Das aktuelle Wetter Dortmund 6°C
Süd

Ein ganz großer Abschied in Schüren

01.02.2008 | 18:01 Uhr

Schüren. "Den kennt doch jeder." Solch ein Satz ist leicht dahergesagt. Es gibt natürlich keinen, den jeder wirklich kennt. Aber es gibt einige wenige Leute, von denen wir das gerne glauben möchten. ...

... Reinhold Venebusch war einer, den immerhin fast jeder kannte. Ein großer Abschied war das gestern in Schüren. Und ein bemerkenswerter dazu: Ein Abschied in einer Kirche für einen Mann, der gar keiner Kirche angehörte. Mit einer Abschiedsrede von einem guten Freund, Gert Rohr, der ebenfalls vor vielen Jahren schon der Kirche den Rücken gekehrt hat. Und mit einem Pfarrer, der mit viel Gefühl die Lebensleistung von Reinhold Vennebusch würdigte.

Das evangelische Gotteshaus an der Schürener Straße war voll. Freunde, Wegbegleiter, Genossen, Gewerkschafter, einstige politische Widersacher und Schürener Bürger aus allen gesellschaftlichen Schichten waren gekommen, um vor allem eines auszudrücken: tiefen Respekt.

Respekt vor einem, der sich eingemischt hatte. Der Aplerbeck jahrzehntelang als Bezirksvertreter und Bezirksvorsteher politisch geprägt hat. Der der Bezirksvetretung 29 Jahre lang angehörte, und nicht eine einzige Sitzung versäumte. Welche Quellen diese Disziplin und diese soziale Einstellung speisten, weiß Gerhart Rohr, der die Trauerrede für seinen Freund hielt. "Reinhold Vennebusch hat die Härten des Lebens gespürt. Er hat früh festgestellt, dass dir im Leben nichts geschenkt wird." Rohr erinnerte an den feinen Familienmenschen Vennebusch und an den streitbaren Politiker mit Ecken und Kanten und einer manchmal rauen Fassade.

"Reinhold Vennebusch hat die Kirchengemeinden vor Ort sehr unterstützt", stellte Pfarrer Hanns Lessing fest. Für einen, der sich in einem so ungewöhnlichen Maße sozial engagierte, gestaltete Lessing einen Abschied mit, der "im Ablauf wie eine kirchliche Beerdigung" sein sollte. Und doch irgendwie ganz anders war: Mit Glockengeläut und Arbeiterliedern, mit Frank Sinatras Abschiedshymne "My way" und dem tiefroten "Brüder, zur Sonne, zur Freiheit."

"Der kannte alle, der konnte organisieren. Reinhold war nie ein Theoretiker, sondern er hat die Politik im besten Sinne als Handwerk betrachtet", sagte die Abgeordnete Ulla Burchardt, für die Vennebusch vier Bundestagswahlkämpfe organisiert hatte. Und diejenigen, mit denen der 100-Prozent-Sozialdemokrat mal angeeckt hatte, honrierten gestern dessen Gradlinigkeit durch ihre Anwesenheit.

Die Trauergäste waren sich einig, dass sie diesen temperamentvollen Genossen vermissen werden. So viele echt kantige Typen gibt es ja nicht mehr in den Parteien. Jetzt ist es wieder einer weniger. Und die anderen, die Weichgespülten, die jedes Wort sorgsam abwägen, die will ja eigentlich keiner kennen.

Von Matthias Korfmann



Kommentare
Aus dem Ressort
Dortmunds ältester Wasser-Hochbehälter verschwindet
Speicher-Relikt
Er hat seine Schuldigkeit getan. Der alte Hochbehälter an der Buswendestelle an der Berghofer Straße. Von 1899 bis 2004 hat er dafür gesorgt, dass es in Berghofen und Umgebung keinen Mangel an Frischwasser gab. Jetzt verschwindet das Relikt.
Vorweihnachtlicher Einkauf in festlichem Ambiente
Candle-Ligth-Shopping
Festlich geschmückte Geschäfte, große Laternen auf dem Gehweg und Kerzen, wohin das Auge reicht. Im Ortskern von Aplerbeck steht am Donnerstag (4. 12.) das zweite Candle-Light-Shopping auf dem Programm.
Lerncoaching für überforderte Schüler
Helene-Lange-Gymnasium
Das Turbo-Abitur G 8 katapultiert die Schüler mit rasanten Tempo aus der Kindheit in die Verantwortung für ein erwachsenes Leben. Viele von ihnen leiden unter Versagensangst. Am Helene-Lange-Gymnasium helfen zwei Lehrerinnen, den Schülern die Angst vorm Scheitern zu nehmen.
So soll die Phoenix-Halle zur Popkultur-Hochburg werden
Pläne für Phoenix-West
Die Phoenix-Halle soll zur europaweit angesagten Konzert-Location werden: Am Dienstag wurden die konkreten Pläne vorgestellt, wie Konzert- und Clubleben für bis zu 3600 Menschen nach Hörde gebracht werden sollen. Hinter dem neuen Betreiber der Halle steht die Firma von vier Giganten der deutschen...
Neuer Ameisenbären-Nachwuchs im Zoo
Fotostrecke
Es gibt wieder Nachwuchs bei den Ameisenbären im Zoo. Die kleine Karina kam am 17. Oktober als Ameisenbär-Baby Nummer 62 zur Welt. In unserer Bilderstrecke zeigen wir Fotos vom dem zuckersüßen Nachwuchs mit der langen Nase.
Fotos und Videos
Nachwuchs bei den Ameisenbären
Bildgalerie
Fotostrecke
Rundgang durch die Phoenix-Halle
Bildgalerie
Fotostrecke
Neues Wohnen im Denkmal
Bildgalerie
Fotostrecke
Gasleck in Barop
Bildgalerie
Fotostrecke