderem taucht August Grillo dort auf) und die der Königspaare aufgeführt. Verbunden mit mancher Anekdote, die heute schmunzeln lässt.

Zwei Beispiele, das erste schildert ein Schützenfest, das zweite eine Situation während einer Dampferfahrt nach Rees: „Morgens gegen halb zehn kamen die Schützenbrüder so langsam einer nach dem anderen heran. Der eine hatte dicke Augen, der andere rote, der andre fühlte sich nach dem Kopf, der brummte immer noch. Der Vierte hatte all wieder Durst.“

„Pünktlich um sieben Uhr morgens fand sich der größte Teil unserer Mitglieder nebst Angehörigen auf dem Altmarkt ein, um die dort bereitstehenden Straßenbahnwagen zu besteigen, welche uns zum Alsumer Anlegeplatz bringen sollte [...] Da das Wetter an diesem Tag ausnahmsweise sehr gut war, verlief die Fahrt herrlich. Die nun einmal eingesetzte Stimmung steigerte sich immer mehr, was wohl darauf zurückzuführen war, dass an Bord eine besonders gute und billige Restauration vorhanden war.“

Hintergrund
Der Bürger-Schützen-Verein Hamborn 1837

Der 1837 gegründete Hamborner Bürger-Schützen-Verein zählt heute 286 Mitglieder, davon sind 59 Frauen. Nur in den 1980-er Jahren gab es geringfügig mehr Schützen in diesem Verein.

Manfred Küpper führt den starken Zulauf auf die Tatsachen zurück, dass der Verein zum einen stark im Ort verwurzelt sei und zum anderen ein umfangreiches und anspruchsvolles Angebot auch für Jugendliche anbiete.

Im Jubiläumsjahr wird es kein Königsschießen geben – das steht erst im kommenden Jahr an. Dieses Mal wird auf einen großen Holzvogel geschossen, und zwar am zweiten Tag der Jubiläumsfeier (10. Juni). Es gibt also nur einen Tagessieger.

Aktueller König ist Bernd Erbe, als seine Königin wählte er Sandra Haeffs. Präsident des Geschäftsführenden Vorstands ist Rudi Bletgen, 1. Vorsitzender ist Wolfgang Neirich, sein Stellvertreter ist Hans Schweers.

Fast 200 Stunden lang haben mehrere Schützenbrüder die alten Schriften entziffert. Überrascht waren sie, als sie im Jahr 1934 ankamen: Dort endete die Chronik abrupt. Rund 200 Seiten sind herausgetrennt worden. BSV-Sprecher Hermann Eschenbruch kann nur mutmaßen, was dahinter steckt: Berichte aus der „braunen Zeit“, die wohl nicht mehr ans Tageslicht kommen sollen.

Ursprünglich war geplant, das neue Buch in 200-er Auflage rechtzeitig zum Jubiläumsfest Anfang Juni auf den Markt zu bringen. „Das schaffen wir aber einfach nicht mehr“, sagen Eschenbruch und Manfred Küpper, stellvertretender Geschäftsführer des BSV. Zumal Sponsoren fehlen. Denn die Vereinskasse gibt es nicht her, einen solchen „Wälzer“ zu finanzieren. Wichtiger ist jetzt erst einmal die Fertigstellung der Festschrift.

Wer den Druck des Schützenbuches mitfinanzieren möchte, kann sich an Hermann Eschenbruch wenden, 55 05 25.

Gregor Herberhold

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