Aplerbecker Emscher bis 2010 renaturiert
10.07.2009 | 18:03 Uhr 2009-07-10T18:03:00+0200
Ab Januar „werden wir die Leute ärgern”. Das verspricht Waldemar Galla, Projektleiter der Emschergenossenschaft, schon jetzt. Doch die Aplerbecker freuen sich sogar, denn das Ärgernis ist die Renaturierung der Emscher.
Anfang 2010 nehmen sich die Bautrupps die Strecke von der Vieselerhofstraße bis zum zukünftigen Phoenix-See vor. Dreieinhalb Kilometer ist diese lang, unterteilt in vier Bauabschnitte. „Das ist nötig, damit überall parallel gearbeitet werden kann”, so Galla.
Zeit ist die größte Herausforderung
Denn die größte Herausforderung sei die Zeit. Ende 2010 soll alles fertig sein. Insgesamt sechs Millionen Euro verschlingt das Projekt. Die Kosten, die direkt durch die Renaturierung entstehen, kommen aus einem EU-Fördertopf für Ökologie. Waldemar Galla schätzt, dass somit rund dreißig Prozent aus Brüssel finanziert werden.
Während eines Spaziergangs mit Stadtdirektor Ullrich Sierau sowie Anwohnern nahmen Vertreter der Aplerbecker SPD den bereits fertigen Abschnitt ab der Straße „Am Kapellenufer” in Sölde in Augenschein. Hier fließt die Emscher wieder naturnah, und so soll es auch ab Aplerbeck sein. An den Böschungen setzt die Emschergenossenschaft auf die so genannte „Initialbepflanzung”. „Das sind Pflanzen, die von selbst kommen”, so Galla. Die Genossenschaft übernimmt dann die Pflege. Darüber freute sich nicht nur Gerhart Rohr von der SPD. Er bemängelte eine „Verbuschung der Emscher. Da müssen sie sich an manchen Stellen bücken, um das Wasser zu sehen”.
Verschwinden wird bald der in die Jahre gekommene Bauzaun am Aplerbecker Markt. Denn gesichert werden die Böschungen zum Fluss mit hochwertigen Edelstahlgeländern. Einzig an der Stelle, an der die Emscher unter der Köln-Berliner-Straße durchfließt, bleibt alles, wie es ist.
Freuen können sich nicht nur Spaziergänger, sondern auch Radfahrer. Nach den Kanalarbeiten vor rund drei Jahren sind die Wege bis zum Phoenix-See bereits vorhanden. Waldemar Galla hat den Anwohnern zudem zugesagt, dass ein Faltblatt über Behinderungen informiert.
23:20
Was den Aspekt des Rinnsals angeht, ist das Entscheidende, dass überhaupt eine Kontinuität des Reinwasserlaufs der Emscher geschaffen wird. Bisher geht sämtliches Wasser, das die Emscher von der Quelle an mit den Zuflüssen ansammelt, an mehreren unterirdischen Stellen in Holzwickede, Sölde und Aplerbeck komplett wieder verloren, da es jeweils in den Abwasserkanal geleitet wird (per Email von ELG bestätigt; man muss nur z.B. die Abflussmenge im Park Holzwickede mit der vergleichen, die am Vincent Wiederholt-Werk zw.Holzw.u.Sölde ans Tageslicht tritt - nämlich fast 0). Laut ELG wird die entspr.Lücke unter dem Aplerbecker Marktplatz in Okt.09 geschlossen - man kann nur hoffen, das bald auch die anderen Unterbrechungen geschlossen werden. Ein Rinnsal, das alle paar km wieder von Null beginnt, hat mit einem Fluss nichts zu tun und auch ökologisch nur minimalen Wert.
00:49
Noch ein Nachtrag an die Fake Bros. (auch wenn ich das in den letzten 12 Monaten schon mehrfach schrob;-):
Im Hochwasseraktionsplan 2005, angefertigt von Emschergenossenschaft und den Emscherstädten als deren kommunale Träger, kommen die Nebenflüsse der Emscher - trotz anderslautender Empfehlung aus Ddorf und Arnsberg - überhaupt nicht vor.
Der Ausfall von Pumpen in den Nebenfluss-Pumpwerken bei Überlast wird darin sogar in Kauf genommen, damit zuviel Hochwasser dann dort verbleibt, wo es sich lokal ansammelt und damit nicht die Emscher mit ihren Klärwerken und anliegenden Industriegebieten zusätzlich auffüllt.
