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Hoffnung bis zum Schluss

21.06.2012 | 16:47 Uhr
Hoffnung bis zum Schluss
Die Gedenkplatte für die ermordete Familie Rosenberg an der Paderborner Straße in Körne (vor Haus 108). Foto: Anja Cord

Körne. Gerda Rosenberg ging jeden Morgen mit ihrer Mutter Elsa die Paderborner Straße entlang. Zur katholischen St.-Libori-Grundschule. Daran kann sich die heute 87-jährige Dr. Gisela Ludwig genau erinnern. Auch an den humpelnden Vater Artur, der unter seinem Judenstern das Eiserne Kreuz trug. Bilder, die sich ihr, dem kleinen Mädchen, in den 30er Jahren sehr stark eingeprägt haben. 1942 wurde die Familie Rosenberg nach Theresienstadt deportiert, zwei Jahre später in Auschwitz ermordet. Am Donnerstag (21. Juni) setzte ihnen der Körner Kultur- und Kunstverein (KKK) einen Gedenkstein – gesponsert vom Ehepaar Ludwig. Gegen das Vergessen.

Geplant war das Vorhaben schon seit langem. Dr. Wilhelm Fricke hatte sich mehrere Jahre mit der Geschichte und dem Schicksal der Rosenbergs befasst – der offenbar damals einzigen jüdischen Familie in Körne. Er brachte im KKK den Vorschlag ein, ihnen eine Gedenktafel am Haus an der Paderborner Straße 108 anzubringen. Dort, wo die Rosenbergs bis zu ihrer Deportation zuletzt gelebt hatten. Das scheiterte aber an der fehlenden Einwilligung des Hausbesitzers. Die Legung eines Stolpersteins hätte laut Auskunft erst in ein paar Jahren umgesetzt werden können. Daraufhin entschloss man sich eine Gedenktafel in den Bürgersteig einzulassen. Am 20. März erfolgte über die Bezirksvertretung Innenstadt-Ost die Genehmigung, gestern wurde die gegossene Bronzeplatte in Anwesenheit von Vertretern des KKK, des Sponsorenehepaars, Vertretern der jüdischen und katholischen Gemeinden und Zeitzeugen vom Tiefbauamt einzementiert.

Artur Max Rosenberg (*1890) hatte im I. Weltkrieg ein Bein verloren – und erhielt den Verdienstorden, das Eiserne Kreuz. Das ließ den Bücherrevisor glauben, sich im späteren Nazi-Deutschland sicher fühlen zu können. „Mich holen die nicht, ich habe ja für Deutschland mein Leben eingesetzt“ soll er anderen Körnern gegenüber geäußert haben. Auch noch, als ihm 1939 sein Gewerbe von Amts wegen gelöscht wurde. Noch, als man ihm seinen Verdienstorden wegnahm, er 1939 nach Verordnung den Familienschmuck abgeben musste, seine Tochter nicht mehr an der Schulabschlussfeier teilnehmen und Fleischer Köster am Hellweg 116 seiner Familie kein Fleisch mehr liefern durfte. Die Hoffnung gab Artur Rosenberg nicht auf. Aber um die Gefahr wusste er schon. Leise erzählt die Tochter des Fleischers heute: „Nachdem mein Vater ihn eines Tages im Geschäft begrüßte, sagte Herr Rosenberg: ‘Sie dürfen mich nicht mehr grüßen’-- ‘Ich bestimme, wen ich zu grüßen habe’ – ‘Aber das ist für Sie gefährlich’“, erinnert sie sich. „Ein feiner Mann“. Kurze Zeit später erzählten die Rosenbergs Fleischer Köster: „Wir stehen auf der Liste“. Am 29. Juli 1942 waren sie weg.

Antje Mosebach



Kommentare
21.06.2012
18:34
Hoffnung bis zum Schluss
von Syndikus | #1

Jedes Opfer der Nazi-Diktatur ist eines zu viel und ein Stück Schuld auf unseren Schultern. Dass die Nazis aber auch Menschen entrechtet und umgebracht haben, die im Ersten Weltkrieg als deutsche Soldaten gekämpft haben, ist ein besonders leuchtender Schandfleck in der deutschen Geschichte. Wenn man bedenkt, dass die Ausgrenzung der Juden u.a. auch schlicht die Funktion hatte, Parteigänger und Mitläufer im Wege der "Arisierung" zu bereichern, kann einem nur noch schlecht werden. Hilter, Göring und Konsorten hatten mehr Egoismus und Raffgier im Blut als die Nazis ihren schlimmsten Juden-Karrikaturen angedichtet haben.

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