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EM 2012

Fans feiern die deutsche Elf bei Duisburgs größtem Public Viewing

10.06.2012 | 16:49 Uhr
Fans feiern die deutsche Elf bei Duisburgs größtem Public Viewing
Am Samstag, den 9.6.2012 fand auf dem Gelände der ev. Kirchengemeinde Obermeiderich, Emilstraße, ein Public Viewing zum Spiel Deutschland gegen Portugal statt.Foto: Udo Milbret

Duisburg.   Beim größten Public Viewing Duisburgs unter freiem Himmel ließ das aufregende Spiel glatt die Schminke verschmieren. Am Ende reichte es für ein großes Jubelfest neben der evangelischen Kirche in Meiderich.

Es läuft die 73. Minute. Khediras leicht abgefälschte Flanke fliegt in den Strafraum, Gomez steigt hoch und köpft den Ball ins Netz. 1 : 0 für Deutschland. Die Erlösung.

Die Freude über das erste Tor der Nationalelf bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine kennt keine Grenzen: Die rund 1200 Fans, die zum Public Viewing auf dem Gelände der evangelischen Kirche Obermeiderich an der Emil­straße gekommen sind, schwenken die schwarz-rot-goldenen Flaggen, kreischen und jubeln. Überall auf der Wiese vor der zwölf Quadratmeter großen Leinwand liegen sich die Fußballfans in den Armen. Viele sind schweißgebadet, die Schminke in Nationalfarben ist längst zerlaufen. Dass das Spiel gegen Portugal so eng wird, haben viele nicht gedacht – oder haben es nicht wahrhaben wollen. Optimismus funktioniert jetzt als Selbstschutz, als Mutmacher.

Die Hymne wird kräftig mitgesungen

Rudelgucken in Duisburg

Rückblick: Es ist halb neun. Auf der Leinwand laufen immer wieder Bilder von Portugals Superstar Cristiano Ronaldo. Die Fernsehexperten warnen vor seinem Ballgefühl, seinen Schüssen. Doch auf der Wiese neben der Obermeidericher Kirche kommt keine Furcht auf. Erscheint Ronaldo auf der Leinwand, wird gebuht. „Ja, er ist gut“, sagt ein Mann zu seinem Kumpel, „aber nicht gut genug. Bei großen Turnieren hat er nie Klasse bewiesen.“

Es entsteht der Eindruck, dass der Optimismus heute keine Grenzen kennt: „Ich tippe auf 3 : 0“, sagt ein junger Bursche mit den Farben der deutschen Fahne auf der Stirn. „4 : 0 – wir knallen die heute richtig weg“, lässt ein anderer hören.

So positiv wie die Tipps ist auch die Stimmung. Die Hymne wird kräftig mitgesungen, dem Nebenmann wird der Arm um die Schulter geworfen. Kurz: Es ist ein tolles „Wir-Gefühl“. Dass unter den Besuchern des einzigen großen Public Viewings in Duisburg auch viele Südländer, Türken und Farbige sind, unterstreicht die Zusammengehörigkeit. Neben vielen jungen Gästen und Kindern, sind auch Mittvierziger und Leute über sechzig dabei. Das Publikum ist noch bunter gemischt als die Mannschaft selbst.

Stimmung ist ausgelassen und friedlich

Die Stimmung ist den ganzen Abend über ausgezeichnet und friedlich. Selbst dann noch als Portugals Pepe den Pfosten trifft und die Deutschen lange Zeit wackeln. Auch wenn ein bisschen vom Optimismus verschwunden ist und sich langsam Angst vor den starken Portugiesen breit macht – alles bleibt ruhig. Wenn man jemandem auf den Fuß tritt oder ihn anrempelt, muss man sich keine Sorgen machen: Selbst große, breite und gefährlich wirkende Zeitgenossen haben dann ein Augenzwinkern oder einen freundschaftlichen Klapps auf die Schulter parat.

Nach dem Führungstreffer ist der Optimismus auf einen Schlag wieder da. Sang man bis zur 73. Minute nur, um die Deutschen anzufeuern, werden sie jetzt gefeiert. Daran ändert auch die brenzlige Schlussphase nichts. Nach 90 Minuten Rudelgucken steht für viele fest: „Wir müssen uns verbessern, aber wir werden Europameister.“ Und dann wird noch ein bisschen über das Spiel geredet und das ein oder andere Bier getrunken.

Duisburgs EM-Gesichter

Von Dennis Bechtel

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