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Warten auf den Gutachter

08.08.2012 | 16:24 Uhr
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Warten auf den Gutachter
Envio Chef Dr. Dirk Neupert (Mitte) mit seinen Verteidigern Prof. Ralf Neuhaus (r.) und Dr. Christian Tünnesen-Harmes. Foto: Rottmann

Dortmund.   Wie der Envio-Prozess gegen den Ex-Chef Dirk Neupert und weitere drei Angestellte weitergeht, ob es eventuell gar zu einer Aussetzung des Verfahrens kommt – all das entscheidet sich, wenn der Sachverständige aus dem Urlaub zurückgekehrt ist. Am Prozesstag am 8. August wurden diverse Beweisanregungen erörtert.

Warten auf den Gutachter: Wie der Envio-Prozess weitergeht, ob es eventuell gar zu einer Aussetzung des Verfahrens kommt, entscheidet sich, wenn der Sachverständige aus dem Urlaub zurückgekehrt ist. Dann soll der Arbeitsmediziner Prof. Albert Rettenmeier dazu Stellung nehmen, ob ihm die Untersuchung der 51 potentiell geschädigten Arbeiter genügt – oder ob er es für nötig hält, sich auch weitere 259 Personen aus dem Umfeld anzusehen.

Letzteres könnte Jahre dauern und bedeuten, dass das Verfahren mit neuen Ermittlungsergebnissen in weiter Zukunft ganz von vorn aufgerollt wird. „Wie Prof. Rettenmeier die Beweisaufnahme weiterzuführen gedenkt, das ist eben die Frage“, stellte der Vorsitzende Richter der 35. Großen Strafkammer Thomas Kelm fest.

Die Anklage wirft Envio-Chef Dr. Dirk Neupert und einem führenden Angestellten neben schweren Umweltverstößen Körperverletzung in 51 Fällen vor, zwei weitere Mitarbeiter sind wegen Beihilfe zu Umweltverstößen angeklagt. Die betroffenen 51 Arbeiter sollen beim Aufschweißen der Trafos mit dem hoch giftigen Isoliermittel PCB in Berührung gekommen sein. Doch was genau PCB im Körper anrichtet, ist nach Auffassung des Arbeitsmediziners unklar: „Man kann durch PCB-Konzentration im Blut keine Rückschlüsse auf Erkrankungen ziehen“, so hatte er am 4. Juli erklärt.

Die Nebenklage behauptete gestern indes, Leberschäden seien die zwingende Folge von PCB. „Genau das hat der Gutachter nicht gesagt“, warf der Vorsitzende Richter Thomas Kelm ein.

Aus Sicht der Verteidigung ist die bisherige Aussage des Sachverständigen so eindeutig, dass eine Erweiterung des Auftrags nicht nötig sei. Es gelte, die richtige Beweisfrage zu stellen, merkte Neupert-Verteidiger Prof. Ralf Neuhaus an in seiner mehrseitigen „Gegenvorstellung“ an. Ohne die treffende Beweisfrage gerate man schnell in das Fahrwasser der Grundlagenforschung, gegen dann eventuell bestehende Kosten verwahre sich sein Mandant schon jetzt.

Staatsanwalt Dr. Marc Sotelsek führte eine Studie des Leibniz-Instituts ins Feld: Demnach weisen auch niedrig chlorierte PCBs eine längere Haltbarkeit auf als bisher angenommen.

Kathrin Melliwa

Kommentare
08.08.2012
18:52
Ach, Neupert hat schon Schiss wegen der Kosten
von vaikl2 | #1

Und wahrscheinlich deshalb lässt er sich bei seiner Nachfolge-Bude Bebra Biogas als Vorstand und Geschäftsführer auch kein Gehalt zahlen, sondern "begnügt" sich mit Anteilen, deren Kurs seit Monaten im freien Fall ist.

Und wahrscheinlich auch aus Kostengründen will die Verteidigung wieder den lieben Prof. Bender als eigenen Gutachter auffahren, der schon vor zwei Jahren im Interesse der NRW-Industrie-Vermarkter PCB-Luftpartikel mit Kontamination durch Staubniederschlag und Flüssigkeiten verwechselte.

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