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Mordfall

War ein Einbrecher der Mörder?

20.03.2012 | 06:00 Uhr
War ein Einbrecher der Mörder?
Ihr Mörder wurde noch nicht gefasst: Heike Kötting. Foto: Privat

Dortmund „So ein Fall“, blickt Kriminalhauptkommissar Uwe Maycher auf den noch nicht geklärten Mord an Heike Kötting aus dem Jahr 1991, „so ein Fall hängt einem immer nach“ . Doch man gebe die Hoffnung nicht auf, auch den Mörder der 28-Jährigen zu finden. Für die Polizei ist ein Einbrecher der Täter, den die junge Dekorateurin vermutlich am 25. Februar 1991 in ihrem kleinen Bungalow an der Scharnhorster Freibergstraße 13 überrascht hat.

Im KK 11 stehen die Akten immer noch in Sichtweite. Ein roter Punkt auf den fünf Aktendeckel zeigt: Dieser Fall ist noch nicht geklärt. „Knapp zehnt Prozent der Mordfälle pro Jahr bleiben unaufgeklärt“ , berichtet Maycher. Immer wieder werden Fälle nach Jahren geklärt, meist, wenn die Technik Fortschritte macht, wenn Tätern im Zusammenhang mit anderen Taten gefasst werden, oder wenn sie ihr Gewissen erleichtern wollen. „Hier“, so gesteht Maycher. „hier sieht es sehr dünn aus.“

Täter muss sich gutausgekannt haben

Am 26. Februar 1991 schöpfen die Eltern der jungen Frau, die nur einen Steinwurf von dem kleinen Bungalow in der Freibergstraße 13 entfernt wohnen, dass etwas passiert sein muss. Ein paar dinge stehen vor der Eingangstür, die da nicht hingehören. Sie schauen nach und machen die furchtbare Entdeckung. Heike Kötting liegt in einem kleinen Zimmer, das sie als eine Art Nähzimmer genutzt hat. Sie wurde erstochen. Ein adäquates Tatwerkzeug finden die Beamten nicht. Auch keine nutzbaren Spuren. Der Täter muss Handschuhe getragen haben, folgert Maycher.

Durch diesen schwer einzusehenden Lichtschacht stieg der Mörder in den Bungalow ein, zeigt hier Hans Jacobi, der Leiter der Mordkommission im Jahre 1991. Foto: Hermann Pruys

„Wir gehen davon aus, dass ein Einbrecher im Haus war“, so Maycher. Ob dieser völlig atypisch die junge Frau angegriffen hat oder ob es ein Bekannter war, der zugestochen hat, weil Heike Kötting ihn erkannt hat, die Kripo weiß es nicht. Fest steht: Der Unbekannte war durch einen Lichtschacht, der hinter dem Haus liegt, eingestiegen. Ein Lichtschacht, den man nur durch die Gärten hinter dem schlichten Bungalow erreichen kann. Versteckt liegt er. „Normalerweise käme man nicht auf die Idee, dass dieser Lichtschacht zum Haus gehört“, so Maycher. Doch der Täter stieg hier ein. Er brach mehrere Türen auf. Später findet die Polizei einen Meißel. Tür für Tür bricht der Täter auf, auch die Tür zum Treppenhaus, das dann ins Erdgeschoss führt. Zudem reißt er die Telefonkabel aus der Wand.

Von einer Freundin des Opfers erfahren die Beamten, dass Heike Kötting an dem Abend müde war, sich gegen 19.30 Uhr von ihr verabschiedet hatte und nach Hause fuhr. Sie hatte ein paar Papier- und Plastiktüten dabei, in den sich Dekorationsmaterial von Karstadt befand. Für das Unternehmen arbeitete die 28-Jährige. Sei muss die Tür aufgeschlossen haben und wollte die Tüten wohl in das kleine Nähzimmer, das direkt neben der Eingangstür auf der linken Seite des Bungalows liegt, stellen. Da muss sie ihrem Mörder begegnet sein. Am nächsten Tag gegen 14 Uhr finden ihre Eltern ihre Leiche.

Auto des Opfers taucht in Frankreich wieder auf

„Wir haben den gesamten Bekanntenkreis des Opfer, ihre Nachbarn und auch die Arbeitskollegen befragt und durchleuchtet,“ berichtet Maycher. Doch eine Spur ist nicht darunter. Auch nicht an der Kleidung der Toten. Bewegung kommt erst im Juni 1991 in die Sache. Von französischen Kollegen erfahren sie, dass man den Wagen der Toten, einen roten Fiesta bereits drei Tage nach der Tat auf einem Parkplatz an der Autobahn Paris – Orleans, an der A10 gefunden hat. Der Tank leergefahren.

Der Wagen war völlig leer, die Kennzeichen abmontiert. „Der Täter hat ihn ganz akribisch gereinigt“, so Maycher. Über die Fahrgestellnummer kamen die französischen Behörden schließlich auf Dortmund. Beamte des Bundeskriminalamtes nehmen die Fiesta unter die Lupe. Doch Spuren finden sie nicht.

Einem Angestellten in einer Mautstation unweit des Parkplatzes fällt am Abstelltag ein junger Mann auf, etwa 25 bis 30 Jahre alt, der zu Fuß aus Richtung Parkplatz kommt. Vermutlich, so erzählt er den ermittelnden Beamten Hans Jacobi und Uwe Maycher vor Ort, habe es sich um einen Nordafrikaner gehandelt, einen Mann aus Tunesien oder Marokko. Doch die Spur führt ins Leere.

Ist ein Bekannter der Toten verschwunden?

Immer wieder nehmen sich die Beamten diese unaufgeklärten Fälle vor. „2.000 habe ich den Fall noch einmal aufgegriffen“, berichtet Maycher. Man sei aufgrund neuer Möglichkeiten in der Kriminaltechnik noch einmal alles durchgegangen, habe alle sichergestellten Gegenstände erneut untersucht. „Doch ohne Ergebnisse“, so Maycher. „Es wird schwierig, man fragt sich immer: ,Hast Du alles getan?’“

„Für uns wäre auch 21 Jahre nach der Tat ein Anhaltspunkt, ob vielleicht doch ein Bekannter aus dem Umfeld von Heike Kötting verschwunden ist“, so Maycher. „Vielleicht ist ja ein Bekannter bis heute nicht wieder aufgetaucht, der eine Beziehung nach Frankreich gehabt hat.“ Vielleicht sei einem Freund oder einer Bekannten des Opfers das erst Jahre später aufgefallen.

Doch habe er sich keine Gedanken darüber gemacht, habe dem keine Bedeutung beigemessen. „Für uns könnte das ein entscheidender Hinweise sein, den Fall noch zu klären.“

Hinweise:  132 – 7441.

Andreas Winkelsträter


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