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Schlecker lässt seine Frauen wieder im Stich

28.07.2012 | 08:00 Uhr
Ausverkauf: In Düsseldorf hat nur noch eine der einst mehr als 30 lokalen Filialen geöffnet.

Düsseldorf  Rund sieben Monate ist es her, dass die einstige Drogerie-Kette Schlecker Insolvenz anmeldete. Viel ist von dem in die Pleite geschlitterten Unternehmen nicht mehr übrig geblieben. In Düsseldorf hat nur noch eine der einst mehr als 30 lokalen Filialen geöffnet.

Ein Schlecker-XL-Markt kämpft noch bis zum Monatsende weiter, dann fällt auch für das Tochterunternehmen der Vorhang. Zwei Voll- und zwei Teilzeitkräfte arbeiten derzeit noch.

Wie seinerzeit beim Zusammenbruch des Hauptunternehmens werden die Mitarbeiterinnen auch nun wieder im Ungewissen gelassen. „Wir haben noch keine Infos, wie es weitergeht, was mit der Ware passiert“, sagt Verkäuferin Johanna Göllner. Der lange Kampf um das Überleben, das zwischenzeitlich mit Standortreduzierungen möglich schien, und das ständige Bangen hat auch die einstige Betriebsrätin mürbe gemacht. „Ich bin froh, wenn Schluss ist“, sagt sie. „Gerne würde ich noch ein Jahr arbeiten, aber ab August bin ich dann in Rente.“

Aus Resignation wird Verärgerung

Wenn Johanna Göllner die aktuellen Meldungen zu den Ermittlungen gegen Firmengründer Anton Schlecker und seine Familie hört, wird aus der Resignation schließlich Verärgerung. „Da packt einen die kalte Wut. Ich finde das einfach nur frech. Das ist ein Hammer, wie die mit ihren Angestellten umgehen“, sagt sie.

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Stuttgart/Ehingen, 18.07.12: Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Untreue und des betrügerischen Bankrotts gegen Anton Schlecker und seine Kinder. In mehreren Bundesländern wurden am Mittwoch Wohnungen und Büroräume durchsucht.

„Vor allem, wenn die Tochter der Schleckers im Fernsehen behauptet, dass kein signifikantes Vermögen da sei und dann plötzlich Meldungen kommen, dass zuvor Geld zur Seite geschafft worden sein soll. Die treiben viele Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit oder in Hartz IV.“

In der Stadt Düsseldorf sowie im Kreis Mettmann verloren 150 Schlecker-Mitarbeiter ihren Job – es waren überwiegend Frauen. „Es ist sehr deprimierend, wenn man gerade die jüngeren Kollegen sieht“, fühlt Göllner mit. „Allerdings gibt sich die hiesige Arbeitsagentur sehr viel Mühe.“

Die bot aus eigener Initiative spezielle Infoabende für die Schlecker-Mitarbeiter an. Rund 50 von ihnen sind mittlerweile in einer neuen Beschäftigung. Zehn weitere absolvieren derzeit Umschulungen, unter anderem zum Friseur oder gar Busfahrer.

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Berlin, 01.06.12: Das Ende der insolventen Drogeriemarkt-Kette Schlecker ist besiegelt, einen Verkauf an Investoren wird es nicht geben – das teilte der Insolvenzverwalter am Freitag mit. Rund 13.200 Mitarbeiter erhalten bis Ende Juni ihre Kündigung.

40 ehemalige Angestellte der Drogeriekette sind zudem aktuell in einem speziellen Bewerbungstraining. „Die Schlecker-Leute haben zum Teil Jahrzehnte in dem Unternehmen gearbeitet“, so Peter Wege von der Agentur für Arbeit. „Daher macht es natürlich Sinn, ihnen bei den Bewerbungen zu helfen.“

Hightech - gibt’s nicht bei Schlecker

Die neuen Jobs bringen mitunter aber auch die Schwierigkeiten einer neuen Welt mit sich, wie Johanna Göllner aus zahlreichen Gesprächen mit ihren ehemaligen Kollegen erfahren hat. „Einige sind zwar bei den einstigen Konkurrenten DM und Rossmann untergekommen. Aber da sind die Arbeitsabläufe ganz anders“, berichtet sie von Umstellungsproblemen. „Dort regiert Hightech, die Warenbestellungen werden per Computer gemacht. Sowas gab es bei Schlecker gar nicht. Da haben vor allem ältere Kollegen Probleme.“

Sie selbst ist noch ein wenig ratlos, wie sie ihr neues Leben ab August gestalten soll. „Ich weiß gar nicht, wie es sein wird, morgens nicht mehr in der Bahn zu sitzen und zur Arbeit zu fahren“, sagt sie. „So richtig realisiert habe ich das Ende noch nicht.“

Oliver Schaal



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