Das ist zwar eine völlig legitime Risikoabwägung im Katastrophenfall und wird überall auf der Welt so gehandhabt, aber nach dem Jahrtausendhochwasser, dem folgenden politischen Bohei und den Prognosen der Gutachter gehen die Planungen der EG dann lieber doch in Richtung Deicherhöhungen und Verbreiterung der bestehenden Regen- und Hochwasser-Rückhaltebecken. Da das zusätzlich Geld kostet und dies ebenso knapp ist wie ausreichend natürliche Flutgebiete an den Rändern des Emschersystems, wirds nix mit dem Auenland Ruhrgebiet.
15:28
So so - ein Spaziergang an der renaturierten Körne soll also ausreichen um über den Umbau des Emschersystems und den damit verbundenen Hochwasserschutz hinreichend informiert zu sein?
Wo vaikl Recht hat, hat er Recht. Der ambitionierte Umbau des Emschersystems hat bei der Planung einige Problembereiche ausgeklammert bzw unterschätzt. Da sind - profan - zuerst die geschätzten Gesamtkosten zu nenen aber auch der Eingriff in die Hydrogeologie der Region zieht weitreichende Folgen nach sich. Mit den Jahrhundert- und Jahrtausend-Hochwässern der letzten Jahre musste auch der Hochwasserschutz - zuvor noch angeblich optimal - nun deutlich nachgebessert werden. Das kostet wiederum Zeit und Geld und beschert neue Deichsysteme. Weil - so ganz natürlich hieße auch ganz normal immer wieder - für viele Einwohner des Ruhrgebietes - im Hochwasser zu stehen. Das will wohl keiner - oder?
13:14
@#2
Die Körne ist kein Emscherzufluss, da sie im Klärwerk Scharnhorst entspringt und in die Seseke mündet. Sie wurde ab 2002 für über 23 Mio. Euro im Rahmen des Sesekeprogramms vom Lippeverband eigenständig umgestaltet.
Solche Summen für *einen* Bachlauf konnte man vor 7 Jahren evt. noch stemmen; 2009 sieht die Finanzlage anders aus, was sich ja auch durch den Mittelstopp für den *Emscher*umbau durchs Land manifestiert.
Überdies ist ein Rückbau der Deiche als Voraussetzung für einen natürlichen Bachlauf, so wie es an der Körne praktiziert wurde, nach den Starkregenfällen und Hochwassern der letzten Jahre nur - wie ich schrieb - an wenigen Stellen mit ausreichender Überlauffläche überhaupt noch eine Option.
Kloppen Sie sich lieber mit ihrem Fascho-Namensvetter, da kommt mehr Sinnvolles bei rum.
11:18
Lieber Vaikl - vielleicht sollten Sie mal einen Spaziergang entlang der renaturierten Körne machen - dann würden Sie nicht so einen Blödsinn verzapfen!
02:03
Da müssen sie sich an manchen Stellen bücken, um das Wasser zu sehen”
Hat Herr Rohr jetzt ernsthaft geglaubt, durch die Renaturierung entstünde eine Art Gartenparadies mit Plätscherbrunnen, springenden Bachforellen und Uferlandschaften mit Bootssteg? Die Naivität unserer Politiker ist schon erheiternd, wenn es nicht so teuer-traurig für uns Bürger wäre.
Die sog. Renaturierung dient zu allererst dem Zweck, belastetes Abwasser wie überall sonst unter die Erde in Rohre zu verfrachten, damit Schadstoffe nicht mehr bei jedem Hochwasser auf großen Flächen entlang des Emschersystems in den Boden und ins Grundwasser gelangen.
Eine naturnahe Umgestaltung der bisherigen Zuflüsse wird keine schicke Auenlandschaft hervorbringen. Auch das ursprünglich als Vision angedachte Mäandern der alten Kanäle wird aus Kostengründen nur auf ganz wenige, ausgewählte Bereiche, an denen sowieso kaum Bebauung besteht, beschränkt bleiben.
Herr Rohr sollte froh sein, wenn die Zuläufe zwischen den ja notwendig hohen Deichen demnächst durch starken Überwuchs im Schatten liegen, denn nach einigen Tagen im Sommer ohne Regen und demzufolge auch ohne Strömung fängt das kleine Restrinnsal in der Sonne durch Algenbildung noch schlimmer an zu stinken wie zu alten Abwasserzeiten.