Wenn der Tiger zu teuer wird
04.02.2010 | 18:29 Uhr 2010-02-04T18:29:00+0100
Dortmund. Der kleine Schabrackentapir hat noch keinen Patenonkel. Oder eine Tante, die für eines der jüngsten Zootiere immerhin 250 Euro Startkapital aufs Sparbuch zahlen würden. Wichtig wäre es allemal, denn das Haushaltsloch hinterlässt auch im Zoo seine Spuren.
Dass sich das Sparbuch auch mit kleinen Summen füllt, wird für Dortmunds Zoo immer wichtiger: Als „freiwillige Leistung” einer Kommune ohne Geld steht auch das tierische Aushängeschild der Stadt auf wackeligen Füßen.
- Der Zoo ist Part der Sport- und Freizeitbetriebe Dortmund, die im Abschluss 2008 eines unterstrichen: Aus eigener Kraft werden sie nicht auf eine schwarze Null kommen – eine „Anpassung des städtischen Betriebskostenzuschusses zur Abdeckung des strukturellen Defizits” sei weiter unabdingbar. Der eigene Refinanzierungsgrad belief sich 2008 auf 21 %. „Ohne drastische Einschnitte in die Angebotspalette” ließe er sich perspektivisch nicht bedeutsam erhöhen.
- Im Geschäftsbereich Zoo summierten sich 2008 die Investitionen für Anlagen im Bau auf 4,6 Mio. Euro; das Regenwaldhaus war mit 2,3 Mio. Euro der dickste Batzen, gefolgt von der Nashornanlage mit einer knappen Mio. Euro. Für den Wegebau wurden z.B. 67 000 Euro vorgehalten.
- Zum Ende des Jahres 2008 beschäftigte der Zoo 77 Mitarbeiter, davon elf Auszubildende (2007 waren im Durchschnitt 61 Mitarbeiter und sieben Azubis beschäftigt).
- Die Zahl der Besucher schrumpfte: Von 503 432 im Jahr 2007 auf 482 914 im folgenden Jahr. Insgesamt wurden 2008 im Vergleich zum Vorjahr mehr als 29 000 Tageskarten weniger verkauft (2008: 182 515). Dafür stieg die Zahl der Jahreskarten. Die Anstrengungen des Tierparks um die Gunst des Publikums werden durch ein in deutliches Plus bei den Zooführungen unterstrichen. Etwas über 1,3 Mio. Euro spülten Eintrittsgelder in die Zookasse; die Erlöse summierten sich Ende 2008 auf knapp 1,5 Mio. Euro.
Die Giraffen verkaufen, Affen zu Geld machen? Das ist ein Szenario, das zwar grundsätzlich denkbar, „politisch aber sicher schwierig durchsetzbar” ist, sagt Zoo-Direktor Dr. Frank Brandstätter. Immerhin nutzen jährlich gut eine halbe Million Besucher den familienfreundlichen Tierpark, finden hier 1534 Tiere aus 223 Arten. Dortmunds Zoo, Jahrgang 1953, war bis vor kurzem einer der größten Flächenzoos in Deutschland. Und ist nach wie vor der günstigste. Auch wenn eine erste Antwort auf das Spardiktat die seit Anfang 2010 höheren Eintrittspreise sind.
Auf kleinem Niveau
„Wir haben immer schon auf kleinem Niveau gearbeitet”, sagt Frank Brandstätter. Während Wuppertal oder Gelsenkirchen doppelstellige Millionensummen in ihre tierischen Zweigstellen investierten, reiche Dortmund nicht mal an eine Million Euro heran. Das verschärft die Konkurrenzsituation. Zumal das Gros des Geldes für die „Kulissen” drauf geht. Fast die Hälfte des Etats für Tierhaltung, so der Zoochef, werde lediglich für das ästhetische Empfinden und das Erlebnis der Besucher ausgegeben. Die wollen eben keine Becken oder Gitterboxen mit dem biederen Charme der 50er. „Wir leben in einer Event-Gesellschaft”. Nashorn, Ameisenbär und Co. müssen nicht nur tiergerecht gehalten, sondern eben auch menschengerecht vorgeführt werden. Der Umbau gelingt in nur kleinen Schritten.
