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Bittermark

Zwölf Jahre Kampf für mehr Ruhe

17.08.2012 | 07:00 Uhr
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Zwölf Jahre Kampf für mehr Ruhe
Letzte Messungen: Elke Adomeit und Udo Slabotny an der Lärmschutzwand, die ihr Verein erstritten hat. Foto: Michael Printz

Bittermark.   Die sieben Meter hohe Wand an der A45 ist fast fertig. Bis sie errichtet werden konnte, waren viele Klippen zu überwinden.

Zwölf Jahre haben sie für den Lärmschutz hinter ihren Häusern in der Bittermark gekämpft. Jetzt ist bald Ruhe. Nur einmal wird es noch richtig laut nördlich der Sauerlandlinie in der Bittermark, aber das sei den Streitern für die neue Lärmschutzwand gegönnt: Der Verein „Pro Lärmschutz A45 DO-Süd“ will die Fertigstellung der Arbeiten an der Autobahn am 1. September ab 17 Uhr im AWo-Heim an der Sichelstraße mit einem rauschenden Fest feiern, bei dem bestimmt niemand das Schallmessgerät auspacken wird.

150 Mitstreiter im Verein

Elke Adomeit und Udo Slabotny vom dreiköpfigen Vorstand des Vereins stehen mit Vertretern des Landesbetriebs Straßen NRW an der neuen, sieben Meter hohen Lärmschutzwand und recken die Hälse weit nach oben. Als die Gesichter wieder herunterblicken in Richtung des vorbeirasenden Autobahnverkehrs, sehen sie zufrieden aus. Vorstandskollege Gerd Malz wollte für diesen erhebenden Moment eigentlich sogar aus dem Urlaub kommen, hat dann aber verzichtet. Man sollte ja unnütze Verkehre vermeiden.

Knapp 70 000 Autos fahren täglich nah an den Häusern und Gärten von rund 2500 Bittermärker Bürgern vorbei. Schon früher gab es hier eine Lärmschutzwand, gut zwei Meter hoch und aus Aluminium. „Das war für die damalige Zeit genau richtig“, sagt Ahmed Karroum, Abteilungsleiter Bau im Landesbetrieb Straßen NRW. „Aber mittlerweile gibt es hier eben eine andere Situation“. Mehr Verkehr. Viel mehr Verkehr. Und weitaus schwerere Laster. Mit den Jahren wurde das Rauschen in den Ohren der Bittermärker immer lauter. Im Mai 2001 hatten einige von ihnen genug. Bezeichnenderweise im Haus Waldesruh formierte sich der bald schon 150-köpfige Verein, der die jetzt sieben Meter hohe Lärmschutzwand an der nördlichen Fahrbahn erstritt. „Im Süden“, erklärt Udo Slabotny, „gibt es leider nicht genug Anwohner für solch eine Maßnahme.“

Immer wieder Einsprüche

Es war ein langer Weg. Einer mit Schlaglöchern. Einer, auf dem viele Konflikte aus dem Weg geräumt werden mussten. Slabotny erinnert sich an zwei Gutachten, die er „bestellt“ nennt, und die den Lärm schön gerechnet hätten. Die Bittermärker machten sich selbst kundig, schoben eigene Messungen nach. Heute wissen sie auch mit professionellen Geräten umzugehen. Und wie man Minister zu Ortsterminen lotst oder Einsprüche schreibt, wissen sie sowieso. Udo Slabotny betont allerdings, dass es mit Straßen NRW nie ein Problem gegeben habe, seit die Zuständigkeit für die Maßnahme von Hamm nach Essen gewechselt habe.

Ein Jahr ist es jetzt her, dass mit dem Bau der langersehnten, rund 900 Meter langen Wand begonnen wurde. Fast drei Millionen Euro betrug die Investition. Einige Elemente fehlen noch, es hat letzte Verzögerungen gegeben. Aber Straßen NRW will die Baustelle auf der A45 etwa Ende September schon mal deutlich verkürzen. Ganz weg kommt sie noch nicht. Es schließt sich noch eine Baumaßnahme an der Talbrücke Rombergholz an.

Und? Herrscht jetzt wirklich Ruhe in der Bittermark? Zumindest nördlich der Autobahn? Die ersten Reaktionen beschreiben die Lärmschutz-Kämpfer als weitgehend positiv. Doch Einstimmigkeit gibt es bei so einem sensiblen Thema nie. Bei Südwestwind wehe immer noch mal Lärm von dort herüber, wo die Autobahn wieder zweispurig wird und die hohe Wand endet. „Einzelne haben auch gesagt, es sei sogar lauter geworden. Aber das ist technisch gar nicht möglich“, sagt Elke Adomeit. Die Bittermärker, die mit Schallschutzgeräten umgehen können, verlassen sich deshalb lieber auf objektiv Messbares. „Wir haben neulich im Garten eines alten Mitstreiters gesessen“, erklärt Udo Slabotny, „direkt an der Autobahn. Hinter der alten, 2,25 Meter hohen Wand haben wir früher 72 Dezibel gemessen. Jetzt waren es 58.“ Einer der glücklichen Anrufer, die sich in den letzten Tagen bei Elke Adomeit bedankt haben, fand dafür diesen Begriff: „Himmlische Ruhe.“

Jürgen Potthoff

Kommentare
17.08.2012
14:51
Zwölf Jahre Kampf für mehr Ruhe
von eddie9983 | #1

Total überraschend, dass es an einer Autobahn lauter ist.

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