Polizei Dortmund soll Nazi-Hinweis nach NSU-Mord ignoriert haben
03.06.2012 | 19:29 Uhr 2012-06-03T19:29:00+0200
Dortmund. Entgegen ihrer bisherigen Darstellung soll die Polizei bereits 2006 Hinweise auf einen rechtsradikalen Hintergrund der Mordserie an Einwanderern gehabt haben, sei der Spur jedoch nicht nachgegangen. Eine Zeugin hatte einen Verdächtigen mit dem Worten "vom Typ her sei der Radfahrer „ein Junkie oder ein Nazi gewesen“ beschrieben.
Die Polizei soll schon unmittelbar nach dem Mord an dem Dortmunder Kioskbesitzer Mehmet Kubasik im Jahr 2006 Hinweise bekommen haben, dass die Täter aus der rechten Szene kommen. Dieser Hinweis einer Zeugin soll allerdings von der Kripo nicht an die zentrale Ermittlungseinheit weitergegeben worden sein. Über diese, möglicherweise schwer wiegende Ermittlungspanne berichtet das Münchener Magazin „Focus“ in seiner heutigen Ausgabe.
Der Dortmunder Kioskbesitzer war bereits das achte von insgesamt zehn Opfern: Seine Mörder töteten ihn am 4. April 2006 in seinem Geschäft in der Nordstadt eiskalt mit einem Kopfschuss. Mittlerweile werden die Ermordung Kubasiks und deutschlandweit neun weitere, spektakuläre Morde der rechtsradikalen Terrorgruppe NSU zugeschrieben, die die Einwanderer und eine Polizistin gezielt töteten.
Das Trio aus Jena flog erst im November 2011 auf. Seitdem stehen Polizei und Verfassungsschutz, aber auch die Politik heftig in der Kritik: Die Ermittler hätten bei der Suche der Mörder versagt und seien auf dem rechten Auge blind gewesen.
Aussehen wie "ein Junkie oder Nazi"
Der „Focus“-Bericht bestätigt diese Einschätzung. Demnach hat eine Zeugin nach dem Verbrechen in der Dortmunder Nordstadt der Polizei von zwei verdächtigen Männern berichtet. Einer der Männer hätte auf einem Fahrrad gesessen; sein grimmiger Blick sei „unheimlich“ gewesen, gab die Kroatin zu Protokoll. Bei der Auswertung von Bildern, die eine Überwachungskamera einer nahe gelegenen Sparkasse aufgezeichnet hat, ist das Duo zu sehen. Die Polizei hält die Zeugin für so glaubwürdig, dass das Landeskriminalamt in Düsseldorf Mitte Juni 2006 laut Focus sogar ein Phantombild zeichnet: Diese Skizze soll die beiden NSU-Haupttäter Uwe Mundlos oder Uwe Böhnhardt zeigen.
Die Dortmunder Polizei weist die Vorwürfe im Zusammenhang mit den NSU-Morden zurück. In unterschiedlichen Aktenvermerken der damaligen Mordkommission "Kiosk" des Polizeipräsidiums Dortmund wurde dokumentiert, dass die Zeugin die beiden Personen vom Erscheinungsbild her wie betrunkene Junkies oder Nazis beschrieben hat, heißt es in einer Pressemitteilung.
Daraufhin sei eine Öffentlichkeitsfahndung mit Phantombild nach den beiden Personen eingeleitet worden. Diese Vermerke seien Gegenstand der Ermittlungsakte, die in vollem Umfang der BAO (Besondere Aufbauorganisation) Bosporus und damit allen von der Mordserie betroffenen Strafverfolgungsbehörden zugänglich war. Da dieser Spur eine besondere Bedeutung zugemessen wurde, sei sie auch Gegenstand von Besprechungen der BAO Bosporus, wie mit dieser Spur ermittlungstaktisch weiter zu verfahren ist. Der Vorwurf, die Dortmunder Polizei hätte Informationen im Hinblick auf mögliche rechtsradikale Täter vorenthalten, sei unzutreffend, heißt es weiter.
Allerdings soll die Kripo den entscheidenden Hinweis der Zeuginnenaussage nicht an die übergeordneten Sonderermittler der Einheit „Bosporus“ weitergeben haben. Vom Typ her sei der Radfahrer „ein Junkie oder ein Nazi gewesen“, soll die Frau bereits bei einer Befragung am 16. Juni 2006 gesagt haben.
