Rechte terrorisieren Dortmunder Familie
07.10.2009 | 06:00 Uhr 2009-10-07T06:00:00+0200
Dortmund. Barbara Engelhardt ist eine Kämpferin für Toleranz und Vielfalt, Multikulti und Menschenrechte. Demokratin durch und durch. Seit Monaten wird sie von Nazis terrorisiert. Jetzt haben die Rechten Engelhardts Auto zertrümmert - und die 47-Jährige an den Rand der Verzweiflung getrieben.
„Ich kann nicht mehr”, sagt Barbara Engelhardt verzweifelt. Die 47-Jährige aus Dortmund Dorstfeld setzt sich mutig für Menschenrechte und Demokratie ein. Doch beim Anblick, der sich ihr am Dienstag bietet, verlassen sie die Kräfte. Die Heckscheibe ihres Autos ist zertrümemrt. Sie bricht zusammen, weint. „Bald haben die es geschafft...” Die – das sind Nazis. Rechtsradikale, bekannt bei der Polizei.
Wittener Straße 10, das alte evangelische Gemeindehaus. In der zweiten Etage wohnt Barbara Engelhardt mit Ehemann Joachim Striepens (43) und Sohn Yasa. Der 18-Jährige ist engagierter Antifaschist. Seit einem Jahr. „Wegen der ganzen Aufmärsche und Demos der Rechten. Die betrachten Dorstfeld ja als ihr Revier”, sagt Barbara Engelhardt. Und die friedensbewegte Familie wohl als Eindringlinge. Seit einem halben Jahr, seit die Dorstfelder beschlossen haben: „Wir zeigen Gesicht!” – seither machen die Nazis ihnen die Hölle heiß.
Nazi-Aufkleber über Friedenstaube
Am 28. April, es ist Barbara Engelhardts Geburtstag, haften Nazi-Aufkleber am Haus. Als die Familie sie entfernt, schauen drei Neonazis von der anderen Straßenseite zu. Barbara Engelhardt ruft die Polizei. Als sie kommt, räumen die Nazis das Feld. Vorerst.
Ein paar Tage später ist die Friedenstaube auf dem Privat-Pkw mit einem Nazi-Motiv überklebt. Auch das wird abgeknibbelt, doch kurz darauf kommt es dicker. „Sie haben das ganze Auto besprüht, mit schwarzer Farbe”, sagt die Mutter. „Schon da haben wir uns bedroht gefühlt.” Es kommt schlimmer.
Pflasterstein durchschlägt Fenster
Am 28. August um 2.20 Uhr reißt ein Knall die Familie aus dem Schlaf. „Ein Anschlag!”, denkt jeder – und hat Recht: Ein Pflasterstein hat das Küchenfenster durchschlagen. Draußen quietschen Autoreifen. Die Täter entkommen im Dunkel der Nacht. Es ist die Nacht, in der Barbara Engelhardt spürt, dass es an ihre Substanz geht. Der Psychoterror reißt Wunden in die Seele.
Sie setzt „einen Hilferuf” ab, schreibt eine E-Mail an das Büro für Vielfalt und Toleranz. Kopien habe sie an Ullrich Sierau (SPD), Frank Hengstenberg (CDU) und Mario Krüger (Grüne) geschickt, sagt Barbara Engelhardt. Doch: „Nicht einer hat geantwortet.”
Im Stich gelassen
Gestern sind Front- und Heckscheibe des Familiengefährts eingeschlagen. Ein Stein liegt auf der Rückbank. Aufgebrochen ist das Auto nicht. Es fehlt auch nichts. Ein reiner Zerstörungsakt also. Das ist zuviel für die 47-Jährige. „Ich kann nicht mehr”, sagt Barbara Engelhardt. Sie fühlt sich alleine, im Stich gelassen – von Politik, Polizei, Gesellschaft. „Absolut hilflos.”
Drei Anzeigen hat sie erstattet. „Zwei Verfahren sind von der Staatsanwaltschaft eingestellt”, sagt Polizeisprecher Wolfgang Wieland. Und: Die Polizei stehe der Familie gerne mit Rat und Tat zur Seite. Barbara Engelhardt hat Zweifel. Aber nicht an ihrem Sohn. Yasa, der 18-jährige Antifaschist, das sei kein Straßenkämpfer. Keiner, der mit Steinen auf Nazis werfe. Polizeisprecher Wieland bestätigt das.
"Tut was, verdammt nochmal"
Barbara Engelhardts Wunsch: „Dass die Bevölkerung endlich wach wird und, verdammt nochmal, was tut. Wenn wir alle Gesicht zeigen, sind wir stärker. Die können ja nicht überall die Fenster einschmeißen.”
16:41
Ein probates Mittel wäre ein funktionierendes Staatsgebilde, in welchem ,wie würde Herr Westerwelle skandieren: Arbeit sich wieder lohnt! Dazu müssen jedoch einige Vorbedingungen geschaffen werden, da muss das Geld, welches in Afghanistan verpulvert wird und die aus Steuern vor dem Crash bewahrten Banken, die Industrie ankurbeln. Dazu gehört allerdings Mut, um mit dem Slogan des Herrn Obama den Alliierten zu sagen:Yes we can. Mit anderen Worten: Schafft Arbeit und Einkommen für alle, dann wird die braune Flut ein Ende haben.
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10:28
@uljanow: Sie haben ganz Recht, das wäre kein gutes Zeichen. Zum Glück aber zieht die Familie Engelhardt auf eigenen Wunsch aus...an einen Ort ihrer Wahl.
09:55
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09:33
-Yasa, der 18-jährige Antifaschist, das sei kein Straßenkämpfer.-
Soso, kommt also alles nicht von ungefähr. Ich hoffe mal, der oder die Reporter haben nicht zufällig irgendwelche Kleinigkeiten zu diesem Fall vergessen zu erwähnen.
Ansonsten: Optimistisch denken! 5 Kilo abgenommen und Dortmund ist mit Sicherheit nicht die schönste Stadt. Vielleicht aufs Land ziehen, da ist es ohnehin ruhiger.
23:04
Was macht denn Yasa der kleine Steinewerfer?
19:52
@mokdo
Ich habe es in meinem Kommentar ein paar Zeilen später geschrieben: Ich wohne leider viel zu weit weg. Ich kann nicht einfach mal um die Ecke kommen.