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OB-Neuwahl

Hohe Erwartungen an Nachfolger von OB Sauerland in Duisburg

17.02.2012 | 07:00 Uhr
Bereitet ein „Manifest für Duisburg vor“: Josef Krings - hier am Abend des Bürgerentscheids mit dem Duisburger SPD-Chef Ralf Jäger.Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.  Jeden Tag wachsen die Ansprüche an den künftigen OB von Duisburg. Doch wer könnte diese Ansprüche tatsächlich erfüllen? In der kommenden Woche will ein Kreis von Persönlichkeiten um Alt-OB Josef Krings ein „Manifest“ für Duisburg vorstellen. Ein Kapitel in dem 50-seitigen Band heißt: „Oberbürgermeister können anders werden“.

Mit jedem Tag, an dem über einen neuen Oberbürgermeister und dem damit erwarteten Neuanfang diskutiert wird, wachsen die Ansprüche an den künftigen Amtsträger. Die Erwartungen klettern bereits derart in die Höhe, dass es kaum möglich erscheint, sie alle zu erfüllen. Da hört es sich eher nach Rückschritt an, wenn die Parteien gemeinsam jetzt noch ein „Anforderungsprofil“ erstellen wollen. Die SPD führt dabei Regie, sei saß am Mittwoch mit Linken und FDP am Tisch, am Freitag sind die Grünen dran. Alles läuft „auf Augenhöhe“, wie betont wird.

Es ist fraglich, wie die Parteien ihre Vorstellungen unter einen Hut bringen wollen. Denn sie selbst schrauben die Erwartungen seit dem Abwahlabend in die Höhe. Ein Kandidat müsse „für Transparenz stehen und die Bürger mitnehmen können“, sagte SPD-Vizechefin Bärbel Bas, inflationär geisterte der Begriff „überparteilich“ durchs Rathaus. Der Neu-OB müsse vereinen können, fordert der DGB, und sämtliche seit anderthalb Jahren aufgerissene Gräben zuschütten können. Zeitweise werden Kriterien wie auf einem Wochenmarkt hinausposaunt.

Ein unausgesprochenes Eingeständnis

Die Linken brachten in ihren Ansprüchen fast ihr gesamtes Parteiprogramm unter: Es dürfe keinesfalls ein Verfechter neoliberaler Politik, der Privatisierung und des Ausverkaufs öffentlicher Daseinsvorsorge sein. Derweil fordert die Wirtschaft vom künftigen OB weniger Belastungen und mehr Flächen für Unternehmen.

Neuanfang für Duisburg
Initiative „im Zweifel“ mit OB-Kandidaten
Initiative „im Zweifel“ mit OB-Kandidaten

Die Bürgerinitiative „Neuanfang für Duisburg“ begrüßt es ausdrücklich, „dass unsere Anregung“ für einen überparteilichen OB-Kandidaten aufgegriffen wurde. Zugleich kündigt die Initiative aber an, dass sie „im Zweifel eine eigene Kandidatin bzw. einen Kandidaten aufstellen“ würden, sollte ein gemeinsamer Kandidat nicht gefunden werden.

„Wir scheuen einen effektiven und kreativen Straßenwahlkampf ohne hohes Budget nicht“, heißt es in einer Presseerklärung. Die Initiative wolle sich aber „aktiv einbringen, um die entstandenen Gräben in der Stadt wieder zuzuschütten“. Und man verschließe sich „ausdrücklich nicht einem politischen Konsens.“

Es müsse aber sichergestellt werden, dass die Bedürfnisse der Duisburger Bürger wieder in den Vordergrund des politischen Handelns rücken: „Bürgerbeteiligung darf nicht eine Worthülse bleiben.“

Es lässt sich erahnen, dass der Kreis der Personen, der diese Wünsche alle bedienen kann, klein sein wird. Was die Politik derzeit in ungewohnt trauter Einigkeit suchen lässt, ist nicht ein neues Klima der Gemeinsamkeit in der Stadt, sondern schlicht ein unausgesprochenes Eingeständnis: Keine der Parteien hat offenbar einen Kandidaten in den eigenen Reihen, der stark genug ist, um ihn in dieser Phase offen nach vorne zu schieben.

So ist der SPD-Chef Ralf Jäger derzeit auch bemüht, das vermeintlich entstandene „Bild von der grandiosen, parteiunabhängigen Persönlichkeit“ ins rechte Licht zu rücken. „Ich glaube, dass sich die Erwartungen auf ein realistisches Maß hin bewegen müssen. Wir werden denjenigen, nicht finden, der mit großer Leidenschaft sowohl 70 Millionen im Jahr spart, die Verwaltung führt, repräsentiert, Gräben zuschüttet, Wunden heilt“, sagt Jäger. „Wir werden uns ganz pragmatisch nach jemandem umschauen müssen, der die grundsätzliche Eignung mitbringt. Er oder sie muss es können. Das ist das entscheidende Kriterium“.

