Deutsch lernen durch Plaudern ohne Zwang
04.12.2009 | 19:11 Uhr 2009-12-04T19:11:00+0100
Hörde. Sprache kommt von Sprechen – und genau auf diesem Weg will das pensionierte Lehrerehepaar Klaus Bechtloff und Irmela Emrich Menschen mit Migrationshintergrund die deutsche Sprache beibringen. Mit viel Engagement – und alles ehrenamtlich.
„Wir haben gemerkt, dass die Notwendigkeit an dieser Stelle besteht”, erklärt Klaus Bechtloff schlicht den Beweggrund für ihren Konversationskurs. Einmal wöchentlich für eineinhalb Stunden treffen sich zur Zeit bis zu acht Teilnehmer aus vornehmlich osteuropäischen Staaten im Cafe´ des ev. Gemeindehauses – das die Gemeinde dem Paar zu diesem Zweck kostenlos zur Verfügung stellt.
In gemütlicher Runde sitzt ein Professor aus Russland neben einem Austauschschüler aus Venezuela, eine ehemalige Fabrikarbeiterin aus Polen neben der Ingenieurin aus Kasachstan – sprachlich auf unterschiedlichen Niveaus, was der Diskussion und dem persönlichen Austausch jedoch keinen Abbruch tut. Und wenn Klaus Bechtloff die Teilnehmer mit ruhiger Stimme und einfacher, aber gewählter Sprache zu aktuellen Themen anspricht oder zu persönlichen Erlebnisberichten auffordert, entwickelt sich schnell ein lebhaftes Gespräch, das in ganz andere Richtungen gehen kann und zu dem jeder etwas beiträgt.
Das Ziel des Unterrichts. Denn hier gilt es, Hemmschwellen zu überwinden durch freies Erzählen: „Unser Ehrgeiz ist es nicht, Grammatik und Sprache systematisch zu trainieren”, so Bechtloff. Die meisten hätten ohnehin schon anderweitige Sprachkurse besucht.
»Unser Ehrgeiz ist es nicht, Sprache systematisch zu trainieren.«
Hier wolle man mit Lust zusammenkommen und mit „Spaß am Deutsch sprechen” – natürlich nicht ohne einen unaufdringlichen sprachlichen Schliff. Und das alles in familiärer Atmosphäre.
Da erstaunt es auch nicht, wenn Irmela Emrich das ein oder andere Mal die Notwendigkeit erkennt, auch außerhalb des Kurses für einen der Teilnehmer aktiv zu werden, wenn dieser aus nicht fassbaren Gründen Schwierigkeiten mit deutschen Ämtern hat.
Ein lobenswerter Einsatz des 72-jährigen ehemaligen Deutsch- und Französischlehrers Bechtloff und seiner 69-jährigen Frau, ehemalige Sonderschullehrerin, die grundsätzlich nicht unter Langeweile leiden. Die mehrfachen Großeltern sind familiär in Dortmund, Köln und Berlin gefragt. Sechs Enkelkinder fordern die Aufmerksamkeit.
Und während sich Klaus Bechtloff dem Klavierspiel widmet, neben Klassik gerne auch Jazz, ist Irmela Emrich in Sachen Qigong unterwegs, einer chinesischen Form der Meditation, Konzentration und Bewegung. Nicht nur als Ausübende, sondern auch als Lehrende. Aber auch den Kursabend sieht Bechtloff als Entspannung: „Ich empfinde das nicht als Arbeit”.
Dass sie für ihren Kurs einen Euro pro Stunde und Teilnehmer fordern, hat eher symbolischen Wert: „Ohne Bezahlung ist es für die Teilnehmer nicht so verbindlich”, sieht Bechtloff den psychologischen Hintergrund der Selbstkostengebühr, „dadurch hat der Kurs etwas Verpflichtendes”.
Und, darauf möchten Klaus Bechtloff und Irmela Emrich unbedingt hinweisen, wer Interesse hat, ist immer herzlich willkommen. Nur, auf viel mehr als zehn Teilnehmer sollte die Runde nicht anwachsen. Die private und persönliche Lernatmosphäre in der kleineren Gruppe möchten die Lehrenden gerne erhalten.
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