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Beeckerwerth - Halbinsel im Rhein

27.03.2011 | 12:00 Uhr
Innenansicht der alten Bergarbeiter-Siedlung in Duisburg- Beeckerwerth. Foto: Gerd Wallhorn / WAZ FotoPool

Duisburg. Das Wörtchen Werth deutet auf eine Insellage hin, und Insel ist der Stadtteil Beeckerwerth geblieben - auch nachdem der Rhein durch Deiche gebändigt wurde. Nur dreieinhalb Straßen verbinden Beeckerwerth mit Duisburg. Warum nur dreieinhalb?

Rhein an drei Seiten, Autobahn A 42 und Eisenbahn sind es heute, die den Stadtteil Beeckerwerth von der übrigen Stadt abtrennen, nur dreieinhalb Straßen verbinden Beeckerwerth mit Duisburg (die halbe, weil die Autobahn nur in eine Richtung zu erreichen ist).

Duisburgs Stadtteile IV

Denis Mohr ist in Beeckerwerth aufgewachsen und von Beeckerwerth überzeugt: „Ideal für Familien“ sei der Stadtteil, „man könnte was draus machen“. Wir beginnen unseren Rundgang vor der geschlossenen Kirche St. Antonius, die Moschee gegenüber ist geöffnet. Ein kurzer Abstecher führt uns auf den Deich, vorbei an Schafen, die friedlich einen Trecker-Oldtimer umgrasen: Idylle mit unverbaubarem Rheinblick.

Ein paar Meter unter uns verraten alte Steine die frühere Deichkrone, 1939 wurde der Schutzwall erhöht, erläutert mir Mohr. Bis vor ein paar Jahren gab’s trotzdem ab und an nasse Füße und Wasser im Wohnzimmer. Ein zweiter Deich hinterm Deich verhindert heute das Aufsteigen von Wasser im Hinterland, bei Hochwasser stetes Ärgernis am Koblenzer Ring.

Statistik und Jahreszahlen
Beeckerwerth in 60 Sekunden

Beeckerwerth gehört zum Stadtbezirk Meiderich-Beeck und hat nach amtlichen Angaben 3706 Einwohner. Davon sind 1882 weiblichen und 1824 männlichen Ge­schlechts. Der Ausländeranteil liegt bei 13 Prozent.

Erste archäologische Funde auf dem Gebiet von Beeckerwerth stammen aus der Römerzeit, vielleicht Reste eines untergegangenen Schiffes. „Eine erste Besiedlung des Gebietes ist 1292 erstmals urkundlich erwähnt“, heißt es auf der Homepage von Denis Mohr (www.duisburg-beeckerwerth.de). In der Urkunde ging es um Haus Knipp, nach dem die Eisenbahn-Rheinbrücke benannt ist.

1916 wurde der erste Schacht abgeteuft, sieben Jahre später Kohle gefördert. Nach und nach entstand die Zechensiedlung. Schicht am Schacht war dann 1963.

„Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging’s hier richtig los“, führt mich der junge Archäologe Mohr in die Geschichte seines Stadtteils. 1916 wurde der erste Schacht der Zeche Beeckerwerth abgeteuft, für die Bergleute entstand die Siedlung, die charakteristisch für Beeckerwerth ist.

Roter Backstein, zwei bis drei Geschosse, im „Zentrum“, rund um den Schwalbenplatz Ladenlokale im Erdgeschoss, rund um die teilweise in den letzten Jahre frisch gesandstrahlten Wohnblöcke viel Grün mit altem Baumbestand, alles unter Denkmalschutz. Mohr: „Wo etwas gemacht wurde, ist es wunderschön.“ Stimmt!

Dennoch stehen Wohnungen leer, auch Läden. Friseur, Bäcker, Eis-Diele, Discounter sind vorhanden, aber für vieles andere, sagt Mohr, ist man in Beeckerwerth aufs Auto angewiesen. Viel Verkehr ist nicht, auch nicht am Schwalbenplatz, der dennoch ein Verkehrsproblem ist. Neugestaltet aus Mitteln des Konjunkturpakets stiftet er hinterm Lenkrad vor allem Verwirrung: Ist es ein Kreisverkehr? Gilt rechts vor links?

Wir gehen weiter über die Siebengebirgsstraße unter Bäumen und zwischen Bergmannshäusern, stoßen an der Godesberger Straße auf einen ungenutzten Bunker, der nach dem Krieg den örtlichen Händlern Obdach bot, bis die zerstörten Läden wieder nutzbar waren. Nördlich der Grafenwerther Straße schließen sich neuere Wohnhäuser an, wobei neuer irgendwo zwischen 50er und 60er Jahre bedeuten dürfte. Aktuellere Bauten sind selten in Beeckerwerth, aber es gibt sei punktuell.

Fast unvermittelt stehen wir im Grünen. Schrebergärten, die große Sportanlage vom ruhmreichen SV Beeckerwerth, Aufstiegsaspirant in der zehnten Liga, über allem die gigantische Industriekulisse von Thyssen, nur getrennt durch Bahn und Autobahn.

Zwischen diesen beiden Verkehrstrassen überrascht ein Landschaftsschutzgebiet, den Anwohnern als „Vogelwiese“ vertraut. Eine frühere Kiesgrube ist längst zum See geworden, dort zu baden, warnt Mohr, sei allerdings lebensgefährlich. Spazieren ist dagegen ein Vergnügen. Auch im Süden des Stadtteils, wo Schrebergärten und Sportanlagen eine Grünzone bis nach Laar bilden.

Zum bürgerschaftlichen Leben in Beeckerwerth gehört ein runder Tisch, an dem Sport- und Karnevalsverein, Kindergärten und Bürger vertreten sind. Mohr ist zudem verantwortlich für eine Stadtteilseite im Internet, die mithelfen soll, den Stadtteil wach zu rütteln. „Wir haben eine gute Baustruktur, auch wenn manche Häuser eine Renovierung brauchen. Aber zusammen kann man es packen“, beurteilt er die Zukunftsaussichten. Sein Testat: „Es ist sehr schön, hier zu wohnen.“  

Willi Mohrs

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2011-03-27 12:00
Duisburg