Studenten besetzen Uni-Hörsaal
24.11.2009 | 18:10 Uhr 2009-11-24T18:10:00+0100
Dortmund. „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut.” Unter diesem Schlachtruf besetzten Dienstagmittag gegen 13.20 Uhr einige Dutzend Studenten einen Hörsaal an der Technischen Universität – auf unbestimmte Zeit. Damit ist der Bildungsstreik nun auch in Dortmund angekommen.
Der Druck hatte sich in der vergangenen Woche langsam aufgebaut. In der Fachhochschule hatten sich erste Studierende formiert, um sich mit den anderen, sich bereits im Streik befindenden Universitäten zu solidarisieren. Innerhalb von vier Tagen hatte der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der TU dann eine Demonstration organisiert.
Als sich am Dienstag um 11 Uhr rund 1000 Studierende gegenüber dem Hauptbahnhof treffen, ist noch nicht abzusehen, wie sich der Tag entwickelt. Die Demonstranten ziehen durch die Innenstadt zum Friedensplatz, um vor dem Rathaus ihre Forderungen an die Regierungen in Berlin und Düsseldorf zu formulieren: Weg mit den Studiengebühren, weg mit dem Leistungsdruck in den Bachelor-Studiengängen und weg mit dem selektierenden Schulsystem. „Ich habe nicht das Gefühl, dass die Studiengebühren uns zugutekommen. Wir sitzen mit 100 Leuten in einem Raum für 40 Studierende”, klagt Lehramt-Student Niklas Bell.
Für die angehende Reha-Wissenschaftlerin Katharina Schabarum „gehören Studiengebühren – in Dortmund 700 Euro pro Semester – abgeschafft: Sie verhindern die Chancengleichheit.”
»Es kann nicht sein, dass die Kurs-Teilnahme ausgelost wird«
Im Anschluss an die Kundgebung trottet das Gros der Teilnehmer in Richtung Bahnhof, wohl die Worte einer Rednerin noch im Kopf: „Überall im Land sind Hörsäle besetzt. Warum nicht in Dortmund?” Nach einer kurzen Blockade des Königswalls dann der Entschluss: Uni stürmen.
Ole Lünnemann, Pressesprecher der TU, zeigte Verständnis für den Ärger der Studierenden: „Viele Seminarräume sind überfüllt. Zudem müssen die Bachelor-Studenten richtig ackern, um den Stoff mitzubekommen.”
Er wehrt sich jedoch gegen die Vorwürfe, dass die Uni die Studiengebühren nicht in die Lehre investiere: „Die Studie-renden waren an allen Entscheidungen beteiligt, was mit dem Geld geschehen sol. Alles lief und läuft transparent ab.” Als Beispiel nannte er die Fachschaft Physik. Alle Vorschläge aus dieser Richtung seien umgesetzt worden.
Aus den zwei Dutzend Erstbesetzern werden bis 15 Uhr 400 Studenten, die sich im Hörsaal I des Gebäudes Emil-Figge-Straße 50 einfinden. Die Stimmung ist aufgeheizt, aber friedlich. Nun heißt es Struktur in die spontane Aktion zu bringen: Forderungen formulieren und verbreiten, Essen und Pressearbeit organisieren. Der AStA unterstützt die Besetzung nicht. Mitglieder des Komitees für freie Bildung (KFFB), ein Spektrum als links geltender Studenten, übernehmen die Planungen. Aber auch nicht organisierte Studenten wie Chio (24) melden sich zu Wort: „Es kann nicht sein, dass ausgelost wird, wer am Kurs teilnehmen darf und wer nicht, weil die Räume zu klein sind und dann auch noch Geld von uns verlangt wird.”
Für Mittwoch 14 Uhr haben Asta und Uni-Leitung eine Studenten-Vollversammlung vereinbart, um gemeinsam zu diskutieren. Bis dahin wird der Hörsaal I wohl besetzt bleiben. Eine Räumung sei nicht geplant. Um 17 Uhr treffen erste Schlafsäcke und Pizza-Lieferungen ein.
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