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Segensgruß per Klingelmännchen

10.01.2010 | 17:16 Uhr

Wambel. „Hier sind die Klingeln.” Jeremy, der Sternsinger mit der blauen Krone, stapft zielsicher Richtung Haustür. Der Schnee auf der Auffahrt, der Wind von vorne – all' das ist ihm und seinen acht Mitstreitern egal.

Denn die Mädchen und Jungen vom katholischen St. Meinolfus-Kindergarten sind gerade erst losgezogen, wollen singend Geld für gute Zwecke sammeln. Und natürlich dürfen sie heute endlich mal das machen, was sonst verboten ist. „Klingelmännchen”, rufen die Kinder im Chor und drücken gleichzeitig auf alle Schellen.

Bärbel Petri, eine von drei Begleiterinnen der Kinder, schaut ihnen zu. „An jeder Tür wird geklingelt”, hat sie vorher verkündet. Und den Fünf- bis Sechsjährigen wird tatsächlich aufgetan. Dicht gedrängt und sichtlich aufgeregt quetschen sich fast alle gleichzeitig durch die Haustür. „Hoch am Himmel steht ein Stern” – der Text sitzt. Doch die erste Enttäuschung folgt schnell. „Hier hat keiner aufgemacht”, sagt Linus. Zwar hat ein Mieter die Haustür per Knopfdruck geöffnet, im Flur bleiben die Jungen und Mädchen aber dann doch alleine. Niemand öffnet, niemand steckt etwas in ihre Spendendosen. „Das passiert eben, weiter.” Bärbel Petri, die seit „irgendwas zwischen 25 und 30 Jahren” die Sternsinger begleitet, kennt solche Situationen. „Das bleibt schon bei den Kindern hängen.” Am besten sei dann, schnell weiterzuziehen. Auch, wenn mal jemand unfreundlich wird.

Und schon im nächsten Haus haben die Sternsinger ihre ersten Erfolge. „Das Lied habt ihr aber schön gelernt”, lobt eine junge Frau. Und ihre Nachbarin meint: „Ihr habt aber heute schlechtes Wetter. Macht's gut.” Glücklich lächelnd und mit den ersten Euros in der Büchse ziehen die Kinder von dannen. „Gut haben es die, die in Hochhäusern unterwegs sind. Die gehen von oben nach unten und haben es warm”, sagt Petri.

Ohnehin gilt: „Bei der Kälte können wir uns nicht lange aufhalten.” Aber die Eltern haben vorgesorgt und ihre Sprösslinge extra warm eingepackt. „Zwei paar Socken, Strumpfhose, Jogginghose, Schneehose, Unterhemd, T-Shirt, Rollkragenpullover, Fleecepulli und Winterjacke”, zählt Cornelia Weste auf. Ja, ihr Sohn Xaver erinnere sie schon an das berühmte Männchen, das für französische Reifen wirbt. Und viele Kronen stecken auf dicken Pudelmützen. Die Gruppe biegt gerade in die Straße Einigkeit ein. Für Bärbel Petri ist das ein Heimspiel, hier wuchs ihre Mutter auf und auch sie ist bekannt. Deshalb winkt ihr schon Franz Aschoff zu. Der schippt gerade den Schnee weg und ruft: „Direkt zu uns.” Die Kinder stellen sich auf und singen beherzt los. Maria Aschoff kommt dazu, ihr Mann klopft einem Jungen anerkennend auf die Schulter. Gut gemacht! Hier dürfen sie sogar mit Kreide ihr Zeichen hinterlassen, andere Mieter wollen lieber einen Aufkleber. „Wir warten immer auf die Sternsinger. Das ist eine gute alte Tradition”, sagt Aschoff. Natürlich gibt die Familie etwas, das „ist selbstverständlich”. Und auch die Sänger bekommen eine süße Aufmerksamkeit. Nach einer guten dreiviertel Stunde machen sich die ersten Ermüdungserscheinungen bemerkbar: „Ich habe Durst! Machen wir eine Pause?”. . . Natürlich sind die Betreuer darauf vorbereitet, kleine Pausen gibt es regelmäßig. Und zum Schluss wartet warmer Kakao auf die fleißigen Sammler. Sie haben ihn sich redlich verdient.

Wolfgang Maas

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