Ein "Manifest" für Duisburg

Einigen wird das vermutlich dennoch zu wenig sein. Denn nicht nur die Politik bastelt derzeit an einem Kriterienkatalog, auch aus der Bürgerschaft werden Ansprüche an den Neu-OB gestellt. Mit der Bürgerinitiative haben die Parteien noch gar nicht gesprochen, da will auch ein anderer Kreis von Bürgern mitreden.

Video
Duisburg, 12.02.2012: Erleichterung in den meisten Gesichtern der Anwesenden, die die Abwahl von Oberbürgermeister Adolf Sauerland im Duisburger Rathaus verfolgt hatten. Ein Neuanfang für die Stadt Duisburg scheint zum Greifen nah.

In der nächsten Woche will ein Kreis von Persönlichkeiten um Alt-OB Josef Krings ein „Manifest“ für Duisburg vorstellen. Es ist weniger ein Handbuch mit klaren Anweisungen als vielmehr eine Philosophie oder Vision, wie sich auch eine Stadt in finanzieller Armut produktiv regieren lässt. Ein Kapitel in dem 50-seitigen Band heißt: „Oberbürgermeister können anders werden“. Ein „umfangreicher Impulsgeber“ soll der OB sein, der auch „in kleinen Dingen“ für Bewegung sorgen soll, mit Transparenz und im offenen Dialog mit den Bürgern, heißt es dort. Im Vergleich zu dem, was derzeit auf der Liste steht, sind das fast schon zurückhaltend formulierte Erwartungen.

Bei allen Ansprüchen an sein künftiges Wirken bleibt dem neuen OB zumindest eine Aufgabe erspart: Um das große Sparpaket muss er sich nicht kümmern. Bei seinem Amtsantritt muss der Rat längst entschieden haben, wie und wo die Stadt künftig 75 Millionen Euro weniger ausgibt.

OB Adolf Sauerland abgewählt

Ingo Blazejewski



Kommentare
17.04.2012
14:04
Hohe Erwartungen an Nachfolger von OB Sauerland in Duisburg
von Der.Parteilose | #18

Einen Neuanfang in Duisburg geht nur noch über einen überparteilichen Kandidaten!
Deshalb sollten die Duisburger einen parteilosen Kandidaten wählen!
Damit dieses Parteiengeschachehre aufhört und endlich zur Tagesordnung übergegangen wird!

17.04.2012
13:51
Hohe Erwartungen an Nachfolger von OB Sauerland in Duisburg
von Der.Parteilose | #17

Einen Neuanfang in Duisburg geht nur noch über einen überparteilichen Kandidaten!
Deshalb sollten die Duisburger einen parteilosen Kandidaten wählen!
Damit dieses Parteiengeschachehre aufhört und endlich zur Tagesordnung übergegangen wird!

20.02.2012
13:13
Hohe Erwartungen an Nachfolger von OB Sauerland in Duisburg
von Phoppe | #16

Da Rot-Rot-Grün das Sparpaket von Sauerland nicht beraten wollte, wird der neue OB automatisch der neue Buhmann Duisburgs. Hätte man das Sparpaket schon verabschiedet, hätte man es noch schön Sauerland in die Schuhe schieben können. Wer dieses Amt übernehmen will muss ein bischen bekloppt sein. Vielleicht sollte sich Herr Krings, der ja alles besser kann, aufstellen lassen.

18.02.2012
13:25
Den zweiten Schritt vor dem ersten tun.
von graphos | #15

Bevor nach einem neuen OB gesucht wird, sollte sich der Rat erst einmal sortieren. Was nutzt ein einzelner Frontkämpfer, wenn die Reihen hinter ihm nicht geschossen stehen.

1 Antwort
Hohe Erwartungen an Nachfolger von OB Sauerland in Duisburg
von Melesigenes | #15-1

Der verdammte Rat - seinerzeit einstimmig für die LoPa - sollte erst einmal geschlossen zurücktreten.
Ach, übrigens, wenn der Verfahrensbeteiligte IM Jäger tatsächlich OB wird: Gibt es eigentlich schon Pläne für eine Abwahlinitiative? Oder anders gesagt, nachdem die SPD rund 100.000 Euro in die bisherige Initiative gepumpt hat, müsste es doch eigentlich aus CDU-Kreisen noch mal den gleichen Betrag geben, um die nächste Wahl ebenfalls zu kippen. Tja, wie im alten Rom (oder im modernen Washington): Wer genug im Säckel hat, putscht sich halt an die Macht.

