Den Ernstfall auf "Hansa" geprobt
07.03.2010 | 16:01 Uhr 2010-03-07T16:01:00+0100Huckarde. Eigentlich sollte es nur eine kleine, wenn auch nicht ganz legale Party in einer stillgelegten Industriebrache werden. Doch Maximilian, Sarah und ihre Freunde werden von einem Feuer überrascht.
Rasch breitet sich der Rauch aus, die Sicht wird schnell schlecht. Glück im Unglück: die Freiwillige Feuerwehr ist sofort da, denn sie musste erst gar nicht gerufen werden. Insgesamt elf Lkw, Unimogs und Kleinbusse samt Besatzung stehen auf dem Parkplatz neben der Kokerei Hansa bereit für ihren Einsatz. Brandoberinspektor Sven Stämmler hat die auf drei Stunden angesetzte Großübung am Samstag (6.) organisiert und überwacht die Aktion, an der rund 90 Personen beteiligt sind.
Maximilian Lamprecht, einer der Jugendlichen, liegt jetzt bereits auf einer Trage. „Zehn Minuten musste ich warten, dann kam die Feuerwehr. Das haben die gut gemacht”, sagt er im Nachhinein. Doch seine Rolle endet nicht mit der Rettung aus dem - mit ungefährlichem Diskonebel - verqualmtem Hochhaus der Kokerei, wo früher die Lehrlingswerkstätten waren. Maximilian liegt zwar sicher auf einer Trage, schlägt aber wild um sich, will zu seiner Freundin. „Sarah!” ruft er immer wieder, seine aufgeschminkte Gesichtsverletzung wirkt gruselig echt. Sobald der Notarzt eintrifft, ist das Schauspiel beendet.
Für die Feuerwehrleute sei das nicht ungewöhnlich, erklärt Sven Stämmler, viele Opfer reagieren im Schock unvorhersehbar, reden wirres Zeug. „Für uns ist die Menschenrettung das Wichtigste”, fügt er hinzu. Deshalb wird erst jetzt, nachdem alle Verletzten aus der ehemaligen Werkstatt gerettet sind, der eigentliche Brand bekämpft.
Der Einsatzleiter hat an diesem Nachmittag allerdings noch zwei weitere Schauplätze inszeniert. Gleich gegenüber von der alten Werkstatt, im Kältehaus, qualmt es ebenso gewaltig. Die Herausforderung hier: „Es brennt im Keller. Die Feuerwehrleute kennen zudem weder das Gelände noch die Gebäude”, erklärt Stämmler. Gute Voraussetzungen für eine Übung, die aber auch schnelles Reagieren verlangen. Folglich wisse auch niemand, welche Maschinen oder sonstige Gegenstände ihm im Weg stehen.
Parallel kümmern sich andere Mitglieder der beteiligten Löschzüge 17 (Persebeck), 18 (Oespel/Kley), 19 (Lütgendortmund) und 21 (Bodelschwingh) um die Opfer eines Verkehrsunfalls, den ebenfalls Organisator Stämmler zu verantworten hat. Drei Pkw sind schrottreif, zwei davon liegen auf den Dächern. "Erst sichern", sagt ein Wehrmann, ein junger Kollege legt zusammengerollte Schläuche unter die Karosserie, dann spricht er eine Verletzte an. „Eine Person bleibt immer bei den Opfern, bis der Notarzt eintrifft", sagt der Übungsleiter. Das die nicht gewechselt wird sei wichtig, um Vertrauen zu schaffen und zu beruhigen.
Die Übung geht langsam zu Ende, das teilweise schrille Fiepen der Funkgeräte wird leiser. Vor dem Kältehaus röhrt noch der Motor eines Entlüftungsgebläses, einige Lkw-Motoren laufen. Alle drei Übungsszenarien haben die Wehrleute im Griff, die „Verletzten” wärmen sich mit Kaffee auf. Auch das ist Sinn der Übung - mit anderen Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch kommen und den Teamgeist fördern. Überhaupt tut Entspannung jetzt gut.
0mitdiskutieren