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DAK-Studie

Mehr Krankmeldungen wegen psychischer Beschwerden

21.06.2012 | 13:12 Uhr
Mehr Krankmeldungen wegen psychischer Beschwerden

Düsseldorf.   In Düsseldorf stieg die Zahl der Menschen mit psychischen Erkrankungen von 2010 auf 2011 um zehn Prozent, wie eine Untersuchung der DAK belegt. Medizinsoziologe Johannes Siegrist von der Heinrich-Heine-Universität mahnt: Unzufriedenheit im Job könne sogar zu einem Herzinfarkt führen.

Die Arbeit wird immer umfangreicher, der Stress steigt, aber die Anerkennung durch Chefs und andere Vorgesetzte fehlt. Die Folge: Immer mehr Menschen fehlen im Betrieb wegen psychisch bedingter Erkrankungen. Deren Zahl stieg in den vergangenen zehn Jahren in NRW um 70 Prozent. In Düsseldorf nahmen sie allein im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent zu. Professor Johannes Siegrist, Medizinsoziologe der Heine-Uni, spricht zudem von einem um 40 bis 80 Prozent höheren Risiko für Herzinfarkte bei Menschen, die unter der so genannten „Gratifikationskrise“ leiden. Darunter verstehen Forscher die Unzufriedenheit wegen mangelnder Anerkennung trotz guter Arbeit.

Zur Gesundheit in Düsseldorf und der Region hat die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) nun eine Untersuchung vorgestellt. Nach Rückenproblemen oder Erkältungen stehen psychische Beschwerden wie Neurosen, Angstzustände oder Depressionen an dritter Stelle der Krankschreibungen, so die Studie der DAK. Fehlfunktionen des Herz-Kreislaufsystems kommen erst an sechster Stelle.

Sicherer Arbeitsplatz, ausreichendes Gehalt

Professor Siegrist ergänzte die Studie der DAK mit Fakten der Forschung und erläuterte die krankmachenden Faktoren: „Wenn der Chef sagt, kein Tadel ist schon Lob genug, dann geht das auf Dauer unter die Haut.“ Wenn die Leistung der Angestellten nicht durch einen sicheren Arbeitsplatz, ausreichendes Gehalt und durch „Wertschätzung der täglich geleisteten Arbeit“ belohnt werde, führe das zu seelischen Beschwerden „und zu einem Risiko für Herzinfarkte ähnlich wie beim Rauchen“, so der Professor, der bis März die Medizinische Soziologie an der Heine-Uni leitete. Jeder zehnte Arbeitnehmer stehe in so einer Krise.

Zahlen & Fakten
Rücken- und Muskelerkrankungen an erster Stelle

In Düsseldorf nahm die Zahl der psychischen Krankheiten von Versicherten von 2010 auf 2011 um zehn Prozent zu. Gerechnet auf die Untersuchung der DAK, wurden im Vorjahr insgesamt rund 28.000 Arbeitnehmer krank, davon hatten 4507 psychische Probleme wie Angstzustände, Depression oder Neurosen. Das wird nur übertroffen von Rücken- und Muskelerkrankungen (rund 19 Prozent oder 5352 Kranke).

An Herz-Kreislaufkrankheiten litten 1549 Versicherte. Insgesamt stieg der Krankenstand in Düsseldorf von 2,8 auf 3 Prozent im vorigen Jahr. Das liegt unter dem Durchschnitt von 3,5 Prozent für NRW. Knapp ein Viertel der Beschäftigten klagt allerdings über häufigen Zeitdruck bei der Arbeit, jeder Fünfte darüber, dass die Arbeit zugenommen hat.

Gut drei Viertel der Befragten der DAK-Studie litten unter Konzentrationsproblemen, Reizbarkeit und Unruhe, rund 60 Prozent unter Schlaflosigkeit.

Die Folgerungen sowohl der Forscher wie der Krankenkasse: Arbeitnehmer müssen auch mal eine Grenze ziehen, nicht immer nur „Ja“ sagen und sollten keine Arbeit mit nach Hause nehmen, empfiehlt Professor Siegrist. Kommt die Rente mit 67, müssten Betriebe flexiblere Arbeitszeiten für über 50-Jährige anbieten und Arbeitsplätze eventuell anders gestalten. „Jeder Euro, der in die betriebliche Gesundheitsvorsorge gesteckt wird, kommt vierfach nach drei bis vier Jahren zurück.“

Schulungen für die Führungskräfte

Zudem müssten Führungskräfte auch in der mittleren Ebene geschult werden im schonenden Umgang mit ihren Mitarbeitern. Die DAK, so der Leiter des hiesigen Servicezentrums, Peter Hoffmann, verzeichnet immer mehr Anfragen zu Schulungen von Führungspersonal für den Umgang mit ihren Untergebenen.

Joachim Geschke


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