Sparen ist wieder die Überschrift, auch übers Jahr 2010 – diesmal fett gedruckt. Aber wo? Auch wenn sich der Tierpark die Euros vom Munde absparen muss: Robben und Leopard kann man schlecht auf halbe Ration setzen... Also geht's zuerst ans zweibeinige Personal: Drei Mitarbeiter, die jetzt den Stamm von knapp über 60 (davon 36 Zootierpfleger) ausdünnen, werden nicht ersetzt. Und: „Wir schrauben das Veranstaltungsprogramm zurück”. Eine Milchmädchen-Rechnung, weiß Brandstätter – nur lasse sich der Werbefaktor eben nicht in Zahlen niederschreiben.
5 Millionen
Mit rund 5 Millionen Euro, sagt er, schlage der Zoo jährlich als Teil der Sport- und Freizeitbetriebe zu Buche. Damit würden Personalkosten abgedeckt, Strom, Gas, Wasser bezahlt, Futtermittel gekauft, mehrere hundert Tiertransporte pro Jahr vergütet. Eine sechsstellige Summe fließe allein in die Verkehrssicherung mit Wegen, Zäunen etc. Dem gegenüber stehen Einnahmen von knapp 1,5 Millionen Euro (2008).
An laufenden Baumaßnahmen wie Gaur-Stall oder Hornraben-Voliere ist nicht zu rütteln. Andere Projekte, wie zurzeit ein neues Leoparden-Gehege, werden durch Sponsoren angeschoben – hier der Tierschutzverein Groß-Dortmund, dort der Förderverein Zoofreunde Dortmund. An tierische Neuinvestitionen ist momentan nicht zu denken. Brandstätter und seine Mannschaft, voller Pläne, Wünsche und – mit Blick auf die Konkurrenz – Ideen, befürchten Stillstand.
Was das für einen Tierpark 2010 bedeuten kann – weiß der Geier.
14:44
Allen Unken zum Trotz laufen Sendungen wie Tiger & Co sehr gut. Vielleicht wäre eine Teilnahme an so einem Format eine Möglichkeit Aufmerksamkeit, Besucher und somit Geld in die Kassen zu bringen !
00:30
Tja und noch schlechter würde es den Dortmunder ZOO gehen wen nicht regelmäßig dort 1 Euro Deppen arbeiten würden. Rasenmähen Müllsammeln die Papierkorbe leeren die Wege reinigen Handwerkliche Tätigkeiten ausführen eigentlich fast alles was auch die Festangestellten dort erledigen oder sonst erledigen müssten sind ohne jeglichen Personalaufwand auch mal bei 8 ein € Deppen 240 Arbeitstunden in der Woche 960 im Monat 11520 Stunden im Jahr mal so hochgerechnet gibt natürlich auch immer wieder paar Nieten darunter. Aber immerhin abzüglich Fehlzeiten kommt da ne Menge Arbeitszeit zusammen die sich die Stadt Dortmund so nicht leisten könnte auch wenn die Beamten grad ein paar Hundert € Monatlich geschenkt kriegen für nix. Ein € Jobs sind meiner Meinung zwar unterbezahlt wen es nach Leistung geht aber auch für manche wichtig, besser wären aber Minijobs und ohne 1 € Deppen müsste die Stadt Leute einstellen sonst würde ein Desaster drohen wie jetzt mit dem Wegfall des Zivildienstes. Und genau das wird passieren. Da die ehemaligen Zivildienststellen besetzt werden müssen und schon jetzt ein Vergütung in Höhe vom Sold einen Freiwilligen bei der Bundeswehr im Gespräch ist wird der 1 € Job aussterben.
11:56
Weniger Interesse an Zoos ist ein gutes Zeichen aus meiner Sicht. Zoos sind einfach nicht mehr zeitgemäß. Ein paar Zoos bäumen sich noch auf, müssen viel Geld in sinnlose Ausbauten investieren (siehe Gelsenkirchen), damit die Besucher sich wie im Phantasialand fühlen können. Felsen aus Plastik und chlorierte Bäche ersetzen nicht das Naturerlebnis, finde ich. Ohne diesen Riesenaufwand würde kaum noch jemand vorbeischauen. An den Tieren, am Lernen, haben die Besucher doch kaum noch ein Interesse.