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Vier Tage zurück ins Mittelalter

10.06.2012 | 15:39 Uhr
Vier Tage zurück ins Mittelalter
Auch verschiedene Greifvögel gab es beim fünften Mittelalter-Gaudium im Volksgarten Mengede zu bestaunen. Foto: Kevin Schrief

Mengede.   „Der Zuber ist leider ausgebucht“, schmunzelt der junge Schankwirt von nebenan. Macht nichts, denn beim fünften Mittelalter-Gaudium im Mengeder Volksgarten gab es noch jede Menge anderer Attraktionen.

„Der Zuber ist leider ausgebucht“, schmunzelt der junge Schankwirt von nebenan. Dann öffnet er gekonnt mit dem Messer den metallenen Kronkorken der Neuzeit, der den Durstigen noch vom süßlich schmeckenden Gerstensaft trennt: Das Odin-Bräu hat 5,4 Volumenprozent Alkohol in sich. „Dunkles Starkbier mit Honig“, weiß ein Vollbärtiger aus dem Zuber. „Das zieht im warmen Bad besonders ‘rein!“ Bügelflaschen wären passender gewesen – aber in Dortmund schmeckt Bier schließlich aus jedem Gefäß.

Mann gegen Mann in der Arena

Der große Holzbottich ist eine der besonderen Attraktionen auf dem fünften Mengeder Gaudium. Vier Tage lang – von Donnerstag bis gestern – hat sich im 100-jährigen Volksgarten alles ums Mittelalter gedreht. Doch anders als damals dient der Zuber diesmal nicht bloß der Körperpflege. Die Bürste zum Rückenschrubben bleibt links liegen. Eher massiert der Vollbärtige seiner Partnerin zärtlich die strapazierte Wirbelsäule mit den bloßen Händen.

Draußen mag das Wetter noch so unterschiedlich sein: Ein Thermostat sorgt im Bottich für konstant wohlige Wasserwärme. „Das Wasser wird einmal am Tag gewechselt“, sagt der Wirt. Hunderte von Litern könne man nicht „einfach schnell mal“ ab- und wieder einlassen. Im Mittelalter ist das nicht anders gewesen. Doch eine ausgeklügelte Filtertechnik aus der Neuzeit garantiert beim Gaudium-Zuber, dass das Nass auch bei der nächsten Bade-Gruppe den hygienischen Standards standhält.

Badespaß macht hungrig: Ein paar Stände weiter drehen sich Mutzbraten (besonders marinierter Schweinenacken) und eine komplette Sau auf offenem Grill. „Bauchvoll“ ist dabei durchaus wörtlich zu nehmen: Wer das ordert, bekommt gleich doppelt vom Schwein – und noch ein paar Beilagen dazu. Danach hilft nur noch ein Verdauungs-Schnaps nach Hause. Der Volksgarten gleicht an vier Tagen einer mittelalterlichen Zeltstadt: „Rund 500 Teilnehmer leben vier Tage lang im Park“, erklärt Detlef Huß, der gemeinsam mit seiner Frau Erika Wiedemann-Huß das Gaudium fürs Stadtbezirksmarketing nun schon zum fünften Mal organisiert. Kunsthandwerk steht dabei hoch im Kurs: Hans Schrewe bietet seine selbstgezogenen bunten Duftkerzen feil. „Früher habe ich mit meinem 40-Mann-Betrieb die großen deutschen Warenhäuser beliefert“, erzählt der gebürtige Hamburger. Dann habe ihm die Konkurrenz aus China das Geschäft „kaputtgemacht“.

Globalisierung ist für den Pfannkuchen-Mann „Henry“ indes kein Thema. Denn die schmecken bekanntlich nur heiß – und lecker mit Zimt-Zucker-Mischung bestreut oder mit Apfelmus bestrichen. Seine mittelalterliche Crêpes-Kreation findet reißenden Absatz.

Die große Wiese im Mengeder Volksgarten als altertümlicher Marktplatz: Suppen und Seifen, im Holzofen gebackene Brote, Lederwaren und Handgesponnenes, Mäuse-Roulette und Falknerei – die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Armbrustschießen und ein Ritterturnier sorgen bei den Kleinen für Kurzweil.

„Wir kommen schon seit fünf Jahren zum Gaudium“, sagt Beate Fischer aus der Mengeder Heide. Ihr etwas älterer Sohn tobt sich beim Ritterturnier aus, der jüngere schleckt mittelalterliche Eiskrem. In der anderen Hand hält er seine Mutter fest. Ehemann Andreas hat sich indes unter die Zuschauer in der Kampfarena gemischt. Dort geht es Mann gegen Mann. Einige der Kontrahenten sind wohlbeleibt. „Die werden wohl so manchen Schlag unbeschadet wegstecken“, meint Andreas Fischer – und freut sich schon aufs nächste Gaudium.

Sebastian Schulte



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