18.02.2012
12:40
Krings hat wirklich allen Grund, sich zurückzhalten.
von Polt | #14

Seine Amtszeit steht für Stillstand und Verfall. Anstatt das Thema Strukturwandel aktiv anzugehen hat er tatenlos zugesehen, um sich dann in klebrig-billigem Pathos mit den Opfern der Deindustrialisierung zu "solidarisieren". Und ansonsten? Den kulturellen Schöngeist gegeben und dabei die Zukunft der Stadt verspielt.

Da hat Sauerland, bei aller Kritik in Sachen LP, in seiner eher kurzen Amtszeit deutlich mehr geleistet.

18.02.2012
05:15
Duisburg backt sich Ihren neuen Oberbürgermeister....
von lackdrauf | #13

es ist alles ein Witz,was da schon wieder im Kindergarten-Rathaus passiert,
seit Ihr den Alle so unfähig? Meine Stimme ganz Klar,seit dem Morgenmargazin
Auftritt in der ARD:

THEO STEEGMANN ein Mann für DUISBURG;der hat noch..in der Hose
Helau Duisburg oder so...

18.02.2012
02:34
dongiovanni | #11
von JanundPitt | #12

Wer so einen Kommentar schreibt, kennt ihn nicht, kann ihn, seine Persönlichkeit und sein Wirken nicht beurteilen und sollte sich deshalb besser geschlossen halten.

Er hat sich nicht aus eigenem Antrieb erneut in die Öffentlichkeit begeben, sondern er wurde darum gebeten, weil Duisburg im Umgang mit den Angehörigen der Opfer und den Verletzten und Traumatisierten der LoPa einen unbelasteten Repräsentanten der Duisburger Bürger brauchte. Sauerland war aufgrund seiner Charakterschwäche dazu nicht in der Lage. J. Krings ist im Interesse der Duisburger für ihn eingesprungen - ohne das er es noch nötig gehabt hätte. Ihm gebührt dafür Dank statt abwertender Kommentare.

1 Antwort
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #12-1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

17.02.2012
22:59
Hohe Erwartungen an Nachfolger von OB Sauerland in Duisburg
von dongiovanni | #11

Ich habe Probleme mit der Selbstdarstellung des Alt OB Krings, er vergisst dass seine Ära keine gute Zeit für Duisburg war. Zusätzlich hat er durch Übergabe seines Amtes uns auch noch die Frau Zieling angedreht. Er sollte wirklich still die Früchte seiner Amtszeit genießen und froh sein, dass eine nachträgliche Abwahl nicht möglich ist.

17.02.2012
19:10
Hohe Erwartungen an Nachfolger von OB Sauerland in Duisburg
von taosnm | #10

Mir gefällt es überhaupt nicht, dass IM Jäger das Verfahren an sich reisst. Angesichts der Loveparade wäre vornehme Zurückhaltung angesagt. Dass nun auch noch mit allen Parteien getrennt diskutiert wird, mutet auch seltsam an. Warum können sich nicht alle gemeinsam an einen Tisch setzen und diskutieren, übrigens einschliesslich der CDU? Sie hat zwar ein miserables Bild angegeben, dennoch wurde sie von vielen Bürgern gewählt, und diesen Bürgern ist man Respekt schuldig. Duisburg will und braucht einen Neuanfang und nicht die alte Kungelei.

Obwohl, ja, vielleicht oder so muss ich darüber noch einmal nachdenken, denn Mme. Merkel hat ja heute auch ausdrücklich die Willensbekundung der Linken abgelehnt. Eine gute Kanzlerin hätte auch Respekt vor Linken-Wählern, doch sie ist leider keine Gute.

1 Antwort
Jäger ist ...
von JanundPitt | #10-1

Parteivorsitzender der Duisburger SPD, die SPD ist die stärkste Fraktion im Rat und er ist damit in der Veranwortung. Mahlberg hat bereits zügig am Abwahlabend seine "Gesprächsbereitschaft" publik gemacht und eine Schleimspur im Rathaus hinterlassen.

Lassen wir sie doch erst einmal ihre Schlammschlacht schlagen, schauen uns an, was dabei herauskommt - oder auch nicht - und hängen uns zu gegebener Zeit wieder rein. Sechs Monate sind eine lange Zeit ... ;-)

17.02.2012
15:53
Hohe Erwartungen an Nachfolger von OB Sauerland in Duisburg
von dummmberger | #9

Als Außenstehender kann ich diese Diskussion überhaupt nicht nachvollziehen.
Herr Sauerland hat versagt und ist abgewählt worden.
Jetzt ist es Aufgabe der Parteien, neue Kandidaten zu benennen. Auch parteilose Kandidaten kann es geben, die müssen aber nicht zwangsläufig besser sein.

Warum soll da jetzt plötzlich ein "Messias" auftauchen? Welche Stadt hat denn so einen?
Man kann doch jetzt nicht in allen Ställen in Duisburg und Umgebung nachsehen, ob da vielleicht ein Kind in der Futterkrippe liegt....

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