In einem weiteren Vermerk schreiben die Beamte: „Die Männer sollen wie Rechtsradikale ausgesehen haben“. Laut Zeugin waren sie 25 bis 30 Jahre alt, 1,80 Meter groß, schlank. Und: „Sie wirkten auf mich wie Deutsche.“
Die Kripo soll an die Sondereinheit „Bosporus“ aber nur übermittelt haben, die Verdächtigen hätten wie Junkies, also Drogenkriminelle, ausgesehen – den Neonazi-Aspekt hätten sie unterschlagen. Ein ehemaliger Fahnder der „Bosporus“-Gruppe, auf die Umstände angesprochen, soll laut „Focus“ fassungslos gewesen sein. Hätte man den Hinweis vor sechs Jahren erhalten, wäre man dem Aspekt möglicher rechtsextremer Täter stärker nachgegangen.
23:21
Wenn die Zeugin das mit den Radfahrern der Polizei mitteilt, dass hätten die sich vom Verfassungsschutz einfach eine Liste mit den dort erfassten Radfahrern schicken lassen können.
Und schon wäre die Falle zugeschnappt.
Im Ernst, es geht nicht darum die Nichtauswertung vorhandener Spuren zu erklären, sondern die totale Abwesenheit von Spuren mit erfundenen "Fahndungspannen" zu "begründen".
Im ersten Drehbuch hieß es noch ein weltweites Nazinetzwerk hätte die Opfer ausspioniert und Uwe&Uwe dann nur als Vollstrecker ...
Nun wurde das Drehbuch umgeschrieben. Das Terrorzellennetzwerktrio hat alleine gehandelt. Uwe&Uwe sind also in der Nähe der Tatorte x-mal rumgelaufen - ohne eine einzige klitzekleine Spur zu hinterlassen.
Klingt komisch. Ist auch komisch.
17:56
Was für ein journalistischer Schwachsinn... Da hat ein Schreiber aber maximal bis zum Rand seines Bildschirms gedacht - und kein Stück weiter - als er diesen albernen Vorwurf so reißerisch an die Öffentlichkeit brachte...
Selbst wenn die Behauptung wahr wäre - was bitte wäre den Beamten vorzuwerfen? Was bitte hätte man mit dieser vagen und zudem absurden Beschreibung von zwei Personen, die zur Tatzeit in Tatortnähe gesehen wurden, denn anfangen können oder sollen? Hat dieser Journalist in seinem Leben jemals kriminalistisch und rechtsstaatlich ermittelt, oder hat er all seine Kriminalweisheiten aus dem Fernsehen? Mann-oh-Mann... Aber wenn man sieht, wie gedankenlos nun die Mehrheit der Leser auf derartiges Geschwafel anspringt und nun in das laute Aufschreien mit einstimmt, dann wundert einen nichts mehr...
Im Übrigen:
Die Ermittlungsbehörden haben klargestellt, dass die Behauptungen falsch sind und nicht nur das: Sie haben sogar dargestellt, was sie mit den Infos damals getan haben.
11:41
@3:
Nazis sehen doch wie Junkies aus. Schau sie dir doch mal an!
Fatal, dass die Dortmunder Polizeit -wie so oft- diesen Hinweis mal wieder ausgeblendet hat.
Das nennt man dann wirklich "auf dem rechten Auge blind"!
11:18
"Junkie oder Nazi" - jaah neeh iss klah - eine so präzise Täterbeschreibung und "Junkies" und "Nazis" sind ja auch kaum auseinander zu halten. Bei solcher Argumentation ist es kein Wunder, dass die Ermittlungen im ominösen Fall des NSU nicht zu konkreten Ergebnissen führen.
Reduziert man die Aussage auf den Kern, dann hat eine Frau zur vermuteten Tatzeit in der weiteren Umgebung des Tatortes zwei Männer gesehen, von denen einer ein Fahrrad schob und nach Ansicht der Frau wie ein Junkie oder Nazi aussah. Zur Tat selber kann sie keine Aussagen machen. Und - hat sie denn nun im Nachhinein nach 6 Jahren die beiden mutmasslichen Täter wieder erkannt? Bei der "Präzision" der damaligen Aussage, würde mich das wundern!
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10:24
Dortmund war doch jahrelang auf dem rechten Auge blind,dass sieht man schon daran wie diese braune Brut sich ausgebreitet hat.
09:27
Hinterher ist man immer schlauer.