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Vorkämpfer gegen rechtes Übel

04.01.2008 | 10:36 Uhr
Vorkämpfer gegen rechtes Übel

Ob er das als Kirchenmann überhaupt sagen dürfte? Dass „Zorn erlaubt” sei. Wo Zorn doch eine der sieben Todsünden ist. Hartmut Anders-Hoepgen ficht das nicht an. Nicht beim Thema Rechtsextremismus.

„Wenn ich sehe, wie rechtes Gedankenübel neu entsteht”, sagt er, „überkommt mich Ärger und Zorn.” Gleichzeitig stelle er sich die Frage: „Was können wir dagegen tun?” Die Suche nach einer Antwort betreibt er jetzt federführend.

Ob er das als Kirchenmann überhaupt sagen dürfte? Dass „Zorn erlaubt” sei. Wo Zorn doch eine der sieben Todsünden ist. Hartmut Anders-Hoepgen ficht das nicht an. Nicht bei diesem Thema. „Wenn ich sehe, wie rechtes Gedankenübel neu entsteht”, sagt er, „überkommt mich Ärger und Zorn.” Gleichzeitig stelle er sich die Frage: „Was können wir dagegen tun?” Die Suche nach einer Antwort betreibt er jetzt federführend.

Hartmut Anders-Hoepgen, Pfarrer und Superintendent im Ruhestand, langjähriger Vorstandsvorsitzender der Vereinigten Kirchenkreise Dortmund und Lünen, leitet das neu eingerichtete Koordinierungsbüro für den vom Rat der Stadt verabschiedeten „Aktionsplan für Toleranz, Vielfalt und Demokratie.” Der folgerichtig ein Aktionsplan g e g e n Rassismus und Antisemitismus ist. Doch dem 63-Jährigen gefällt gerade das „Für” im Titel. „Wir haben in den vergangenen Jahren zu viel positive Energie darauf verschwendet, g e g e n Rechts zu sein”, beklagt er. „Wir haben stets auf die Neonaziaufmärsche in Dortmund reagiert. Das war anfangs auch gut und richtig. Doch diese Art von Protest ist mehr und mehr abgestumpft.” Das Ergebnis dieses zunehmend zwanghaften und gekrampften Widerstands hat Anders-Hoepgen, der immer in vorderster Reihe ging, wenn es hieß, Gesicht zu zeigen für ein tolerantes, weltoffenes Dortmund, erschreckt: „Zuletzt waren wir soweit, dass wir uns von den Rechten wie ein Ochse haben durch die Manege führen lassen.” Damit soll jetzt Schluss sein. Die Ereignisse des vergangenen Jahres, als Neonazis die Stadt mit ihren Aufmärschen ausgerechnet am 1. Mai (Tag der Arbeit) und am 1. September (Antikriegstag) provozierten, waren der Politik eine Lehre. Rot-Grün initiierte den Aktionsplan. Der Rat stattete das neue Büro im Rathaus für die Jahre 2007 und 2008 mit je 100 000 € aus - Oberbürgermeister Langemeyer gewann Anders-Hoepgen als ehrenamtlichen Koordinator. In diesen Tagen hat er seine Arbeit aufgenommen - und schon einen prall gefüllten Terminkalender. Sein Programm für die ersten sechs Monate: „Erst einmal zuhören” - was er als Pfarrer im Ruhestand gut kann. Er will mit Parteien, Gewerkschaften, Organisationen, Schulen und Vereinen sprechen. Die Initiativen bündeln, die es im Kampf gegen Rechts bereits gibt und Ideen sammeln: „Ich bin sicher, da wird ein bunter Strauß zusammenkommen.” Bis Mitte des Jahres möchte er eine Analyse des Ist-Zustandes vorlegen. Und er will im Hintergrund die handelnden Personen wieder zusammenführen. Keine ganz leichte Aufgabe, denn viele, die eigentlich dasselbe wollen, sind sich persönlich nicht „grün”, kochen ihr eigenes Süppchen. Das fatale Ergebnis: Ihre Bemühungen verpuffen häufig, ohne wirklich Wirkung zu erzielen. Reibungsverluste. Energieverschwendung. „Solche persönlichen Befindlichkeiten müssen wir künftig ausblenden”, fordert Anders-Hoepgen. Klare Ansage.

Was er langfristig will: Eine Dortmunder Stadtgesellschaft aufbauen, die sich aus Überzeugung zu Demokratie und Toleranz bekennt. „Weil das Grundklima in einer Stadt ganz entscheidend für ihre allgemeine Entwicklung ist.” Er will „alles, was provokativ wirken könnte, in der Auseinandersetzung mit dem Phänomen 'Rechts' vollkommen ausblenden”. Hartmut Anders-Hoepgen betont aber auch, dass all diese Bemühungen nur Erfolg haben können, wenn die soziale Situation der Menschen verbessert wird. „Denn der Boden, auf dem die Bereitschaft gedeiht, sich politischen Extremen zuzuwenden, besteht aus Armut, Arbeits- und Perspektivlosigkeit.”

Von Frank Fligge und Alexander Völkel

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