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Jahresrückblick 2009

Dauerkonflikt um Lebensqualität

29.12.2009 | 16:22 Uhr

Brackel. Lebensqualität gegen Wirtschaftsförderung: Diese Kontroverse bestimmte wie kaum ein anderes Thema das Jahr 2009. Ein Reizwort in Brackel lautet „Tedi”.

Der Discounter "Tedi" baut sein Europalager am Brackeler Hellweg. Diese Ansiedlung bewegt die Gemüter. Foto: Jochen Linz

Coop ging, „Tedi” kam: Der Umzug des Discounters auf das Ex-Konsum-Gelände am Brackeler Hellweg scheidet die Geister. Während die deutliche Mehrheit der Politik Investitionen und Arbeitsplätze begrüßt, sehen mehr oder minder viele Bürger die „Tedi”-Europazentrale mit Skepsis. Sie fürchten eine Lkw-Lawine im Stadtteil.

Ihren Unmut formulieren Anwohner erstmals Mitte März während einer Bürgerversammlung. Das kontroverse Thema beherrscht aber das ganze Jahr über die Schlagzeilen. Denn der „Tedi”-Betrieb ist gerade erst angelaufen; weitere Genehmigungen stehen vor der Entscheidung, die die Lebensqualität von Bürgern mindern könnte.

Ein wichtiger Aspekt ist der Verkehr. Die Bürgerinitiative „Für ein lebenswertes Brackel” zählte an einem Stichtag im Mai 1364 Lkw-Fahrten am Tag und mahnt: Der Gewerbeverkehr werde deutlich zunehmen - auch in der Nacht. Im November veröffentlicht die Stadt die Ergebnisse ihrer Verkehrszählung. Danach nahm die Frequenz entlang des Hellwegs zwischen Wambel und Wickede deutlich ab.

Doch wie viele Bürger stört der Verkehr wirklich? Ausgerechnet die „Bürgerliste - Freie Wähler” von Karin Stoll und Angelika Sieckmann, die sich das Thema besonders auf die Fahnen geschrieben haben, scheitert bei der Kommunalwahl und zieht nicht wieder in die Bezirksvertretung Brackel ein - im Gegensatz zu den anderen Parteien, die die „Tedi”-Ansiedlung und andere heiße Eisen mittragen.

Ärger um Lärm gibt's auch andernorts. Zum Beispiel in Wickede, wo Sportler und Ruhebedürftige gerade zu Feierabend und an Wochenenden nicht miteinander auskommen. In Brackel gründeten Anwohner nahe der Firma Vahle eine Bürgerinitiative. Sie wollen erreichen, dass der Lkw-Verkehr der Firma am Unteren Graffweg deutlich reduziert wird. Die Firma sitzt seit 1914 an dem Standort; sie versteht sich als Spezialist für mobile Energie- und Datenübertragung. Weil deren Mitarbeiter mit ihren Pkw und Zulieferer mit Lkw durch das Wohngebiet fahren, beklagen Anwohner u. a. zu hohes Tempo und Lärmbelästigungen. Indes: Aus Sicht der Politik soll Vahle bleiben. Als Kompromiss beschloss die Bezirksvertretung ein Bündel aus Maßnahmen, die die Anwohner entlasten sollen. Doch die Bürgerinitiative schickt eine Petition ans Land.

Viele weitere Aspekte des Jahresrückblicks in Texten und Bilder finden Sie am Mittwoch, 30. Januar, in Ihrer WR und WAZ.

Alexander Ebert



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