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Signal-Iduna bringt andere Standorte ins Spiel

02.02.2010 | 18:27 Uhr

In ungewöhnlich scharfer Form hat der Vorstandsvorsitzende der Signal-Iduna-Versicherungsgruppe jetzt die Dortmunder Politik gegeißelt. Die letzte Erhöhung des Gewerbesteuersatzes, so Reinhold Schulte, koste den Konzern eine Million Euro im Jahr zusätzlich.

„Das ist wettbewerbsschädigend, und das werden wir auf Dauer nicht mehr akzeptieren”, sagte er. Ein großer Konkurrent, weiß er, „zahlt jährlich 8,5 Millionen Euro weniger”. Der Signal-Iduna lägen „viele, gute, konkrete Angebote” anderer Kommunen vor. „Es ist beeindruckend, was Bürgermeister mir geschrieben haben.” Arbeitsplatzverlagerung? „Überhaupt kein Problem.”

Hebesatz liegt über dem von Hamburg

Schulte weiß natürlich, dass er schlecht mit seinem Konzern umziehen kann, aber beim heutigen Stand der Kommunikationstechnik sei es sehr einfach, Bereiche auszulagern. Er fühle sich erpresst. Dortmund liege beim Hebesatz inzwischen über Hamburg.

Den Chef der Wirtschaftsförderung, Udo Mager, mal herausgenommen, sei es schwierig, mit der Dortmunder Politik Wirtschaftsgespräche zu führen. „In Berlin”, so seine Erfahrung, „hört man sich die Wirtschaft noch an – das hat man hier überhaupt nicht gemacht.” Er sehe nicht mehr ein, warum die Wirtschaft das, was die Politik in der Vergangenheit versäumt habe, ausbaden müsse.

Seine grundsätzliche Frage angesichts der maladen Haushaltslage: Warum leistet sich Dortmund einen Flughafen, der dem Stadtsäckel jedes Jahr 20, 25 Millionen Euro entzieht? Eine Investitionsruine auf wirtschaflich unsicherem Grund. Der Wirtschaft bringe das Flugareal nicht besonders viel. Denn: „Was nützt es einer Firma hier, dass man von Dortmund aus in den Urlaub fliegen kann?” Noch nicht mal das Drehkreuz Frankfurt könne von hier aus angeflogen werden. Dass man nach wie vor daran festhalte, verstehe er nicht. „Unternehmer nehmen falsche Entscheidungen zurück”, sagt er, „um nicht noch mehr Geld zu verbrennen. Was kann man mit 20 Millionen Euro alles machen?”

60 Millionen Euro in Anbau investiert

Was die Signal-Iduna zuletzt mit erwirtschaftetem Geld gemacht hat, lässt sich am Stand des Anbaus auf dem Firmensitz längs der B1 sehen. Die 60 Millionen Euro teure Investition mit einer Nettofläche von 8 500 Quadratmetern für 350 Arbeitsplätze soll im Juli bezogen werden. Etwas verspätet, „aber der Kampfmittelräumdienst hat so lange gebraucht”. Abgesehen davon sei es schwierig gewesen, den Altbau mit dem Neubau zu verknüpfen, weil es den Hersteller der Bauelemente nicht mehr geben würde. Ersatz habe man in Belgien gefunden.

Alles in allem blickt Signal-Iduna auf ein gutes Geschäftsjahr 2009 zurück. Durch verschiedene Fusionen habe der Konzern seinen Kundenstamm auf 13,5 Millionen erhöht.

Dirk Berger

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