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Katholische Kliniken in Köln wiesen Vergewaltigungsopfer ab

17.01.2013 | 15:48 Uhr
Katholische Kliniken in Köln wiesen Vergewaltigungsopfer ab
Die katholische Klinik St. Vinzenz in Köln steht im Brennpunkt der Kritik. Ärzte sollen dort ein Vergewaltigungsopfer abgewiesen haben, weil sie nicht die 'Pille danach' verabreichen wollten.Foto: dpa

Köln/Essen/Dorsten/Düsseldorf.  Zwei katholische Kliniken in Köln haben sich geweigert, eine junge Frau nach einer Vergewaltigung zu behandeln. Der Klinikträger bestätigte am Donnerstag einen entsprechenden Medienbericht. Der genaue Sachverhalt werde jetzt intern untersucht.

Werden Vergewaltigungsopfer in katholischen Kliniken in Köln nicht behandelt? Dieser Verdacht steht nun im Raum. Es geht um den Fall einer 25-jährigen Frau, der jetzt bekannt geworden ist. Sie war im vergangenen Dezember auf einer Party in der Kölner City mit K.o.-Tropfen betäubt und dann offenbar vergewaltigt worden. Um mögliche Tatspuren zu sichern, wollte die Frau auf Anraten einer Notärztin sich in zwei katholischen Kliniken gynäkologisch behandeln lassen. Die Kliniken aber wiesen das Vergewaltigungsopfer ab.

"Das hätte nicht passieren dürfen", sagt Susanne Bieber, Bereichsleiterin der Krankenhäuser der Hospitalvereinigung St. Marien GmbH, um die es nun geht. Bieber bestätigte, dass im vergangenen Dezember ein Vergewaltigungsopfer in wohl zwei katholischen Kliniken mit Geburtsabteilung, die in Köln zum Verbund der Hospitalvereinigung ("Cellitinnenhäuser") gehören, von dortigen Ärzten abgewiesen worden war. Der Klinikbetreiber erklärte am Nachmittag, Grund der Abweisung sei "ein Missverständnis" gewesen. Das Erzbistum Köln stellte klar: "Auch in katholischen Krankenhäusern erhalten die betroffenen Frauen die notwendige Heilbehandlung; dazu gehört gegebenenfalls auch eine volle Kooperation mit der Anonymen Spurensicherung".

Keine 'Pille danach' in katholischen Kliniken

Die beiden betreffenden Kliniken - das Sankt Vinzenz-Hospital im Kölner Stadtteil Nippes und das Heilig Geist-Krankenhaus in Köln-Longerich  - werden von der Hospitalvereinigung St. Marien GmbH getragen, die wiederum zur katholischen Stiftung Cellitinnen zur hl. Maria gehört. Insgesamt hat der Verbund zehn Krankenhäuser in Köln und Wuppertal.

Kommentar
Unchristliches Verhalten - von Annika Fischer
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Ärzte sollen helfen und heilen. Das ist kein altmodisches hippokratisches Verständnis, sondern ihre Aufgabe. Einen Monat, nachdem zwei katholische Kliniken ein Vergewaltigungsopfer abwiesen, bestätigt ihre Leitung schließlich genau das : Man hätte helfen müssen.

Alles nur ein Missverständnis? Woher kommt dann die Ablehnung gleich zweier Ärzte, unabhängig voneinander, mit derselben Begründung? Woher kommt ihre Angst um den Arbeitsplatz? Warum verfasste die neue Haus-Ethikerin als eine ihrer ersten Amtshandlungen eine „Stellungnahme“ zum Umgang mit Opfern sexueller Gewalt, aus der aber niemand eine Dienstanweisung machte?

Die Kirche ist in Köln einmal mehr gescheitert an ihrer eigenen Moral. Ihre Lehre, ein Kind sei die gottgewollte Frucht der Liebe, ist schlicht falsch im Falle einer Vergewaltigung, von der neben Verletzungen möglicherweise eine Schwangerschaft bleibt. Den betroffenen Frauen Hilfe in Form eines Medikaments zu versagen, das solche Folgen roher Gewalt im ersten Keim erstickt, ist unchristlich. Falls es hier wirklich nur um die „Pille danach“ ging.

Bei der Krankenhausgesellschaft NRW ist man betrübt über den Vorfall. Ein Sprecher erklärte am Donnerstag auf Anfrage, "jedes Opfer einer Vergewaltigung muss zur Spurensicherung in Krankenhäusern behandelt werden." Im Kölner Fall sollen die diensthabenden Ärzte die Behandlung verweigert haben, weil diese dann zwangsläufig mit einem Schwangerschaftsabbruch verbunden gewesen wäre, dem sich die katholische Kirche verweigert. Konkret geht es darum, ob der jungen Frau auch die sogenannte 'Pille danach' hätte verabreicht werden müssen - ein ethisch umstrittenes Thema. Aus Sicht der Krankenhausgesellschaft "ist die 'Pille danach' Sache des jeweiligen Krankenhausträgers". Der Verband der Frauenärzte in Deutschland weist mit Blick auf niedergelassene Ärzte darauf hin, "dass jeder Arzt das Recht hat, einen Schwangerschaftsabbruch zu verweigern".



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